Tag 8 – Morgen in der Bar
Der Morgen kommt diesmal nicht langsam.
Er ist einfach da.
Nicht durch Alarm, nicht durch Stress – sondern durch diese ganz normale Abfolge aus Geräuschen, die ein Raum macht, wenn Menschen wieder zu Menschen werden: leise Schritte, Holz, das knarrt, Wasser, das irgendwo läuft, Teller, die abgestellt werden.
Sanji ist schon wach, bevor irgendwer wirklich wach ist.
Er bewegt sich so selbstverständlich durch den Raum, als hätte er nie etwas anderes getan. Er räumt nicht „für Aufmerksamkeit“, er räumt, weil es sonst keiner macht – und weil er es nicht erträgt, wenn Dinge halb gemacht sind. Er stellt Tassen hin, schneidet Brot, richtet Obst, und irgendwoher hat er wieder etwas Warmes organisiert, das nach Zuhause riecht, obwohl hier niemand zu Hause ist.
Chopper sitzt auf einem Stuhl, zu klein für ihn, mit einer Tasse, die er mit beiden Hufen hält. Er schaut Sanji dabei zu, als würde er versuchen zu verstehen, wie man so ruhig funktionieren kann.
Nami sitzt am Tisch und zählt nicht Geld – sie zählt Möglichkeiten. Blickt über Gesichter, Körperhaltungen, Reaktionen. Wie immer.
Zorro hat den Kopf leicht gesenkt, Arme verschränkt, aber seine Ohren sind offen. Er tut, als würde er schlafen. Er schläft nicht.
Usopp redet leise mit Franky über „Werkzeug“ und „Material“, als hätte er Angst, dass ihm sonst die Kontrolle entgleitet, wenn er nicht irgendwas Praktisches zu greifen hat.
Robin sitzt etwas abseits, eine Tasse in der Hand, und beobachtet – nicht neugierig, sondern exakt. Sie sagt nichts, aber sie verpasst nichts.
Brook summt leise etwas, fast unhörbar. Jinbe sitzt ruhig, als wäre Ruhe ein Handwerk. Und Ruffy isst – weniger laut als sonst, aber in genau derselben Geschwindigkeit, als könnte Essen die Welt wieder normal machen.
Am Rand lehnt Shanks entspannt, aber seine Augen sind wach. Beckman steht bei ihm, die Haltung wie ein stiller Schutz. Lucky Roux ist bereits bei seinem zweiten Teller. Yasopp kommentiert irgendwas halblaut, sodass es fast wie ein Witz klingt, auch wenn es keiner richtig hört.
Mihawk sitzt wie gestern, als wäre Zeit für ihn nur ein Konzept. Rayleigh wirkt am Morgen fast freundlich – nicht mit Worten, sondern mit dieser Art von Blick, der sagt: Ich hab schon schlimmere Jahre gesehen.
Kid sitzt wie ein Problem, das beschlossen hat, heute mal still zu sein. Killer sitzt neben ihm, als wäre das die einzige Konstante, die Kid wirklich duldet.
Und Laws Crew ist da, endlich wieder sichtbar im Raum:
Bepo steht am Tisch und wirkt, als würde er gleichzeitig auf Law und auf Lia achten, ohne zu wissen, warum. Shachi und Penguin reden leise miteinander und schauen immer wieder zu den Ausgängen, als müssten sie sich daran erinnern, dass die Türen hier nicht „Flucht“ bedeuten, sondern einfach nur… Türen.
Law selbst sitzt schon.
Seine Mütze liegt neben ihm. Kikoku ist nicht weit – nicht als Drohung, eher wie ein Körperteil, das man nicht einfach ablegt.
Er schaut.
Er schaut immer.
Und heute schaut er auch auf Lia, ohne dass er es sofort als „schauen“ registriert.
Lia kommt nicht wie jemand, der geschniegelt in den Tag tritt.
Sie kommt wie jemand, der gestern zu viel getragen hat und heute trotzdem da ist.
Die Haare sind offen. Die rosa Wellen fallen schwer, nicht geschniegelt, aber sauber. Die Sommersprossen sind da, weich. Sie trägt etwas Einfaches, warm, bequem – kein Arztkittel, kein Symbol. Nur Lia.
Sie nimmt sich Tee.
Nicht, weil sie Tee braucht.
Weil Tee Stabilität ist.
Sie setzt sich nicht „zentral“, sie setzt sich da hin, wo sie den Raum halten kann, ohne ihn zu dominieren.
Und trotzdem passiert etwas, das Law sofort registriert.
Lia ist… anders.
Nicht unsicher.
Nicht schwach.
Aber innerlich leicht verschoben.
Sie hört Sanji zu, während er erklärt, dass er „nur“ gekocht hat, und sie nickt – aber ihr Blick rutscht für einen winzigen Moment weg. Nicht zu den Tellern, nicht zu den anderen.
Zu Law.
Nur kurz.
Wie ein Reflex, den sie nicht dramatisiert.
Law merkt es, weil er auf so etwas trainiert ist.
Nicht romantisch.
Klinisch.
Er denkt: Sie zählt mich mit.
Sanji stellt Lia automatisch zuerst einen Teller hin.
Nicht übertrieben.
Nicht kniefällig.
Einfach selbstverständlich.
Lia hebt den Blick zu ihm. Und diesmal ist da mehr Wärme als sonst.
„Danke“, sagt sie ruhig.
Sanji will sofort abwinken, stolz wie immer. „Ist doch nichts.“
Lia lässt ihn nicht damit davonkommen – aber auch nicht unangenehm.
„Doch“, sagt sie. „Weil du’s machst, ohne dass du etwas dafür willst.“
Sanji hält kurz inne. Ein richtiger Stillstand. Dann richtet er die Krawatte, als hätte sie plötzlich nicht richtig gesessen.
„Tch“, murmelt er. „Ich mach’s halt.“
Lia lächelt klein. Nicht breit. Echt.
Und Law sieht: Sanji nimmt das ernst. Er versteckt es nur.
Chopper rutscht mit seinem Stuhl näher, als würde er sich das selbst nicht ganz erlauben.
„Ähm“, sagt er, leise. „Lia?“
Sie wendet sich ihm sofort zu. Komplett. Als gäbe es gerade nichts Wichtigeres.
„Ja?“
Chopper hält seine Tasse fest, dann platzt es raus:
„Gestern… als du… also… du warst so ruhig.“
Er ringt nach Worten. „Wie… wie bleibt man so ruhig?“
Lia antwortet nicht sofort.
Nicht, weil sie es nicht weiß.
Weil sie es gut formulieren will.
Law sieht es an ihrem Blick. Dieses winzige „Sortieren“, bevor sie spricht.
„Weil Panik nichts heilt“, sagt Lia dann. „Und weil Angst ansteckend ist. Wenn ich ruhig bin, wird’s für andere leichter, ruhig zu bleiben.“
Chopper nickt so heftig, dass seine Ohren wackeln.
„Das… das ist schlau.“
„Nein“, sagt Lia. „Das ist Übung.“
Sie sagt es nicht traurig.
Nur wahr.
Nami lehnt sich mit ihrem Kaffee vor.
„Wenn wir jetzt hier sind“, sagt sie, direkt, „und wir arbeiten müssen… wie läuft das mit Geld? Start? Regeln? Miete?“
Das ist so Nami, dass selbst Zorro kurz den Mundwinkel hebt.
Lia nickt, als hätte sie genau damit gerechnet.
„Ich sorge dafür, dass niemand von euch fällt“, sagt sie ruhig. „Aber ich mache euch nicht abhängig.“
Nami blinzelt. „Was heißt das konkret?“
„Startkapital“, sagt Lia. „Für jeden. Genug für Wohnung, Essen, Grundausstattung.“
Sie schaut kurz in die Runde. „Und Arbeit – wenn ihr sie wollt. Nicht, weil ich euch besitzen will. Sondern weil Stabilität Freiheit ist.“
Nami hält den Blick. Sie prüft.
„Und Bedingungen?“
Lia schüttelt den Kopf. „Keine, außer: Ihr bleibt in Reichweite, solange ihr keine Kräfte habt. Und ihr eskaliert nicht.“
Kid schnaubt leise, sagt aber nichts.
Nami nickt langsam. „Okay.“
Das ist bei Nami schon fast ein „Danke“.
Und während das alles passiert, passiert es wieder.
Lia hört Chopper zu.
Sie lächelt kurz über Ruffys zweite Portion.
Sie nickt Sanji zu.
Und dann – wie ein Atemzug – geht ihr Blick wieder zu Law.
Nicht starr.
Nicht fordernd.
Eher, als wäre er etwas, das sie im Raum automatisch sucht, so wie andere Menschen die Tür suchen.
Law merkt es diesmal bewusst.
Er hebt langsam den Blick.
Und er entscheidet.
Nicht aus Flirt.
Nicht aus Spiel.
Er entscheidet, ob er es ignoriert – oder ob er ihr zeigt, dass er es gesehen hat.
Er könnte es ignorieren.
Das wäre Law.
Kontrolle.
Aber er tut’s nicht.
Er hält ihren Blick einen Tick länger, als „zufällig“ wäre.
Ein Herzschlag.
Vielleicht zwei.
Nicht weich.
Nicht lächelnd.
Nur: Ich hab’s gemerkt.
Lia blinzelt einmal.
Ganz minimal.
Und etwas in ihrer Haltung wird ruhiger, als hätte ihr Nervensystem kurz bekommen, was es wollte: Bestätigung ohne Worte.
Sie schaut wieder weg, sofort, damit es niemand als „Sache“ lesen kann.
Aber Law hat’s gesehen.
Und er denkt, trocken, wie immer:
Sie spielt nicht.
Dann ein zweiter Gedanke, leiser:
Und das ist gefährlich.
Nicht, weil sie gefährlich ist.
Weil er es ist, wenn er jemanden ernst nimmt.
Viola kommt in den Raum, sichtbar stabil – aber verlegen, als würde sie hoffen, dass niemand über „das“ redet.
Sie setzt sich nicht direkt zu allen. Sie bleibt kurz stehen, scannt automatisch.
Ihr Blick sucht Kid.
Kid sitzt da.
Und diesmal schaut er zurück, ohne dass er wegschaut.
Viola setzt sich, etwas abseits, aber näher als gestern.
Sie sagt nichts.
Aber ihr Körper atmet ein bisschen leichter.
Law registriert das.
Er registriert auch, dass Lia es registriert.
Und Lia sagt nichts dazu.
Weil sie es nicht zerstören will, indem sie es benennt.
Pain sitzt irgendwo am Rand, ruhig wie immer, und beobachtet.
Viktor sitzt nicht ganz im Zentrum, schaut kaum jemanden direkt an – aber seine Präsenz ist da. Wie eine Wand, die nicht drückt, sondern schützt.
Shanks wirkt entspannt, aber sein Blick wandert einmal kurz zu Lia – dann zu Law – dann wieder weg.
Nicht wertend.
Nur: Interessant.
Rayleigh trinkt Tee wie ein Mann, der weiß, wie selten „ruhige Morgen“ sind.
Mihawk bewegt sich kaum, aber er sieht die Blicke. Natürlich sieht er sie.
Er denkt nichts Lautes.
Er denkt nur: Das ist kein Zufall mehr.
Und Law?
Law bleibt still.
Aber heute ist seine Stille anders als gestern.
Nicht „ich halte Abstand“.
Mehr „ich bin hier“.
Er sagt nichts.
Doch als Lia einmal kurz aufsteht, um ihre Tasse nachzufüllen, und an ihm vorbeigeht, bleibt sie einen halben Schritt langsamer.
Nur so.
Damit er es merkt.
Law könnte das ignorieren.
Er tut es nicht.
Er sagt leise, ohne sie anzusehen:
„Du schläfst auch nicht viel.“
Lia bleibt stehen. Nicht überrascht. Eher… getroffen auf eine ruhige Art.
„Genug“, sagt sie.
Dann, noch leiser, als wäre es nur für ihn:
„Heute ist ein guter Morgen.“
Sie geht weiter.
Und Law sitzt da, schaut ihr nach, nur kurz.
Und in ihm ist diese Entscheidung, die noch keine Worte hat:
Nicht heute.
Aber irgendwann.
Tag 8 - Vormittags Lia stellt sich
Der Raum ist still genug, dass man das leise Knistern irgendwo von einer Lampe hört. Lia sitzt mitten im Raum, entspannt, aber aufmerksam. Sie schaut einmal herum, als würde sie die Stimmung abtasten – nicht kontrollierend, eher wie jemand, der wirklich wissen will, ob alle klar kommen.
„Okay“, sagt sie. „Ich beantworte alles. Auch wenn’s unangenehm ist. Wer will anfangen?“
Chopper hebt die Hand fast sofort – nicht mutig, sondern ehrlich.
„Wenn… wenn jemand hier richtig verletzt ist“, sagt er, „und ich kann helfen… darf ich das überhaupt? Oder kommt dann Polizei?“
Lia nickt, als hätte sie genau damit gerechnet.
„Gute Frage“, sagt sie ruhig. „Hier ist Medizin nicht… ein Instinkt, sondern ein Beruf. Das heißt: Ohne Ausbildung darfst du offiziell niemanden behandeln. Weil Leute sonst sterben – nicht aus Böse, sondern aus Fehlern.“
Sie hält kurz inne, damit Chopper nicht denkt, es sei gegen ihn.
„Aber“, sagt sie dann, und ihre Stimme wird weicher, „Notfälle sind anders. Wenn jemand verblutet und du bist der Einzige, der handeln kann, dann handelst du. Das ist hier sogar ein… moralisches Grundprinzip.“
Chopper blinzelt. „Und danach?“
„Danach“, sagt Lia, „kommt die Frage: War es verantwortungsvoll. War es fachlich korrekt. War es Hilfe – oder Schaden.“
Sie schaut ihn ruhig an.
„Und da kommt mein Teil: Wenn du wirklich kannst, was ich glaube, dass du kannst… dann mache ich das offiziell über mein Haus. Ich sehe, was du drauf hast. Ich setze dich nicht auf Menschen los. Ich lasse dich erst schauen, assistieren, lernen.“
Chopper atmet hörbar aus, als hätte er das gebraucht.
„Und ja“, fügt Lia hinzu, „wenn du willst, helfe ich dir, hier legal Arzt zu werden. Mit allem, was dazu gehört.“
Chopper nickt, fast überfordert, aber glücklich.
Law beobachtet das.
Und denkt: Sie verspricht nichts, was sie nicht halten kann.
Nami lässt Chopper ausreden, dann kommt sie sofort mit dem nächsten Punkt – logisch, scharf, realistisch.
„Okay“, sagt sie. „Wenn wir arbeiten müssen – wie schnell? Und wie läuft das mit… Wohnung, Verträgen, Konto? Wir haben ja nichts.“
Lia antwortet ohne Verzögerung.
„Ihr müsst nicht morgen früh in ein Büro rennen“, sagt sie. „Ihr müsst erstmal verstehen, wie das hier läuft. Aber ja: auf Dauer braucht ihr Einkommen.“
Sie lehnt sich minimal vor.
„Es gibt hier Verträge. Für Arbeit. Für Wohnung. Für Versicherung. Und Verträge sind ernst. Wenn du unterschreibst, zählt das. Nicht Ehre. Nicht Stärke. Unterschrift.“
Nami nickt langsam. „Und… Konto?“
„Bekommt ihr“, sagt Lia ruhig. „Ich organisiere das. Und Startgeld – ja. Nicht, damit ihr reich seid. Sondern damit ihr nicht abhängig seid.“
Nami verengt die Augen. „Und was willst du dafür?“
Lia schaut sie einfach an.
„Nichts“, sagt sie. „Außer, dass ihr euch nicht dumm in Gefahr bringt. Das ist alles.“
Nami hält den Blick. Dann nickt sie einmal, klein. Nicht dankbar-süß – eher respektvoll.
Sanji steht halb am Tisch, weil er nie richtig still sitzt. Er hat die ganze Zeit schon aufgepasst, wer wie reagiert.
„Darf ich was fragen?“, sagt er, höflich.
Lia schaut zu ihm. „Ja.“
Sanji räuspert sich, als würde er’s nicht groß machen wollen.
„Du hast vorhin… Zigaretten erwähnt.“ Er hebt eine Braue. „Sind die hier… ein Problem?“
Lia schüttelt leicht den Kopf.
„Nicht verboten“, sagt sie. „Aber teuer. Und gesundheitlich… du weißt es selbst.“
Sanji schnaubt leise. „Ja, ja.“
Dann schaut Lia ihn kurz an – ruhig, fast beiläufig, aber genau.
„Du hast die ganze Zeit nicht geraucht“, stellt sie fest.
Sanji blinzelt, kurz erwischt. „War… viel los.“
„Mhm“, sagt Lia. Kein Urteil. Nur registriert.
Ein Moment, dann sagt sie leise:
„Wenn du welche brauchst, sag es. Nicht, weil ich’s gut finde. Sondern weil ich lieber will, dass du stabil bleibst, statt dass du heimlich unruhig wirst.“
Sanji schaut sie an, überrascht von der Art, wie sie’s sagt. Nicht wie eine Ärztin, die schimpft. Eher wie jemand, der Menschen wirklich lesen kann.
„Danke“, sagt er dann, und es ist nicht flirtig. Es ist echt.
Er zögert – dann kommt noch etwas, stolz, aber ehrlich:
„Und… wegen Kochen. Du hattest’s ja… angeboten. Ich mach sowas nicht, wenn ich nicht ernst genommen werde.“
Lia nickt sofort.
„Ich nehme dich ernst“, sagt sie ruhig. „Ich habe gesehen, wie du dich um alle kümmerst, ohne es an die große Glocke zu hängen.“
Sanji wird einen Tick stiller.
„Wenn du willst“, fährt Lia fort, „kannst du hier eine Küche führen. Nicht als Diener. Als Leitung. Patientenfreundlich, sauber, strukturiert – und du entscheidest mit.“
Sanji schluckt einmal. Dann richtet er sich auf, als müsste er sein Gesicht wieder in Kontrolle kriegen.
„Ich… denk drüber nach“, sagt er.
„Gut“, sagt Lia. „Mehr will ich heute nicht.“
Usopp hebt langsam die Hand, als hätte er Angst, dass gleich jemand lacht.
„Also…“, beginnt er, „wenn man hier… Sachen bauen will. Werkzeuge. Und so. Krieg ich Ärger, wenn ich was… Explosives baue?“
Zorro schnauft leise. Kid grinst. Usopp wird rot.
Lia unterbricht das sofort, ohne streng zu sein.
„Niemand lacht“, sagt sie ruhig. „Das ist eine echte Frage.“
Dann zu Usopp:
„Werkzeuge sind okay. Basteln ist okay. Erfinden ist okay. Aber sobald es Waffen sind – oder Dinge, die Menschen verletzen können – wird’s geregelt.“
Usopp hebt die Augenbrauen. „Also… verboten?“
„Nicht automatisch“, sagt Lia. „Aber kontrolliert. Genehmigungen. Verantwortung. Und wenn du einfach irgendwas in der Öffentlichkeit hochjagst, kommt nicht ein Pirat. Es kommt Polizei. Und die verhandeln nicht so wie ihr.“
Usopp nickt schnell.
„Aber“, fügt Lia hinzu, „wenn du in einem legalen Rahmen arbeitest – Werkstatt, Technik, Rettungssysteme – kann das sogar sehr wertvoll sein.“
Usopp blinzelt. „Rettungssysteme?“
„Mhm“, sagt Lia. „Denk nicht immer nur Angriff. In dieser Welt gewinnt oft der, der vorbereitet ist.“
Law hört das – und merkt, dass Lia nicht nur nett ist. Sie ist strategisch, aber leise.
Zorro hebt den Kopf, als wäre jetzt sein Moment.
„Wie ist das mit Schwertern“, sagt er trocken. „Ich geh nicht ohne.“
Lia schaut ihn an, ruhig.
„In der Öffentlichkeit? Nein“, sagt sie.
Zorro verzieht keine Miene. „Warum?“
„Weil Menschen hier Angst bekommen“, sagt Lia. „Und weil Gesetze nicht danach fragen, ob du gut bist. Nur ob du eine Gefahr bist.“
Zorro sagt nichts.
Lia ergänzt, sachlich:
„Du kannst sie besitzen. Du kannst zuhause trainieren. Du kannst in einem geschützten Rahmen üben. Aber du läufst nicht bewaffnet durch Straßen, als wäre das normal.“
Zorro schaut zur Seite.
„Und wenn ich muss?“, fragt er.
Lia lässt das kurz stehen, dann:
„Dann reden wir über O.M.E.G.A.“ sagt sie. „Aber nicht, weil du kämpfen willst – sondern weil du kämpfen musst, wenn andere es nicht können.“
Zorro nickt minimal. Das ist genug.
Kid lehnt sich zurück, als würde er das ganze System verachten.
„Und wenn ich mich nicht an eure Regeln halte?“, fragt er, provokant.
Es wird kurz still.
Lia schaut ihn an. Keine Angst. Kein Trotz.
„Dann wirst du gestoppt“, sagt sie.
Kid lacht schief. „Von dir?“
„Wenn nötig“, sagt Lia ruhig.
Dann fügt sie hinzu – nicht drohend, eher wie eine Tatsache:
„Aber ich hoffe, du bist nicht so dumm, wie du tust.“
Kid verstummt einen Moment, als hätte ihn das mehr getroffen als ein Angriff.
„Ich will frei sein“, sagt er dann leiser, ehrlicher.
Lia nickt.
„Freiheit ist hier erlaubt“, sagt sie. „Aber nicht auf Kosten von anderen.“
Kid schaut weg. Viola – die sich sonst zurückhält – schaut kurz zu ihm, als hätte sie etwas im Kopf, sagt aber noch nichts.
Shanks sagt bis dahin nichts. Dann kommt seine Stimme – ruhig, freundlich, aber gefährlich aufmerksam.
„Du sagst, hier regelt der Staat vieles“, meint er. „Und wenn der Staat versagt… gibt’s euch. O.M.E.G.A. Wie verhindert ihr, dass ihr selbst… zur Gefahr werdet?“
Lia antwortet sofort, ohne sich zu verteidigen.
„Indem wir Regeln haben“, sagt sie. „Und Kontrolle. Nicht durch Angst. Durch Struktur.“
Sie schaut Shanks an.
„O.M.E.G.A greift nur ein, wenn jemand aus Spaß tötet, Menschenhandel betreibt, die Welt dominieren will oder extreme Grausamkeit lebt. Alles andere ist… normales Leben.“
Shanks’ Blick bleibt ruhig. „Und wenn einer von euch kippt?“
Lia atmet einmal ein.
„Dann wird er gestoppt“, sagt sie. „Egal wer.“
Kein Drama in der Stimme. Nur Wahrheit.
Shanks nickt langsam. Nicht als Zustimmung – als Anerkennung, dass sie nicht ausweicht.
Rayleigh ist eine Weile still gewesen, beobachtend. Dann spricht er – ruhig, fast sanft.
„Wenn man euch alles nimmt – Kraft, Titel, Welt“, sagt er, „was bleibt dann übrig, Lia? Was ist ein Mensch hier?“
Der Raum wird stiller als vorher.
Lia antwortet nicht sofort. Nicht weil sie keine Antwort hat – sondern weil sie den Satz richtig setzen will.
„Ein Mensch ist hier“, sagt sie schließlich, „jemand, der Verantwortung tragen kann. Und trotzdem fühlen darf. Und trotzdem wählen darf.“
Sie schaut in die Runde.
„Ihr müsst hier nicht Helden sein. Ihr müsst nicht kämpfen. Ihr müsst nicht beweisen, dass ihr stark seid.“
Ein kleiner Atemzug.
„Ihr müsst nur lernen, wie man lebt, ohne ständig Krieg zu sein.“
Rayleigh lächelt ganz leicht. Nicht glücklich – eher: verstanden.
Und Law?
Er sagt lange nichts.
Er sitzt da, reglos, aber sein Blick ist wach. Er hört jedes Wort. Er zählt mit, ohne dass es jemand merkt.
Dann hebt er den Kopf – und seine Stimme ist leise.
„Und wenn jemand… wie wir… keine Papiere hat“, sagt er, „und trotzdem Fähigkeiten, die hier fehlen…“
Er macht eine Pause. Seine Augen bleiben auf Lia.
„…wie entscheidest du, wem du vertraust?“
Lia hält seinen Blick.
„Ich entscheide nicht aus Hoffnung“, sagt sie ruhig. „Ich entscheide aus Beobachtung.“
Sie neigt den Kopf minimal.
„Ich schaue: Wie gehst du mit Schwächeren um. Wie reagierst du, wenn du keine Kontrolle hast. Ob du Grenzen respektierst. Ob du Verantwortung trägst, auch wenn es dich nichts bringt.“
Law bewegt sich kaum, aber in ihm passiert was.
Lia fügt leise hinzu:
„Und ja. Bei dir sehe ich das.“
Nicht „du bist toll“. Nicht „ich mag dich“. Nur das: ich sehe dich.
Law sagt nichts mehr.
Aber es bleibt im Raum.
Lia schaut danach wieder in die Runde.
„Noch jemand?“, fragt sie ruhig. „Egal was.“
Robin hebt ruhig die Hand. Nicht zögerlich – eher höflich.
„Wenn wir hier bleiben“, sagt sie, „brauchen wir Identität. Namen. Papiere. Eine… Geschichte, die in eurer Welt Sinn ergibt. Sonst fallen wir auf.“
Sie macht eine kurze Pause.
„Wie funktioniert das hier? Gibt es Register? Meldestellen? Und… wer entscheidet, ob jemand ‘existiert’?“
Ein paar Köpfe drehen sich zu Robin. Das ist die erste Frage, die wirklich „System“ ist.
Lia nickt langsam.
„Du hast recht“, sagt sie. „Ohne Identität kannst du hier nicht leben. Du kannst dann nicht arbeiten, keine Wohnung mieten, kein Konto eröffnen. Und du bist… angreifbar.“
Sie verschränkt die Hände nicht, sie bleibt offen.
„Hier gibt es Meldepflicht. Du bist irgendwo gemeldet – Adresse, Name, Geburtsdatum. Dazu kommen Dokumente: Ausweis, Krankenversicherung, Steuer-ID.“
Robin schaut Lia ruhig an. „Und wir haben nichts davon.“
„Noch nicht“, sagt Lia. „Aber das ist lösbar.“
Sie hält einen Atemzug inne, dann wird ihre Stimme minimal ernster – nicht hart, eher präzise.
„Es gibt legale Wege und es gibt Wege, die… nur funktionieren, wenn jemand Verantwortung übernimmt.“
Sie schaut kurz in die Runde – dann wieder zu Robin.
„Ich übernehme diese Verantwortung. Nicht leichtfertig. Aber bewusst.“
Robin bleibt still. Sie akzeptiert den Rahmen, will Details.
Lia ergänzt:
„Und weil du nach ‘wer entscheidet’ gefragt hast: Der Staat entscheidet das normalerweise nicht ‘nach Gefühl’. Aber es gibt Sonderfälle. Schutzprogramme. Menschen ohne Dokumente. Flüchtlinge. Identitäten, die neu aufgebaut werden. Das ist Bürokratie. Langsam. Aber möglich.“
Robin neigt leicht den Kopf. „Und unsere Vergangenheit?“
Lia schaut sie an.
„Die gehört euch“, sagt sie ruhig. „Und sie bleibt bei euch. Niemand muss eure Vergangenheit offenlegen, um hier leben zu dürfen. Privatsphäre ist ein Recht. Und ich werde nicht zulassen, dass ihr zu Akten werdet.“
Robin lächelt kaum sichtbar – dieses kleine, fast unsichtbare „verstanden“.
„Danke“, sagt sie leise. „Das ist… selten.“
Lia nickt nur. „Ich weiß.“
Franky kann nicht lange still bleiben. Er lehnt sich nach vorn, beide Hände auf den Knien, als würde er gleich aufspringen.
„Okay, SUPER-Frage!“, sagt er. „Wo krieg ich hier Material her? Werkzeuge? Strom? Maschinen? Gibt’s ’ne Werkstatt? Und darf man einfach so bauen?“
Lia schaut ihn an – und ein kleines Stück Wärme rutscht in ihre Augen, weil sie merkt: Der Mann denkt nicht an Chaos. Er denkt an machen.
„Du darfst bauen“, sagt sie. „Aber nicht überall. Nicht alles. Und nicht ohne Regeln.“
Franky zieht eine Grimasse. „Regeln.“
„Ja“, sagt Lia ruhig. „Weil hier nicht jeder versteht, was du tust. Und wenn etwas explodiert, sterben Menschen, die nichts damit zu tun haben.“
Franky hebt abwehrend die Hände. „Ich spreng nix ohne Grund!“
Lia nickt sofort. „Das glaube ich dir.“
Und das allein wirkt, als hätte sie ihm gerade etwas gegeben.
„Es gibt Werkstätten“, fährt Lia fort. „Es gibt Industrie. Es gibt Läden, Lager, Lieferketten. Du kannst Materialien kaufen – oder du arbeitest in einem Bereich, der Zugang hat.“
Franky beugt sich näher. „Zugang.“
„Mein Krankenhaus hat Technik“, sagt Lia. „Medizingeräte, Stromsysteme, Versorgung, Notstrom, Wartung. Und ich kenne Leute, die dir eine Werkstatt geben können – legal.“
Frankys Augen leuchten.
„Aber“, sagt Lia, und da ist wieder dieses klare Timing, „wenn du Waffen baust, wird das schwierig. Nicht unmöglich. Aber geregelt.“
Franky grinst breit. „Ich bau zuerst was Nützliches. Versprochen.“
Lia nickt. „Gut. Dann wird das hier sogar… sehr passend für dich.“
Brook hebt vorsichtig die Hand, höflich, mit diesem leichten Gentleman-Ton.
„Darf ich auch? Yohoho…“
Ruffy kichert kurz, dann wird es wieder ruhig.
Brook räuspert sich.
„Wenn ich Musik mache… kann ich damit Geld verdienen? Gibt es hier Bühnen? Und… ist Musik frei? Oder… besitzt jemand sie?“
Lia nickt langsam.
„Es gibt Bühnen“, sagt sie. „Bars. Clubs. Konzerte. Hochzeiten. Veranstaltungen. Und ja: Du kannst damit Geld verdienen.“
Brook entspannt sich.
Dann schaut Lia ihn kurz an – ohne Starren, ohne Mitleid. Einfach sachlich.
„Und du wirst auffallen“, sagt sie ruhig. „Das ist nicht böse gemeint. Das ist Realität.“
Brook lächelt, ganz sanft. „Ich bin es gewohnt.“
„Gut“, sagt Lia. „Dann machen wir das klug. Kostüm. Maske. Bühne. Oder Orte, die ‘anders’ akzeptieren. Es gibt Subkulturen. Communities. Menschen, die genau sowas feiern.“
Brook nickt.
„Und zur Frage ‘besitzt jemand Musik’: Ja. Es gibt Urheberrecht. Du kannst nicht einfach alles spielen und verkaufen, was jemand anders geschrieben hat. Aber du kannst auftreten. Du kannst eigene Musik machen. Du kannst legal Cover spielen. Das erkläre ich dir genau, wenn du willst.“
Brook verbeugt sich minimal.
„Wie… zivilisiert“, sagt er ehrfürchtig.
Lia lächelt klein. „Manchmal ja.“
Mihawk hat bis dahin geschwiegen. Jetzt hebt er langsam den Blick.
„Wenn Kampf nicht erlaubt ist“, sagt er ruhig, „wofür existiert Disziplin? Wozu lebt man ohne Herausforderung?“
Keiner lacht. Keiner unterbricht. Das ist Mihawk: eine Frage wie ein Schwert.
Lia hält seinen Blick aus.
„Disziplin existiert hier auch“, sagt sie. „Nur anders.“
Sie deutet nicht, sie erklärt.
„Du kannst trainieren. Du kannst Kampfsport machen. Du kannst Fechten. Du kannst Wettkampf haben. Du kannst Gegner finden – in einem Rahmen, der nicht Menschen gefährdet, die nichts damit zu tun haben.“
Mihawk blinzelt minimal. „Und wenn jemand mich herausfordert?“
„Dann sagst du nein“, sagt Lia ruhig. „Oder du sagst: ‘Nicht hier.’“
Ein Atemzug.
„Weil hier nicht die Frage ist, ob du gewinnen kannst. Sondern ob du die Kontrolle behältst, wenn du gewinnst.“
Mihawk bleibt still.
Lia fügt leise hinzu:
„Und wenn du echte Herausforderung willst… dann ist O.M.E.G.A vermutlich näher an deiner Sprache. Nicht, weil du töten sollst. Sondern weil dort Disziplin zählt. Verantwortung. Konsequenz. Keine Show.“
Mihawk sagt nichts – aber sein Blick wird einen Tick schärfer. Anerkennung, nicht Zustimmung.
Ruffy hebt die Hand nicht. Er sagt einfach:
„Warum hilfst du uns wirklich?“
Der Raum hält den Atem an. Nicht weil es gefährlich ist – sondern weil es die ehrlichste Frage ist.
Lia schaut Ruffy an. Lange genug, dass jeder merkt: sie nimmt ihn ernst.
Dann sagt sie:
„Darf ich was zurückfragen?“
Ruffy blinzelt. „Hä? Ja.“
Lia nickt langsam.
„Stell dir vor, wir hätten euch nicht geholt“, sagt sie ruhig. „Stell dir vor, wir hätten euch liegen lassen. Der Maler hätte geschnipst – und ihr wärt weg.“
Ein kurzer Moment Stille.
„Nicht verletzt. Nicht gefangen. Weg“, sagt Lia leise. „Tot.“
Ruffy schluckt. Nicht weil er Angst hat. Weil es plötzlich real ist.
Lia schaut in die Runde, nicht nur zu ihm.
„Ich mag kein Chaos“, sagt sie. „Ich mag Gleichgewicht. Diese Stadt braucht es. Die Polizei versucht es. Der Staat versucht es. Und O.M.E.G.A ist da, wo es zu groß wird für normale Mittel.“
Sie atmet einmal ein.
„Aber der Hauptgrund ist einfacher“, sagt sie.
Sie legt den Kopf nicht schief, sie macht es nicht weich – sie sagt es einfach, wie sie ist:
„Ich helfe, weil ich es will.“
Ein paar reagieren sichtbar: Nami schaut aufmerksam, Shanks ruhig, Law unbeweglich, aber wach.
Lia fährt fort, ruhig:
„Ich habe mich entschieden, euch zu vertrauen.“
Ein Beat.
„Und ja“, sagt sie, „ich hätte euch auch ohne eure Kräfte ‘echt’ machen können. Und trotzdem… hätte ich euch geschwächt hier gelassen.“
Sie schüttelt minimal den Kopf.
„Das wollte ich nicht.“
Dann kommt der Satz, den du wolltest – aber in Lia-Ton, sauber:
„Wenn ich mich täusche“, sagt sie ruhig, „dann trage ich die Konsequenz. Nicht ihr. Ich.“
Sie sieht Ruffy an.
„Wenn ihr eure Kräfte zurückbekommt und euch entscheidet, Menschen zu schaden… dann habe ich euch falsch eingeschätzt. Und dann werde ich euch stoppen.“
Kein Drohen. Kein Stolz. Nur Verantwortung.
„Aber ich will das nicht“, sagt Lia leise. „Ich will, dass ihr lebt. Und dass ihr euch hier etwas aufbauen könnt. Frei. Echt. Ohne dass jemand euch wie ein Besitz behandelt.“
Ruffy schaut sie an. Dann grinst er nicht. Er nickt nur einmal. Ernst.
„Okay“, sagt er. „Dann… glaub ich dir.“
Und im Raum passiert etwas Kleines, aber Wichtiges:
Nicht „Freundschaft“.
Nicht „Liebe“.
Sondern: Grundvertrauen.
Lia lässt den Blick noch einmal durch den Kreis wandern. Nicht suchend. Nur prüfend, ob noch etwas in der Luft hängt.
„Noch jemand?“, fragt sie ruhig.
Ein paar Sekunden Stille.
Dann hebt sie die Hand – nicht hoch, nur so, dass klar ist: jetzt.
„Ich möchte euch ganz ehrlich was sagen“, sagt Lia. „Ganz präzise. Ohne Filter.“
Der Raum wird stiller, als er eben schon war.
„Ich helfe euch, weil ich es will“, sagt sie. „Ich gebe, weil ich es will.“
Sie schaut dabei nicht dramatisch, nicht traurig. Einfach klar.
„Ich will gar nichts von euch.“
Ein kurzer Atemzug.
„Ich will, dass ihr in so einer Welt leben könnt. Nach euren Wünschen. Nicht nach meinem Plan.“
Sie lässt das stehen, ohne es auszuschmücken.
„Und falls ihr irgendwann weg wollt“, fügt sie hinzu, „dann geht ihr. Ohne Schuld.“
Zorro hebt den Kopf, als hätte er die Frage schon länger im Mund, aber keinen Bock auf Umwege.
„Und wenn einer von uns Mist baut?“, fragt er. „Ich mein—“ Er zuckt mit der Schulter. „Nicht aus Spaß. Aber… passiert.“
Lia nickt sofort.
„Dann kommt’s drauf an, was du unter ‘Mist’ meinst“, sagt sie. „Fehler passieren. Dinge kaputt machen. Sich prügeln, weil du nicht nachdenkst – das ist hier trotzdem ein Problem.“
Sie schaut ihn ruhig an.
„Aber ich bin nicht hier, um euch an die Leine zu nehmen“, sagt sie. „Ich bin hier, um zu verhindern, dass aus einem Fehler ein Massaker wird.“
Zorro brummt leise. „Klingt fair.“
Kid lehnt sich zurück, ein Grinsen, das nicht freundlich ist, eher getestet.
„Du sagst, du willst nichts“, sagt er. „Bullshit. Jeder will was.“
Lia schaut ihn an, ohne sich zu verteidigen.
„Du darfst mir misstrauen“, sagt sie ruhig. „Das ist erlaubt.“
Kid schnaubt. „Und? Was willst du wirklich?“
„Dass ihr nicht verschwendet werdet“, sagt Lia. „Dass ihr nicht als ‘Fehler’ gelöscht werdet, weil jemand euch nicht mehr mag.“
Kid wird kurz stiller, als er will.
„Und ja“, fügt Lia hinzu, „ich will Stabilität. Für diese Stadt. Für diese Welt. Aber Stabilität heißt nicht Kontrolle.“
Kid kneift die Augen zusammen. Dann sagt er nur: „Hm.“
Nicht überzeugt. Aber er hat zugehört.
Shanks spricht erst, als alle anderen wieder still sind. Ruhig, freundlich – aber scharf in der Tiefe.
„Du gibst uns Freiheit“, sagt er. „Aber du ziehst auch einen Rahmen.“
Er lächelt minimal.
„Wie groß ist dieser Rahmen wirklich?“
Lia antwortet ohne Nachdenken, als hätte sie die Antwort immer parat.
„So groß, dass ihr atmen könnt“, sagt sie. „Und so klein, dass niemand stirbt, nur weil ihr euch daran erinnern wollt, wer ihr wart.“
Shanks’ Blick bleibt an ihr hängen.
„Und wenn der Maler wiederkommt?“
„Dann wird er lernen, dass ihr nicht allein seid“, sagt Lia. Mehr nicht.
Shanks nickt langsam. Nicht als Zustimmung. Als Respekt.
Rayleigh hat die ganze Zeit still zugehört, wie jemand, der nicht nur Worte hört, sondern Struktur. Jetzt lächelt er leise.
„Du sagst, du willst nichts“, sagt er. „Das ist selten.“
Er lehnt sich etwas vor.
„Was hält dich dann? Über Jahre? Nicht einen Tag – Jahre.“
Lia blinzelt einmal. Ihre Stimme bleibt ruhig.
„Entscheidung“, sagt sie. „Und Verantwortung.“
Ein kurzer Atemzug.
„Ich halte Dinge aus, weil ich sie gewählt habe“, sagt sie. „Nicht weil ich muss.“
Rayleighs Augen werden einen Tick wärmer.
„Dann bist du kein Rahmen“, sagt er leise. „Du bist ein Anker.“
Lia reagiert nicht mit Stolz. Sie nimmt es nur zur Kenntnis.
Law hat bisher nichts gesagt. Wie immer: anwesend, wach, still.
Lia schaut nicht aktiv zu ihm rüber – aber sie merkt ihn, wie immer.
Law spricht trotzdem. Kurz. Direkt.
„Wenn du nichts willst“, sagt er, „warum riskierst du dich selbst?“
Ein Satz. Keine Romantik. Kein Drama. Nur diese nüchterne Klinge: Warum?
Der Raum hält wieder den Atem an.
Lia schaut ihn jetzt an. Nicht lange. Aber vollständig.
„Weil ich’s kann“, sagt sie ruhig. „Und weil ich mich entscheide, es zu tun.“
Sie lässt den Satz nicht hart klingen. Eher wie eine Wahrheit, die nicht diskutiert werden muss.
„Und weil ich weiß, wie es ist, wenn niemand kommt“, fügt sie hinzu. Leise. Ohne Pathos.
Law sagt nichts mehr.
Aber irgendwas in seinem Blick bleibt einen Moment länger auf ihr, als nötig wäre.
Nicht weich.
Nur… bewusst.
Lia lehnt sich minimal zurück, als wäre die Runde jetzt rund.
„Gut“, sagt sie ruhig. „Dann machen wir’s so: Wenn euch später noch was einfällt – kommt einfach. Einzeln oder zusammen. Ich antworte.“
Sie sieht in die Runde.
„Und jetzt… esst. Schlaft. Atmet.“
Ein kleines, warmes Lächeln – kurz, echt.
„Ihr müsst hier nicht kämpfen, um ‘da’ zu sein.“
Und diesmal wirkt es nicht wie eine Ansage.
Sondern wie ein Versprechen, das sie schon lange lebt.
Tag 8 - Nachmittag
Viola steht so plötzlich auf, dass der Stuhl hinter ihr leise über den Boden kratzt.
Für einen Moment denkt jeder, sie würde sich wieder entschuldigen. Oder verschwinden. Oder so tun, als wäre es ihr unangenehm gewesen.
Tut sie nicht.
Sie bleibt mitten im Raum stehen, die Schultern gerade, die Hände locker an den Seiten – aber in ihrem Blick liegt dieses flackernde „genug“.
„Es reicht mir jetzt.“
Die Stimmen im Raum sterben weg. Gläser werden langsamer abgestellt. Selbst Ruffy hält kurz inne.
Kid hebt den Kopf nur minimal, als hätte er das schon kommen sehen.
Viola zieht einmal tief Luft, so wie Lia es ihr beigebracht hat – nur diesmal nicht, um ruhig zu werden, sondern um sich nicht wieder zurückzunehmen.
Sie schaut nicht erst zu Lia.
Sie schaut direkt zu Kid.
„Pass auf“, sagt sie. Keine Theaterpause. Keine Scham. „Ich spiele hier nicht.“
Kid blinzelt einmal. Das ist alles. Sein Gesicht bleibt hart, aber seine Augen sind wach.
„Ich sag’s, wie es ist.“ Viola geht zwei Schritte in seine Richtung, nicht fordernd, eher… entschieden. „Ich finde dich interessant.“
Ein kurzer Laut von irgendwo—Sanji, der fast erstickt, weil er nicht weiß, ob er das respektieren oder dramatisch finden soll.
Nami schiebt ihm wortlos einen Ellbogen in die Seite: Nicht.
Zorro hebt eine Braue, als hätte er gerade entschieden, dass er sich das wie einen Kampf ansieht, den er nicht versteht, aber trotzdem respektiert.
Shanks’ Mundwinkel zucken kaum merklich. Kein Lächeln, eher Anerkennung.
Viktor sitzt da, schaut wie immer knapp am Gesicht vorbei – aber seine Haltung verändert sich. Ein Hauch von „sie tut’s wirklich“.
Pain sagt nichts. Aber sein Blick ist da. Präzise. Wach. Er beobachtet nicht Kid – er beobachtet den Raum, die Reaktionen, die Spannungslinien. Wie immer.
Lia bewegt sich nicht.
Aber Law sieht, wie Lia die Hände leicht lockert, als würde sie innerlich Platz machen. Lass sie das selbst sagen, denkt er. Und Lia tut genau das.
Viola bleibt stehen, jetzt direkt vor Kid, mit genug Abstand, dass er nicht das Gefühl hat, sie stünde ihm auf den Füßen. Und trotzdem nah genug, dass jeder merkt: Das ist kein Witz.
„Wenn du nicht willst“, sagt sie ruhig, „dann gehe ich.“
Kid’s Kiefer arbeitet einmal. Er schaut nicht weg. Aber er lässt auch nicht zu, dass man ihm ansieht, dass ihn das trifft.
„Und wenn du willst“, fährt Viola fort, die Stimme jetzt leiser, aber klarer, „dann komm.“
Ein paar Sekunden passiert nichts.
Die Stille ist so dicht, dass Law das leise Knacken des Holzes hört, irgendwo am Kamin. Er merkt, wie automatisch sein Kopf rechnet: Was macht Kid jetzt? Provokation? Abwehr? Angriff?
Kid ist nicht der Typ für süß.
Er ist der Typ für ehrlich, hart, direkt.
Kid lehnt sich minimal zurück, als würde er prüfen, ob sie gleich wegläuft, wenn er nichts sagt. Dann schnaubt er leise.
„Tch.“
Viola bewegt sich nicht. Kein Zucken. Keine Ausrede. Sie wartet, ohne zu betteln.
Kid hebt langsam die Hand, nicht zu ihr – sondern zu der Bank neben sich, als würde er einen Platz markieren.
„Du laberst zu viel.“
Ein paar Leute atmen aus, als hätten sie erst jetzt wieder Luft.
Viola blinzelt. Und dann—ganz kurz—ist da dieses kleine, echte Lächeln, das sie sonst kaum zeigt.
„Okay“, sagt sie einfach.
Kid schaut sie an, endlich wirklich. Nicht herablassend. Nicht weich. Einfach… präsent.
„Setz dich“, knurrt er. „Wenn du schon hier bist.“
Viola geht ohne Hast an ihm vorbei und setzt sich hin. Nicht an den Rand, nicht so, als würde sie gleich wieder verschwinden—sondern so, als hätte sie entschieden, dass sie bleiben darf.
Kid schaut nach vorn, als wäre das Thema erledigt.
Aber seine Hand bleibt eine Sekunde länger auf dem Tisch, näher an ihr als vorher.
Und das ist bei Kid schon fast ein Versprechen.
Law merkt erst danach, dass er Lia angesehen hat.
Nicht bewusst.
Einfach, weil sie noch immer ruhig dort sitzt, und weil es ihn irritiert, wie selbstverständlich sie Menschen lässt, wie sie sind—ohne sie zu lenken.
Lia spürt seinen Blick. Sie schaut nicht sofort zurück.
Dann hebt sie die Augen minimal zu ihm, nur einen Herzschlag lang.
Kein Kommentar.
Nur dieses stille: Ich hab’s auch gesehen.
Und Law denkt, ungewohnt klar:
Sie hält nicht nur Viola. Sie hält auch das, was wir werden könnten, wenn man uns lässt.
Lia bewegt sich erst gar nicht.
Kein „Oh“, kein Grinsen, kein endlich. Sie sitzt einfach da, mitten im Raum, als wäre das alles so normal wie Atmen.
Aber Law sieht sie.
Er sieht die winzige Veränderung in ihren Schultern – dieses fast unsichtbare Loslassen, als hätte sie innerlich kurz Platz gemacht, damit Viola überhaupt so sprechen konnte.
Lia sagt nichts dazu. Kein Kommentar, kein Blick zu Viola, der nach „mutig“ aussieht, keine Bühne.
Stattdessen hebt sie nur kurz die Hand, als Viola sich setzt – nicht winkend, nicht auffordernd. Eher… ein stilles Zeichen: Ich hab’s gesehen. Du bist nicht allein.
Viola merkt es. Ihre Finger, die eben noch gezittert haben, beruhigen sich ein bisschen. Sie zieht die Schultern nicht mehr hoch bis zu den Ohren.
Kid merkt es auch.
Er tut so, als wäre es ihm egal, aber sein Blick flickt einmal kurz zu Lia rüber – nur so lange, wie man „Respekt“ zeigen kann, ohne sich zu verraten. Dann schaut er wieder weg, als hätte er das nie getan.
Shanks sagt gar nichts. Er beobachtet nur. Und genau dieses Schweigen ist bei ihm meistens ein Urteil – aber diesmal keines gegen jemanden.
Viktor sitzt stiller als vorher. Nicht kalt. Eher… zufrieden. Als hätte etwas „funktioniert“, das schwer zu halten ist.
Pain bleibt wie er ist: ruhig, analytisch. Aber sein Blick wird für einen Moment weicher, fast unmerklich, als hätte er innerlich abgehakt: Stabil. Kein Bruch.
Und Law?
Law merkt erst nach ein paar Sekunden, dass er Lia ansieht.
Nicht, weil er es will.
Sondern weil sie ihn zwingt, hinzusehen, ohne ihn zu ziehen.
Er denkt an all die Menschen, die er kennt, die so etwas entweder ausnutzen würden—oder es kaputtreden würden—oder es als Schwäche markieren.
Lia macht nichts davon.
Sie hält den Raum.
Sie lässt Viola entscheiden.
Und sie lässt Kid reagieren, wie er ist, ohne ihn zu korrigieren oder zu „therapieren“.
Law spürt dieses unangenehme Ziehen in der Brust, das er nicht mag, weil es nichts mit Taktik zu tun hat.
Das ist gefährlich, denkt er.
Nicht Viola.
Nicht Kid.
Sondern das hier.
Dass jemand wie Lia existiert und nicht bezahlt werden will, nicht gefeiert werden will, nicht einmal „Danke“ braucht, um zu bleiben.
Dass sie einfach… da ist.
Und Law merkt, warum ihn das trifft:
Weil er sein ganzes Leben gelernt hat, dass Nähe immer einen Preis hat.
Eine Forderung. Eine Schwäche. Eine Rechnung.
Und Lia?
Lia macht aus Nähe keinen Handel.
Sie macht sie zu einer Entscheidung.
Law schluckt. Sein Blick wandert kurz weg, als müsste er sich selbst wieder einsammeln.
Dann sieht er wieder hin.
Nicht starr.
Nicht gierig.
Nur länger als „normal“.
Lia bemerkt es sofort.
Natürlich bemerkt sie es.
Sie schaut ihn an—und diesmal hält sie den Blick nicht nur einen Herzschlag, sondern zwei.
Ihre Augen sind ruhig. Warm. Ohne Fragezeichen.
Als würde sie sagen: Ich hab dich gesehen. Und ich lass dich trotzdem.
Law denkt, hart und klar:
Wenn ich zu nah komme, merke ich’s zuerst nicht.
Und direkt danach, noch leiser:
Vielleicht will ich es diesmal merken.
Lia senkt den Blick wieder, als hätte sie ihm genau genug gegeben, um ihn nicht zu überfordern.
Dann sagt sie ganz normal – fast beiläufig, aber weich:
„Gut gemacht.“
Nicht zu Kid. Nicht zu Viola.
In den Raum.
Als wäre es eine Feststellung wie: Der Tee ist warm.
Und gerade weil sie es so sagt—ohne Pathos, ohne Drama—trifft es Law am härtesten.
Weil er plötzlich spürt:
Sie meint es.
Tg 8 - Nachmittags Telefonat Lia ↔ L
Die Bar ist hinter ihr leiser, sobald Lia die Tür schließt.
Draußen ist die Luft kühler. Nicht kalt — nur klar. Die Straße ist leerer als sonst, als würde selbst die Stadt gerade langsam atmen. Das Licht von Laternen liegt in ruhigen Streifen auf dem Boden.
Lia bleibt einen Moment stehen.
Nicht, weil sie zögert.
Sondern weil sie kurz spürt, wie viel in ihr gleichzeitig läuft — und wie still sie dabei von außen wirkt.
Dann zieht sie ihr Handy aus der Tasche, entsperrt es, tippt eine Nummer, die sie auswendig kennt, ohne je darüber nachdenken zu müssen.
Es klingelt einmal.
Zweimal.
Beim dritten Ton ist er dran.
„L.“
Seine Stimme ist ruhig. Flach, aber nicht kalt. Mehr Präsenz als Emotion — und genau deshalb immer sicher.
Lia atmet leise aus.
„Hi.“
Ein kurzer Moment Stille, in dem man hört, dass er nicht fragt, warum sie anruft, sondern einfach wartet.
„Bist du allein?“, fragt er.
Nicht aus Sorge in der Stimme. Aus Struktur.
„Ja“, sagt Lia. „Ich bin kurz raus.“
„Gut.“
Ein leises Rascheln. Als würde er etwas drehen oder verschieben. Vielleicht Süßigkeitenpapier. Vielleicht nur ein Stift.
„Sag’s.“
Lia schaut auf die Straße, nicht weil sie etwas sehen muss, sondern weil es leichter ist, wenn ihr Blick etwas hat.
„Ich bin einsam, L.“
Sie sagt es, als wäre es eine Information. Keine Bitte. Kein Drama.
„Ich trage es, weil ich es kann“, fährt sie fort, „aber… ja. Es ist viel.“
Wieder ein Atemzug.
„Die Gruppe ist keine Gefahr.“
Am anderen Ende bleibt er still. Dann:
„Das weiß ich.“
Nicht abwertend. Nur klar.
„Ich denke, der Maler kommt bald.“
„Begründung.“
„Gefühl“, sagt Lia. „Nicht Angst. Eher… Richtung.“
Sie senkt den Blick auf ihre Hand, in der sie das Handy hält.
„Als würde mir meine Frucht das sagen.“
Ein kurzes Schweigen.
Dann L, ruhig:
„Das ist relevant.“
Nicht „Das ist schlimm“. Nicht „Bist du sicher“. Nur: relevant.
Lia atmet einmal tiefer ein, und diesmal ist da etwas, das mehr kostet als alles davor.
„Das war viel, L.“
Kurze Pause.
„Ich möchte Nähe.“
Sie sagt es nicht weich. Sie sagt es ehrlich.
„Und… ich glaube, ich bin verliebt.“
Am anderen Ende passiert nichts Lautes. Keine Reaktion, kein Kommentar wie ein normaler Mensch ihn geben würde.
Nur ein kurzes, kaum hörbares Einatmen.
Dann:
„In wen.“
Nicht neugierig. Nicht wertend. Nur: Datenpunkt.
Lias Mundwinkel bewegen sich minimal, fast unmerklich.
„Law.“
Wieder Stille.
Dann hört man L etwas leise abstellen.
„Das erklärt deine Abweichung von deiner üblichen Selbstregulation.“
Lia schnaubt ganz leise — kein Lachen, eher ein natürlich.
„Ja.“
L bleibt bei seinem Ton.
„Wie weit.“
Lia hebt die Augen, als wäre das eine schwierige Frage, weil sie gleichzeitig so einfach ist.
„Ich will ihn in meiner Nähe.“
Sie sagt es ohne Besitz. Ohne Forderung.
„Nicht weil ich ihn brauche“, ergänzt sie sofort, als wüsste sie, dass er sonst falsch sortieren könnte. „Sondern weil ich… ihn wählen will.“
Ein Moment.
„Und weil er…“ Lia hält kurz inne, nicht peinlich, nur ehrlich. „…selten ist.“
„Das ist eine Bewertung“, sagt L ruhig.
„Ja“, sagt Lia. „Und sie stimmt.“
Ein paar Sekunden lang sagt keiner etwas.
Dann Lia, wieder sachlicher:
„Ich möchte die Gruppe gern bei uns haben. Als O.M.E.G.A.“
„Du bist unsicher.“
„Ja“, sagt Lia. „Es sind viele. Und sie sind… stark. Auch ohne Kräfte.“
„Stärke ist nicht das Problem“, sagt L. „Impulsivität ist es.“
Lia nickt, obwohl er es nicht sehen kann.
„Ich denke, der Maler kommt übermorgen.“
„Zeitfenster.“
„Morgens“, sagt Lia. „Ich weiß nicht warum. Aber ich spüre es so.“
L antwortet ohne Zögern:
„Dann behandel es wie eine Prognose. Nicht wie eine Wahrheit.“
Das ist typisch L.
Nicht „Glaub deinem Gefühl nicht“. Sondern: halte es in beiden Händen, aber bau keinen Tempel draus.
Lia schluckt diesmal doch ein wenig, aber sie hält die Stimme ruhig.
„Und ich bin einsam, weil du dich distanzierst.“
Am anderen Ende bleibt es still.
Nicht, weil er es ignoriert.
Sondern weil er es ernst nimmt.
Dann sagt L, langsam, klar:
„Ich distanziere mich nicht von dir.“
Lia schließt kurz die Augen.
„Es fühlt sich so an.“
„Ich distanziere mich von Situationen“, korrigiert er ruhig. „Damit ich sie sehen kann.“
Kurze Pause.
„Du bist keine Situation.“
Lias Atem wird etwas ruhiger.
Sie sagt leiser:
„Heute Nacht ist niemand bei mir.“
Sie lässt das einfach stehen. Kein Vorwurf. Kein Ziehen.
„Und wenn ich Law frage, kommt es komisch“, sagt sie. „Dann distanziert er sich vielleicht.“
L antwortet sofort, sehr L:
„Das ist möglich.“
Lia verzieht minimal das Gesicht.
„Danke“, murmelt sie trocken.
„Aber“, fährt L fort, als würde er etwas ordentlich in eine Reihe stellen, „wenn er sich distanziert, weil du ehrlich warst, ist es kein Verlust. Dann ist es Information.“
Lia bleibt still.
Dann sagt sie, fast wie ein Geständnis, das sie sonst niemandem geben würde:
„Du bist mein bester Freund, L.“
Ein Moment.
„Natürlich vermisse ich dich.“
Am anderen Ende ist es wieder still — und diesmal hört man, dass er das nicht einfach durchlaufen lässt.
„Ich weiß“, sagt er leise.
Nicht tröstend.
Nur: ich nehme das auf.
Lia atmet aus.
„Also… soll ich sie wegen O.M.E.G.A fragen?“
„Nicht jetzt“, sagt L.
Keine Begründung erst, nur Entscheidung.
Dann erklärt er, weil Lia es verdient:
„Sie sind gerade in Übergangsstress. Wenn du jetzt fragst, bekommst du Antworten aus Druck oder Dankbarkeit. Nicht aus freier Wahl.“
Lia nickt sofort.
„Okay.“
„Du fragst, wenn ihre Kräfte zurück sind“, sagt L. „Wenn sie wieder sie selbst sind. Und wenn sie gehen könnten — und trotzdem bleiben.“
Lia wird kurz still. Das trifft.
„Und… soll ich ihnen sagen, dass ich es fühle? Wegen dem Maler?“
L antwortet:
„Du sagst es Pain.“
„Nur Pain?“
„Ja“, sagt L. „Damit er es einordnet, ohne die Gruppe zu destabilisieren. Wenn du es allen sagst, entsteht Erwartungsdruck. Und Druck erzeugt Fehler.“
Lias Blick geht kurz hoch in die Nacht.
„Okay.“
Ein paar Sekunden vergehen.
Dann sagt L:
„Lia.“
Sie reagiert sofort.
„Ja?“
„Du bist nicht allein.“
Sie schließt kurz die Augen.
„Das klingt wie eine Floskel.“
„Dann hör zu“, sagt L ruhig. „Wenn du fällst, fällt das System. Also wirst du nicht fallen.“
Lia atmet leise aus — ein fast unmerkliches Lächeln, das mehr Erleichterung ist als Freude.
„Du bist unmöglich.“
„Ich bin korrekt“, sagt L.
Und sie muss doch kurz lachen. Ein kleines, echtes Lachen.
Dann wird sie wieder ruhig.
„Ich hab verstanden.“
Ein Atemzug.
„Und Law… frage ich.“
„Gut“, sagt L. „Ohne Spiel.“
„Ohne Spiel“, bestätigt Lia.
L wartet einen Moment.
Dann:
„Wenn du heute Nacht jemanden brauchst, der da ist — sag es. Du musst es nicht tragen, nur weil du es kannst.“
Lia schaut auf den Boden.
„Okay.“
„Geh rein“, sagt L.
„Mach ich.“
„Und Lia?“
Sie hält kurz inne.
„Ja?“
„Du musst nicht beweisen, dass du alles aushältst.“
Ihre Stimme ist ganz leise:
„Ich weiß.“
Sie legt auf.
Und als sie das Handy senkt, merkt sie, dass ihre Schultern ein kleines bisschen weniger Gewicht tragen als vor fünf Minuten.
Dann dreht sie sich um — und geht zurück rein.
Tag 8 - Zurück in die Bar
Lia öffnet die Tür wieder so leise, dass der Raum sie eher spürt als hört.
Die Wärme der Bar schlägt ihr entgegen: Holz, Essen, ein bisschen Alkohol in der Luft, Stimmen, die nicht mehr misstrauisch sind, sondern müde—und irgendwie… normal.
Für einen halben Herzschlag bleibt sie im Türrahmen stehen.
Nicht, weil sie zögert.
Sondern weil sie im Kopf noch Ls Stimme sortiert.
Dann geht sie rein.
Ruffy sitzt am Tisch und stopft sich irgendwas in den Mund, als wäre das Leben genau dafür gemacht worden. Er hebt kurz den Kopf, sieht Lia und grinst mit vollem Mund.
„Du warst weg.“
„Kurz“, sagt Lia ruhig.
Zorro liegt halb quer auf einer Bank, Arme verschränkt, Augen zu—aber Lia sieht an seiner Atmung, dass er wach ist. Er sagt nichts. Seine Art von „Ich hab’s registriert“.
Nami schaut nur einmal hoch. Ihr Blick ist schnell, wach, prüfend—nicht misstrauisch, eher: Alles okay?
Lia nickt ihr minimal zu.
Sanji steht bei der Theke, räumt Teller weg, obwohl niemand ihn darum gebeten hat. Als Lia reinkommt, hält er für einen Moment inne—nicht gespielt, eher instinktiv—und dann macht er weiter. Er will nicht auffallen, aber er hat’s gesehen.
Kid sitzt abseits, Ellenbogen auf den Knien. Er schaut zu Lia, kurz, hart, dann weg. Als würde er nicht zeigen wollen, dass er irgendwas an ihr… respektiert.
Shanks lehnt irgendwo entspannt, aber seine Augen sind die ganze Zeit am Raum. Als Lia wieder da ist, ändert sich nichts an seinem Gesicht, nur die Aufmerksamkeit sitzt wieder etwas fester.
Rayleigh ist wie immer: Er wirkt, als würde er nichts verfolgen, und sieht trotzdem alles. Sein Blick bleibt einen Tick länger auf Lia hängen, so als würde er sich eine Information merken—nicht aus Neugier, eher aus Erfahrung.
Und Mihawk… sitzt da wie ein stiller Punkt. Er schaut nicht dramatisch. Aber sobald Lia wieder im Raum ist, ist klar: Er hat registriert, dass sie kurz draußen war. Er bewertet nur nicht laut.
Law sitzt nicht zentral. Er sitzt so, dass er alles sieht, ohne sichtbar zu „kontrollieren“.
Die Mütze hat er auf. Der Mantel liegt schwer über den Schultern, Kikoku ist nah genug, dass seine Hand ihn finden würde, ohne hinzusehen.
Er hebt den Blick nicht sofort, als Lia reinkommt.
Er wartet den Bruchteil zu lange.
Dann schaut er doch.
Nicht auffällig. Aber bewusst.
Lia trifft seinen Blick—und bleibt nicht stehen, um daraus „etwas“ zu machen. Sie geht einfach weiter, ganz ruhig, an Tischen vorbei, als wäre sie nie weg gewesen.
Und genau das ist es, was bei Law hängenbleibt.
Sie kommt zurück, ohne sich erklären zu müssen.
Sie nimmt wieder ihren Platz im Raum ein, ohne ihn zu beanspruchen.
Law denkt nur:
Telefonat.
Nicht wegen uns.
Wegen dem Maler. Oder wegen dem System.
Er merkt an sich selbst, dass sein Körper kurz reagiert—nicht mit Alarm, eher mit Fokus.
Dann sieht er ihren Mundwinkel.
Kein Lächeln in die Welt. Eher etwas, das nur da ist, wenn man sie wirklich kennt: ein minimaler, müder Ausdruck von „okay“.
Und Law erkennt:
Sie hat gerade jemanden gesprochen, der ihr Gewicht kennt.
Er fragt nicht. Noch nicht.
Lia setzt sich nicht direkt in die Mitte. Sie nimmt einen Platz am Rand, trinkt einen Schluck Wasser, als würde sie ihrem Körper sagen: Bleib.
Sie hört Gespräche, ohne sie zu führen.
Viola sitzt da, stiller als sonst. Nicht „schwach“. Einfach erschöpft. Sie schaut manchmal zu Kid, als müsste sie überprüfen, ob es noch stimmt, dass er wirklich da ist.
Viktor ist da, wie ein ruhiger Schatten—nicht fixierend, nicht starr. Er schaut niemanden direkt an. Aber seine Präsenz hat etwas Beruhigendes, das sogar Leute wie Zorro nicht nervt.
Pain ist im Raum. Ruhig. Nicht weich. Aber diesmal weniger „Wand“. Er sagt kaum etwas—und trotzdem wirkt es nicht abweisend, eher wie kontrollierte Ruhe.
Die One-Piece-Crews sind natürlich nicht „weg“. Sie verteilen sich einfach:
-
Bei Ruffy sind immer ein paar Leute.
-
Bei Shanks ist es eher still, aber seine Crew ist da, nah, entspannt.
-
Laws Crew hält sich nicht aufdringlich, aber im Blick.
-
Kids Crew ebenfalls—wachen Blick, wenig Vertrauen in alles, was „zu gut“ wirkt.
Es ist voll.
Und trotzdem fühlt es sich nicht chaotisch an.
Weil Lia den Rahmen hält, ohne ihn zu drücken.
Die Bar ist längst leiser geworden.
Nicht still – eher abgekühlt. Das Holz knackt manchmal, irgendwo tropft Wasser in einem alten Rohr, und in der Ferne hört man ganz selten noch ein leises Stimmenrestchen von der Straße. Aber drinnen schlafen die meisten.
Law liegt nicht wirklich.
Er liegt auf dem Rücken, die Augen offen, die Mütze neben dem Kissen. Kikoku ist in Reichweite, mehr Gewohnheit als Nutzen. Ohne Kräfte ist es ein Stück Metall – aber das Ritual bleibt.
Er hört Schritte.
Nicht hastig. Nicht schleichend. Ruhig.
Er richtet den Blick zur Tür, noch bevor es klopft.
Zwei kurze, leichte Klopfer.
Nicht fordernd.
Law sagt nichts sofort.
Dann: „…Ja?“
Die Klinke bewegt sich nicht. Stattdessen kommt Lias Stimme, leise, kontrolliert, ohne diesen neutralen Ton von Tag 1. Wärmer. Aber trotzdem vorsichtig, als würde sie seinen Raum respektieren.
„Hast du kurz Zeit?“
Law atmet langsam aus. Er setzt sich auf, zieht das Shirt zurecht, geht zur Tür und öffnet nur so weit, dass er sie sehen kann – und nicht mehr.
Lia steht im Flur.
Haare locker, nicht geschniegelt. Ihre Tattoos blitzen im schwachen Licht, die Tunnel klein, die Ohrringe bewegen sich minimal, wenn sie atmet. Sie wirkt müde, aber nicht wacklig. Eher… getragen müde.
Sie sieht ihn nicht an wie jemand, der etwas will.
Sie sieht ihn an wie jemand, der fragt.
„Wenn du keine hast, sag’s einfach“, sagt sie ruhig. „Ich geh dann wieder.“
Law beobachtet ihr Gesicht. Nicht, weil er misstraut – weil er es immer so macht.
„Sag“, meint er.
Lia nickt, als würde sie sich innerlich einmal sammeln.
„Ich…“ Sie hält kurz inne. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der die Worte präzise setzen will. „Ich will heute Nacht nicht allein schlafen.“
Law blinzelt einmal.
Er sagt nichts.
Nicht, weil er überrascht ist – sondern weil sein Kopf sofort drei Möglichkeiten durchrechnet: Warum. Wie. Wozu. Risiko.
Lia merkt es. Und sie nimmt den Druck sofort raus, noch bevor er ihn überhaupt aussprechen müsste.
„Nicht“, sagt sie ruhig, „weil ich irgendwas von dir will. Nicht als… Spiel. Und nicht, weil ich nicht alleine kann.“ Sie hebt ganz kurz die Hand, als würde sie sich selbst stoppen, damit es nicht zu viel wird. „Ich kann das. Ich mach das seit Jahren.“
Ein Atemzug.
Dann, ehrlicher, niedriger:
„Aber ich will es heute nicht.“
Law schaut sie an. Länger.
Er spürt, wie sein erster Impuls – Distanz, Kontrolle – an etwas hängen bleibt, das er nicht wegdrücken kann: Sie bittet nicht, um sich abhängig zu machen. Sie bittet, weil sie wählt.
Und genau das trifft ihn unangenehm präzise.
„Warum ich?“, fragt er. Direkt. Nicht romantisch. Nicht weich. Einfach Law.
Lia senkt den Blick nicht. Sie bleibt stabil.
„Weil du kein Mensch bist, der Nähe benutzt“, sagt sie ruhig. „Und weil du klar bist. Du sagst ‘nein’, wenn es ‘nein’ ist.“ Ein winziges, ehrliches Zucken in ihrem Mundwinkel. „Das ist… selten.“
Law atmet leise durch die Nase. Kurzer, trockener Humor, den er nicht zeigt.
„Das ist ein schlechter Maßstab“, murmelt er.
„Mag sein“, sagt Lia. „Ist trotzdem meiner.“
Stille.
Law merkt, dass sie keinen Schritt näher kommt. Sie drückt nicht. Sie wartet nicht auf das perfekte Ja. Sie steht einfach da und lässt ihm den Raum, selbst zu entscheiden.
Und das macht es schwerer als jedes Drängen.
„Was genau willst du?“, fragt er.
Lia antwortet sofort, ohne Umweg:
„Dass du in der Nähe bist.“ Sie hebt kurz die Augenbrauen, als würde sie ihm die Optionen geben. „Im Flur. Oder ich auf dem Sofa. Oder du—“ Sie bricht ab, bevor es zu viel wird. Nicht aus Scham. Aus Respekt.
Law sieht sie an. Dann schaut er kurz in sein Zimmer, als würde er das abgleichen: Platz, Tür, Abstand.
Er öffnet die Tür weiter.
„Sofa“, sagt er.
Lia blinzelt. Ein kleines Aufatmen, das sie nicht groß macht.
„Okay“, sagt sie leise. „Danke.“
Law tritt zur Seite, lässt sie vorbei, ohne sie zu berühren. Sie geht rein, ruhig, als hätte sie das hundert Mal in ihrem Leben gemacht: fremder Raum, eigene Grenzen, keine Unsicherheit.
Sie bleibt vor dem Sofa stehen.
„Ist das… okay?“, fragt sie, und es ist keine Unsicherheit – es ist nur dieses bewusst gewählte Fragen.
„Ja“, sagt Law.
Er nimmt eine Decke vom Stuhl, wirft sie ihr hin. Nicht liebevoll. Nicht grob. Praktisch.
Lia fängt sie, legt sie zusammen, als würde sie sich mit dem Gewicht der Welt trotzdem ordentlich zudecken.
Law holt sich den Stuhl, stellt ihn so, dass er die Tür sieht, das Fenster und das Sofa im Augenwinkel. Kikoku lehnt an der Wand in Griffnähe.
Lia schaut ihn kurz an, als würde sie ihn in diesem Bild speichern.
„Du musst nicht wachen“, sagt sie leise.
Law setzt sich.
„Ich schlafe sowieso nicht.“
Lia lächelt ganz klein. Kein Flirt. Nur dieses warme „Ich hab dich gehört“.
Sie legt sich hin. Dreht sich nicht sofort weg. Bleibt einen Moment auf dem Rücken, schaut zur Decke.
Dann sagt sie – fast beiläufig, aber ehrlich:
„Ich bin nicht gut darin, das zu sagen.“
Law antwortet nicht sofort.
Er denkt: Doch. Du sagst es gerade. Und du machst es richtig.
Stattdessen sagt er nur:
„Du hast’s gesagt.“
Lia atmet aus. Ihre Schultern sinken minimal.
„Wenn du willst, kann ich gehen, sobald es dir wieder passt“, murmelt sie. „Ich will dich nicht—“
„Ich hab ‘Sofa’ gesagt“, unterbricht Law ruhig.
Nicht hart.
Eindeutig.
Lia wird still.
Ein paar Sekunden später dreht sie den Kopf ein Stück zu ihm.
„Law?“
„Hm.“
„…Danke.“
Law schaut nicht direkt zu ihr. Nur aus dem Augenwinkel. Seine Stimme bleibt leise.
„Schlaf.“
Lia schließt die Augen.
Und Law bleibt sitzen.
Nicht, weil er muss.
Sondern weil er es entschieden hat.
Tag 9 – Morgen in der Bar
Der Morgen ist ruhig, aber nicht weich.
Nicht, weil niemand redet. Sondern weil alle noch sortieren, was sie gesehen haben – und was es bedeutet, dass sie es nicht verhindern konnten.
Die Bar riecht nach Kaffee, warmem Brot, etwas Fettigem aus der Pfanne. Sanji ist schon länger wach. Er arbeitet, als wäre das hier plötzlich eine Küche, die ihm gehört: Teller, Tassen, Besteck – alles steht geordnet. Nicht geschniegelt. Aber so, dass es funktioniert.
Ruffy sitzt am Tisch und isst, als hätte ihm jemand versprochen, dass Essen Stabilität ist. Zorro sitzt halb zurückgelehnt, Arme verschränkt, Augen zu – aber jeder, der ihn kennt, weiß: Er schläft nicht. Nami trinkt Kaffee und schaut in die Runde, als würde sie zählen, wer heute „normal“ wirkt und wer nicht.
Und dann ist da Lia.
Sie sitzt nicht wie sonst.
Nicht in der Mitte. Nicht präsent-haltend. Eher… am Rand. Eine Tasse vor sich, die sie nicht trinkt. Ihr Blick ist da, aber nicht im Raum. Als wäre ein Teil von ihr kurz woanders.
Law bemerkt es sofort.
Er tut nicht so, als würde er es bemerken.
Er sitzt wie immer: Rücken ruhig, Blick klar, Mütze auf, Kikoku irgendwo in Reichweite – nicht als Drohung, eher wie ein Körperteil, das man nicht ablegt. Doch seine Augen bleiben einen Tick zu lange an Lia hängen.
Sie sieht nicht zu ihm.
Das ist neu.
Sanji stellt Lia ein Teller hin. Er macht es leise, fast respektvoll.
„Hier“, sagt er.
Lia nickt nur. „Danke.“
Ihre Stimme ist freundlich. Aber sie trägt nicht.
Law denkt:
Sie ist müde. Nicht körperlich. Innen.
Viola sitzt ein Stück näher an der Gruppe als sonst. Sie wirkt stabil – aber noch nicht fit. Etwas verlegen, als würde sie hoffen, dass niemand sie anstarrt, weil sie „wieder normal“ ist.
Kid sitzt schräg gegenüber, die Arme auf dem Tisch, Blick wie immer: „Ich bin hier, weil ich will.“ Aber er schaut öfter zu Viola als er müsste.
Rayleigh sitzt ruhig, als hätte er schon hundert Welten gesehen und jede hatte Regeln. Shanks lehnt irgendwo, beobachtet, ohne zu steuern. Mihawk wirkt wie immer unbeteiligt – aber sein Blick verpasst nichts.
Lia stellt irgendwann die Tasse ab, ohne getrunken zu haben.
Sie steht auf.
Nicht dramatisch. Nicht abrupt. Einfach… entschieden.
„Ich bin kurz weg“, sagt sie ruhig.
Mehr nicht.
Viola hebt sofort den Kopf. „Lia—“
„Ich bin heute nicht da“, sagt Lia, diesmal etwas wärmer, so wie man zu jemandem spricht, der gerade zu viel fühlt.
Viktor schaut nicht hoch, aber seine Stimme kommt sofort, ruhig: „Nimm dir die Zeit.“
Pain sitzt still. Einmal zuckt sein Mundwinkel, minimal – nicht wegen Spott. Eher, weil er etwas erkannt hat.
Lia geht zur Tür. Leise. Ohne Eile.
Die Tür fällt zu.
Und erst dann merkt Law, dass der Raum einen Tick „weniger stabil“ wirkt.
Nicht gefährlich.
Aber anders.
Ruffy kaut langsamer. Zorro öffnet ein Auge. Nami schaut sofort zu Pain, als wäre klar: Okay. Wer hält jetzt?
Viola zieht die Schultern hoch, als hätte sie plötzlich wieder kalt.
Law sagt nichts.
Aber in ihm läuft ein Gedanke sauber, ruhig:
Sie zieht sich zurück, weil sie sich unsicher ist.
Und direkt dahinter:
Wer hat sie unsicher gemacht?
Und noch dahinter – härter:
Nicht ich. Hoffentlich.
Tag 9 - Morgends Welterklärung
Pain stellt seine Tasse ab, steht nicht auf, nimmt aber automatisch den Raum.
Nicht mit Lautstärke.
Mit Struktur.
„Okay“, sagt er. „Dann machen wir das jetzt richtig. Ohne Mythen. Ohne Ausnahmen. Das hier ist keine Piratenwelt.“
Ruffy hebt den Kopf. „Aber… wir sind doch—“
„Ihr seid hier Menschen“, unterbricht Pain ruhig. Nicht hart. Nur präzise. „Und diese Welt reagiert auf Menschen nicht mit Legenden, sondern mit Systemen.“
Viktor sagt leise: „Und Systeme sind geduldig.“
Viola nickt. Sie wirkt heute offener. Nicht fröhlich – aber präsenter. „Und manchmal grausamer als Monster, weil sie einfach weiterlaufen.“
Nami legt die Tasse ab. „Dann erklär’s.“
Pain nickt, als hätte er genau darauf gewartet.
„Es gibt keine Grand Line“, sagt Pain. „Keine Log Pose. Keine Inseln, die euch ‘gehören’, weil ihr stark seid.“
Zorro brummt: „Und wenn ich trotzdem irgendwo hin will?“
„Dann brauchst du ein Recht dazu“, antwortet Pain. „Oder du wirst rausgeworfen.“
Shanks’ Stimme kommt ruhig von der Seite: „Länder haben Grenzen.“
Pain nickt. „Genau. Küsten gehören Staaten. Ihr könnt nicht einfach anlegen, plündern, weiter. Das wäre hier kein ‘Abenteuer’. Das wäre ein Verbrechen.“
Ruffy kneift die Augen zusammen. „Aber… wir haben doch niemandem—“
„Das ist nicht die Frage“, sagt Pain. „Die Frage ist: Wie sieht es von außen aus?“
Usopp schluckt. „Also… Piraten sind hier wirklich… einfach nur kriminell?“
„Ja“, sagt Pain. „Ohne Romantik.“
Viktor ergänzt ruhig: „Und ohne Chance, dass es jemand ‘cool’ findet, wenn Kinder Angst bekommen.“
Law merkt, wie Ruffys Mundwinkel kurz zucken. Nicht beleidigt. Eher… als würde es ihn treffen, weil er plötzlich versteht, dass Freiheit hier anders gelesen wird.
Viola zeigt auf die Wandlampe. „Strom.“
Franky lehnt sich vor. „SUPER!“
Pain ignoriert das „SUPER“ nicht, er lässt es einfach stehen. „Strom. Licht aus der Wand. Internet. Smartphones.“
Robin fragt ruhig: „Internet?“
„Wissen in Sekunden“, sagt Pain. „Aber auch Kontrolle in Sekunden.“
Usopp wird blass. „Kontrolle… wie Marine…?“
„Nicht wie Marine“, sagt Pain. „Schlimmer. Weil es still ist.“
Er nickt Richtung Eingang. „Kameras. Überwachung. Ihr könnt nicht ‘einfach verschwinden’, wenn jemand euch filmt.“
Nami hebt langsam die Hand. „Und Reisen?“
„Autos, Züge, Flugzeuge“, sagt Viola. „Ohne Segel.“
Ruffy blinzelt. „Flug… zeuge?“
Franky springt fast auf. „FLUGZEUGE?!“
Rayleigh lächelt kurz. „Das nimmt dem Meer den Mythos.“
Pain schaut zu Rayleigh, als hätte er genau verstanden, dass das ein Satz ist, der hängen bleibt. „Ja.“
Nami richtet sich auf. „Okay. Geld. Wie funktioniert es wirklich?“
Pain antwortet sofort. „Miete. Verträge. Ausweise. Bankkonto. Bürokratie ist hier ein Endgegner.“
„End— was?“ fragt Ruffy.
Viola lacht leise. „Ein Bosskampf. Aber ohne Schwert.“
Sanji zündet sich instinktiv eine Zigarette an – und hält inne. Er schaut kurz, als hätte er vergessen, dass das hier anders ist.
Pain sieht es. Sagt nichts. Merkt es sich.
„Arbeit ist hier nicht Quest“, sagt Viktor ruhig. „Es ist Routine. Du tauchst auf. Du machst es. Du bekommst Geld. Wenn du es nicht machst, bekommst du keins.“
Kid schnaubt. „Also Ketten.“
Pain schaut ihn an – nicht provozierend. „Wenn du es so nennen willst.“
Shanks’ Stimme ist ruhig: „Aber du kannst dir aussuchen, wo du arbeitest.“
„Ja“, sagt Pain. „Das ist der Punkt. Freiheit ist hier oft: Wahl innerhalb von Struktur.“
„Wenn ihr Mist baut“, sagt Pain, „kommt nicht ein Admiral und will Ehre. Es kommen Handschellen, Gericht, Gefängnis.“
Zorro hebt den Blick. „Und wenn dich jemand angreift?“
„Selbstverteidigung existiert“, sagt Pain. „Aber Selbstjustiz ist tabu.“
Mihawk sagt plötzlich, ruhig, ohne Emotion: „Also kein Duell.“
„Nicht in der Öffentlichkeit“, antwortet Pain. „Und schon gar nicht mit Toten am Ende.“
Ruffy zieht die Stirn kraus. „Aber wenn jemand böse ist—“
„Dann ist da Polizei“, sagt Viktor. „Und wenn die nicht reicht: O.M.E.G.A.“
Law merkt, wie mehrere gleichzeitig reagieren. Einige mit Interesse, andere mit Widerstand.
Viola übernimmt das jetzt, mit einem Ton, der fast freundlich ist: „Privatsphäre. Ihr geht nicht einfach in Häuser. Ihr fasst niemanden an, um ‘zu testen’. Ihr nehmt nichts, auch wenn es rumliegt.“
Usopp hebt sofort die Hand. „Auch wenn’s… keiner sieht?“
Viola schaut ihn an. „Vor allem dann.“
Robin nickt, als würde sie es sofort verstehen.
Sanji murmelt: „Und Flirten…?“
Viola zieht eine Augenbraue hoch. „Solange die Person es will. Sonst ist es nicht Flirten. Dann ist es übergriffig.“
Sanji hebt beide Hände. „Ich bin ein Gentleman.“
Zorro schnaubt. „Das behauptest du immer.“
Viola grinst. Es ist kurz leicht.
Law beobachtet:
Viola ist heute offener, weil Lia nicht im Raum ist. Sie will den Rahmen halten. Für Lia.
Viktor spricht jetzt, leise, klar: „Hier heilt niemand über Nacht. Keine Wunder. Verletzungen haben Folgen. Ihr werdet langsamer, wenn ihr euch kaputt macht.“
Chopper wirkt gleichzeitig entsetzt und fasziniert. „Aber… Krankenhäuser sind doch da…“
„Ja“, sagt Viktor. „Aber Regeln. Versicherung. Grenzen.“
Law merkt, wie Chopper Lia plötzlich noch mehr respektiert, obwohl sie nicht da ist.
Kid tippt mit den Fingern auf den Tisch. „Und unsere Kräfte?“
Pain antwortet ohne Zögern: „Blockiert. Temporär. Und wenn sie zurückkommen, wird die Welt nicht still bleiben, nur weil ihr stark seid.“
Shanks’ Blick ist ruhig. „Kollateralschäden.“
„Genau“, sagt Pain. „Es gibt Nachrichten. Social Media. Militär. Ihr könnt nicht ‘mal eben’ ein Gebäude zerstören und dann weiter.“
Usopp wird bleich. „Das heißt… einmal ausrasten und jeder weiß es?“
„Ja“, sagt Pain. „Und jeder hat Angst. Und Angst macht Menschen dumm.“
Viola schaut in die Runde. „So wie Vampirmonster.“
Niemand widerspricht.
Robin fragt: „Wie schützt man Identitäten?“
„Schwer“, sagt Pain. „Geheim bleiben ist Arbeit. Und wenn ihr öffentlich werdet, werdet ihr überall gespeichert.“
Rayleigh sagt leise: „Eine Welt, die alles merkt.“
Viktor nickt. „Und wenig vergisst.“
Law denkt sofort an Lia. An ihr Gedächtnis. An ihre Kontrolle.
Viola zählt ruhig auf, fast wie ein kleines Unterrichtsblatt:
„Staat. Bürger. Pass. Visum. Polizei. Versicherung. Eigentum. Vertrag.“
Ruffy schaut, als würde er versuchen, sich das alles zu merken, aber es rutscht weg wie Wasser.
Nami tippt sich an die Stirn. „Ich merke mir das.“
Franky grinst. „Ich auch! SUPER!“
Zorro gähnt. „Mir egal.“
Kid murmelt: „Nicht egal.“
Zorro schaut ihn an. Kid schaut weg. Viola sieht es – und sagt nichts, aber ihr Mundwinkel zuckt.
Pain wird jetzt noch ruhiger. „In eurer Welt ist Freiheit oft das höchste Gut. Hier ist es oft Sicherheit. Verantwortung. Rechte anderer.“
Ruffy schaut auf den Tisch.
„Das heißt nicht, dass es besser ist“, sagt Viktor, leise. „Es heißt nur: Es ist anders.“
Und dann sagt Viola, so weich, dass es fast wehtut: „Und wenn ihr hier laut seid, denkt man nicht ‘stark’. Man denkt ‘gefährlich’.“
Stille.
Law merkt:
Das sitzt.
Nachdem alles gesagt ist, bleibt eine merkwürdige Leere.
Nicht weil sie keine Antworten haben.
Sondern weil der Fixpunkt fehlt.
Ruffy schaut zur Tür, als würde er erwarten, dass Lia einfach wieder reinkommt und sagt: „Okay, ihr schafft das.“
Nami fragt leise: „Wo ist sie?“
Viola antwortet ehrlich: „Sie… reguliert sich.“
Kid schaut hoch. „Was soll das heißen?“
Viktor sagt ruhig: „Dass sie nicht eskaliert, wenn sie unsicher ist. Sie geht lieber weg, bevor sie etwas Falsches sagt.“
Law spürt, wie ihn das trifft.
Nicht, weil es „romantisch“ ist.
Sondern weil er es erkennt.
Genau so mache ich das auch.
Und das ist der Punkt, an dem Law nicht kälter wird – sondern stiller.
Er steht irgendwann auf, ohne ein Wort.
Zorro hebt ein Auge. „Wohin?“
Law antwortet nicht sofort.
Dann sagt er nur: „Luft.“
Er geht nicht zur Tür hinaus.
Er geht erst ein paar Schritte in den Flur, bleibt stehen, als würde er lauschen, ob er sie irgendwo hört.
Und er denkt etwas, das er sich nicht gern eingesteht:
Wenn sie weg ist, fehlt etwas.
Das ist Liebe bei Law.
Nicht als Geständnis.
Als Fakt, der sich einschleicht.
Tag 9 – Vormittag in der Bar
Der Morgen ist hell, aber der Raum wirkt… anders.
Nicht leer, weil niemand da ist.
Leer, weil sie nicht da ist.
Alle haben gesehen, wie Lia nach dem Frühstück gegangen ist — ohne Drama, ohne Erklärung, nur ein ruhiges „Ich bin heute nicht da.“ und dieser Blick, der nicht um Erlaubnis fragt, sondern nur Wahrheit hinterlässt.
Law sitzt am Rand, Rücken zur Wand. Kikoku liegt in Reichweite, auch wenn er es nicht so hält, als würde er es benutzen wollen. Eher wie ein Ritual.
Er beobachtet.
Nicht aus Misstrauen.
Aus Gewohnheit.
Und doch ist da dieses kleine, nervige Detail:
Wenn Lia nicht da ist, fehlt etwas.
Er hasst, wie schnell sein Gehirn daraus eine Variable macht.
Die Tür geht auf.
Nicht einmal.
Mehrfach.
Erst Viola.
Dann kommen zehn weitere Menschen mit rein. Männer, Frauen, unterschiedlich alt — alle ruhig, organisiert, keine Hektik. Einige tragen Laptops, andere Kisten, einer hat eine Kamera, zwei haben Ordner, einer trägt eine Maschine, die aussieht wie ein kleiner Drucker mit Kabeln.
Ruffy blinzelt.
„Sind das… neue Gegner?“
„Nein“, sagt Viola trocken. „Das sind Kollegen.“
Sanji richtet sich sofort auf. Nicht flirtend — eher instinktiv höflich. Er steht schon halb da, um zu helfen.
Nami kneift die Augen zusammen, als hätte sie gerade das Wort „Kollegen“ in Geld umgerechnet.
Usopp rutscht unauffällig hinter Franky.
Franky grinst breit. „Oho! Das sieht nach TECHNIK aus!“
Rayleigh sitzt entspannt, beobachtet nur. Shanks lehnt irgendwo, als hätte er nie woanders gelebt. Zorro wirkt wie immer, nur minimal wacher.
Und Law?
Law registriert Details:
Abläufe. Stationen. Rollen.
So arbeitet Lia. So arbeitet ihr System.
Viola stellt die Tasche auf einen Tisch, klatscht einmal in die Hände — nicht laut, eher als Markierung.
„Okay“, sagt sie. Und diesmal ist sie nicht distanziert. Nicht verschlossen. Sie klingt… stabil. Fast als hätte sie beschlossen, heute nicht nur zu funktionieren.
„Ihr bekommt jetzt drei Dinge:
Handy. Portemonnaie. Startkapital.
Und ja — bevor irgendwer fragt: Lia zahlt das.“
Namis Kopf schnellt hoch. „Wie viel?“
Viola hält einen Finger hoch, als würde sie gleich was Wichtiges verlesen.
„120.500 CHF pro Person.“
Stille.
Ruffy: „…was ist CHF?“
Nami: „…was ist pro Person?“
Kid starrt Viola an, als hätte sie ihn beleidigt. „Du verarschst uns.“
Pain steht am zweiten Tisch, Arme locker, Blick nach unten — und sagt in seinem Ton, als wäre das Wetter:
„Keine Diskussion. Es ist so.“
Kid knurrt, sagt aber nichts mehr.
Law denkt: Diese Zahl ist nicht zum Beeindrucken. Sie ist zum Stabilisieren.
Damit keiner panisch wird. Damit keiner stiehlt. Damit keiner „überlebt“, statt zu leben.
Er denkt widerwillig: Lia hat alles gerechnet.
Die zehn Kollegen verteilen sich. Es entstehen drei klare Bereiche:
-
Ausweis-Station (Viktor + zwei Kollegen)
-
Handy-Station (Viola + drei Kollegen)
-
Versicherungs-Station (Pain + vier Kollegen mit Broschüren und Formularen)
Viktor steht am Ausweis-Tisch.
Er schaut niemanden direkt an.
Nicht aus Kälte.
Aus Prinzip.
„Wir machen das jetzt sauber“, sagt er ruhig. „Name. Geburtsdatum. Unterschrift. Foto.“
Ein Kollege stellt einen kleinen Drucker hin.
Ein anderer richtet eine Kamera auf.
Viktor spricht weiter:
„Der Ausweis kommt sofort raus. Und ihr tragt ihn immer bei euch.“
Zorro murmelt: „Ich trag nix gern bei mir.“
Pain hebt den Kopf. „Dann wirst du lernen, gern Dinge bei dir zu tragen.“
Zorro: „…“
Rayleigh lacht leise.
Viktor hebt den ersten Blick (minimal) in die Runde.
„Wer fängt an?“
Nami steht auf, als wäre es ein Geschäft.
„Nami.“
Viktor: „Nachname?“
Nami blinzelt. „Hab ich nicht.“
Pain ohne jede Regung: „Dann doppelt. Nami Nami. Fertig.“
Nami starrt ihn an.
„Was?!“
Pain: „Du brauchst zwei Felder. Du bekommst zwei Felder.“
Nami: „Das klingt dumm.“
Pain: „Das System ist nicht hier, um elegant zu klingen.“
Nami öffnet den Mund, schließt ihn wieder, setzt sich hin, als hätte sie gerade verloren — aber sie lächelt trotzdem ein bisschen, weil sie merkt: Er ist nicht böse. Er ist nur… Pain.
Law steht auf, ohne Eile.
Er tritt an den Tisch. Viktor spricht nicht ihn an, sondern den Raum.
„Vollständiger Name.“
„Trafalgar D. Water Law.“
Ein Kollege tippt.
„Geburtsdatum.“
Law antwortet sofort. Kein Zögern, als hätte er dieses Datum schon tausendmal für Akten gebraucht.
„6. Oktober.“
Viktor: „Unterschrift.“
Law nimmt den Stift.
Er unterschreibt präzise, sauber, ohne Schnörkel.
Wie ein Schnitt. Nicht wie ein Name, denkt er.
„Foto“, sagt der Kollege.
Law blickt in die Kamera.
Keine Pose.
Nur Präsenz.
Klick.
Der Drucker surrt.
Ein Kollege zieht nach wenigen Sekunden eine Karte heraus, laminiert sie, schiebt sie in eine Hülle.
Viktor schiebt sie Law hin.
„Adresse ist drauf. Wohnung ist zugeteilt. Lia hat das festgelegt.“
Law nimmt den Ausweis, dreht ihn um, sieht die Adresse — und spürt kurz dieses Ziehen in der Brust, das er nicht mag.
Sie hat mir einen Ort gegeben, ohne zu fragen, ob ich bleiben will.
Und trotzdem fühlt es sich nicht wie Zwang an.
Er steckt ihn weg.
Ruffy springt auf, als wäre das ein Spiel.
„Monkey D. Ruffy!“
Viktor: „Geburtsdatum.“
„5. Mai!“
Viktor: „Unterschrift.“
Ruffy nimmt den Stift, setzt an, schreibt „RUFFY“ viel zu groß, dann malt er versehentlich einen Smiley daneben.
Viktor sagt nichts.
Pain sagt: „Kein Smiley.“
Ruffy: „Hä? Warum nicht?“
Pain: „Weil es ein Ausweis ist.“
Ruffy starrt Pain an, als wäre das die schlimmste Regel der Welt — streicht den Smiley halb durch und grinst trotzdem.
Foto.
Ruffy versucht zu lachen.
Der Kollege: „Neutral.“
Ruffy: „Ich bin neutral.“
Klick.
Zorro kommt, als wäre es eine Pflicht.
„Roronoa Zorro.“
„Geburtsdatum?“
„11. November.“
„Unterschrift.“
Zorro unterschreibt wie jemand, der noch nie gern unterschrieben hat.
Beim Foto schaut er automatisch finster.
Der Kollege: „…das geht.“
Karte kommt raus. Adresse drauf.
Zorro schaut drauf, als wäre es egal — steckt sie aber überraschend ordentlich weg.
Law registriert das.
Er nimmt’s ernster, als er zeigt.
Nami kommt mit verschränkten Armen.
„Ich schwöre, wenn da wirklich Nami Nami draufsteht—“
Viktor: „Steht.“
„Geburtsdatum.“
„3. Juli.“
„Unterschrift.“
Nami unterschreibt schön. Selbstbewusst. Wie jemand, der weiß, dass Unterschriften Macht sind.
Foto.
Sie setzt ihr „neutralstes“ Gesicht auf — was bei ihr immer noch wirkt, als würde sie bereits verhandeln.
Die Karte kommt raus.
Sie dreht sie um, sieht die Adresse.
„…Okay.“
Nur dieses Wort.
Aber Law hört die Bedeutung:
Das ist echt. Das ist meins. Das ist ein Ort.
Sanji tritt vor, höflich.
„Vinsmoke Sanji.“
Viktor: „Geburtsdatum.“
„2. März.“
Unterschrift: elegant. Fast zu elegant.
Foto: neutral, aber die Augen sind wach.
Als er die Karte bekommt, fragt er leise, beinahe respektvoll:
„Und… die Wohnung… ist schon…?“
Pain beantwortet es statt Viktor:
„Ja. Lia hat jedem eine zugeteilt. Adresse steht drauf. Wenn eure Kräfte wieder da sind, könnt ihr gehen und wohnt da.“
Sanji nickt. Und man sieht, dass ihn das trifft.
Nicht wegen Luxus.
Wegen Sicherheit.
Am dritten Tisch hat Pain einen Stapel hingelegt.
Dicke Broschüren. Farblich sortiert.
Ein Kollege legt jedem drei Päckchen hin.
„Krankenversicherung“, sagt er. „Die braucht jeder. Sie zahlt Behandlung, wenn ihr krank oder verletzt seid.“
„Private Zusatzversicherung“, sagt eine Frau daneben. „Das ist extra. Schnellere Termine, mehr Auswahl. Nicht zwingend, aber hilfreich.“
„Rentenversicherung“, sagt ein anderer. „Das ist für später. Wenn ihr alt seid oder nicht mehr arbeiten könnt. Ihr zahlt ein, damit ihr später nicht fallt.“
Ruffy hebt die Hand.
„Wenn ich nie alt werde?“
Pain: „Dann profitierst du nie davon.“
Ruffy: „Okay!“
Nami nimmt die Broschüren sofort, sortiert sie wie Geld.
Robin liest die Texte an, als wären es kulturelle Regeln.
Franky fragt nach „wie viel Strom braucht das“ und der Kollege sieht aus, als hätte er heute schon zu viel erlebt.
Usopp liest „Haftpflicht“ und wird blass.
„WAS HEIßT, WENN ICH WAS KAPUTT MACH, MUSS ICH DAS ZAHLEN?!“
Pain: „Ja.“
Usopp: „ICH DARF HIER GAR NICHT LEBEN.“
Viola steht am Handy-Tisch.
Sie wirkt diesmal… fast gern dabei.
„Okay“, sagt sie. „Handy ist nicht nur ‘Telefon’. Handy ist: Karte, Nachricht, Kamera, Navigation, Notruf.“
Ein Kollege wirft einen Bildschirm an die Wand (kleiner Beamer).
„Wir zeigen euch kurz ein Video: Wie ihr mit einer Bankkarte bezahlt.“
Auf dem Video: Kassensystem. Karte rein. PIN eingeben. Fertig.
Ruffy: „Warum muss man da ‘ne Geheimzahl haben?“
Viola: „Weil sonst jeder dein Geld nehmen kann.“
Kid lacht einmal kurz. „Dann nehm ich halt seins.“
Stille.
Viola schaut ihn an, ruhig:
„Dann bist du in dieser Welt sehr schnell im Gefängnis.“
Kid hält ihren Blick einen Moment aus.
Dann schaut er weg.
Viktor klopft einmal auf den Tisch.
„Wenn wir durch sind, machen wir Bankkarten. Das Geld kommt drauf. 120.500 CHF. Jeder.“
Ein Kollege ergänzt: „Die Karten kommen heute Abend.“
Viola hebt ein Portemonnaie hoch.
„Ausweis sofort rein. Immer dabei. Portemonnaie nicht verlieren. Handy nicht verlieren.“
Zorro murmelt: „Ich verliere nichts.“
Nami dreht den Kopf. „Du verlierst alles.“
Law sitzt wieder am Rand, Portemonnaie in der Hand.
Er schaut nicht aufs Geld.
Er schaut auf den Ausweis.
Adresse.
Name.
Foto.
Ein Beweis, dass er hier nicht nur „durchgeschoben“ wurde, sondern eingesetzt.
Und das macht ihn gleichzeitig ruhiger — und wachsamer.
Er denkt:
Lia ist nicht da, aber ihr System trägt trotzdem.
Er denkt, und er hasst es, dass es sich wie Wahrheit anfühlt:
Sie hat mich längst irgendwo einsortiert, ohne mich festzuhalten.
Er steckt den Ausweis weg.
Lehnt sich zurück.
Und sein Blick geht — ganz automatisch — kurz zur Tür.
Als würde ein Teil von ihm prüfen, ob sie kommt.
Nicht, weil er sie braucht.
Sondern weil… es ohne sie anders ist.
Tag 9 – Später Vormittag
Viola verschwindet kurz in den Nebenraum, als wäre es nichts Großes.
Aber Law merkt es trotzdem.
Nicht weil er ihr hinterherstarrt — sondern weil sich der Raum jedes Mal minimal ordnet, wenn jemand aus dem Kernteam etwas „offiziell“ macht.
Die Tür fällt leise ins Schloss.
Drinnen hört man nur gedämpfte Stimmen, dann dieses ganz typische Geräusch eines Handys, das eine Verbindung aufbaut.
Law lehnt mit dem Rücken an der Wand, Hände locker, Blick halb gesenkt.
Wenn Lia jetzt ans Telefon geht, klingt sie wahrscheinlich… gleich. Ruhig. Klar. So als wäre sie nicht weg, sondern nur woanders nötig.
Er hasst, dass er sich das überhaupt vorstellt.
„Hey“, sagt Viola, leise, fast beiläufig, aber mit einem kleinen warmen Ton, den sie sonst nicht so schnell zeigt.
„Nur kurz: Alle sind registriert.“
Kurze Pause.
Viola hört zu, nickt, obwohl Lia sie nicht sehen kann.
„Ja — Ausweise sind raus. Adressen sind drauf. Handys sind verteilt. Portemonnaies auch.“
Wieder Pause. Viola atmet einmal aus.
„Nein, keiner hat Stress gemacht. Pain war… Pain.“
Ein kurzes, sehr kleines Lachen, das eher aus Erleichterung entsteht als aus Humor.
Sie hört wieder zu.
„Okay. Ich sag’s ihnen.“
Dann, einen Tick leiser:
„Und… Lia? Wir halten alles ruhig. Versprochen.“
Noch eine Pause.
„Ja. Ich weiß.“
Viola beendet das Gespräch, steckt das Handy weg und bleibt einen Moment stehen, als müsste sie sich innerlich wieder „zurück in den Raum“ stellen.
Dann kommt sie raus.
Als Viola wieder in die Bar tritt, werden die Stimmen automatisch leiser.
Nicht aus Angst.
Aus Instinkt.
Sie bleibt nicht vorne stehen wie eine Anführerin. Sie stellt sich so hin, dass jeder sie sehen kann, ohne dass es sich wie „Ansage“ anfühlt.
„Hört mir bitte kurz zu“, sagt sie ruhig.
Ruffy stopft sich gerade irgendwas in den Mund, hält aber sofort still.
Nami sitzt da wie eine Buchhalterin, die kurz ihr Büro aufmacht.
Kid lehnt halb im Stuhl, als wolle er demonstrieren, dass er sich nichts sagen lässt — und hört trotzdem.
Law beobachtet.
Viola wirkt anders als sonst, denkt er.
Offener. Stabiler. Als hätte sie sich entschieden, heute nicht nur die Person zu sein, die Portale macht.
„Also“, sagt Viola, „bevor ihr das alles… falsch versteht: Das hier ist ein Start. Kein Käfig.“
Ein paar Augen gehen hoch.
„Ihr dürft später immer noch umziehen, Kleidung ändern, euren Alltag anders bauen“, fährt sie fort. „Das ist nur dafür, dass ihr nicht sofort untergeht, weil ihr keine Ausweise habt und kein System versteht.“
Zorro grummelt: „Ich geh nicht unter.“
Viola schaut ihn kurz an, nicht scharf, eher freundlich-stabil.
„Du würdest dich wundern.“
Rayleigh lächelt in seinen Bart hinein, als würde er das sehr gut nachvollziehen.
Viola fährt fort:
„Arbeit müsst ihr euch grundsätzlich selbst suchen“, sagt sie. „Oder ihr fragt Lia — oder ihr fragt uns. Aber am Ende… entscheidet ihr.“
Kid schnauft einmal.
„Und das Geld?“, fragt Nami sofort, sachlich, aber die Augen sind wach. „Ist das… wirklich unseres?“
Viola nickt.
„Ja. Startkapital. Damit ihr leben könnt, ohne zu stehlen oder zu improvisieren.“
Ruffy hebt die Hand.
„Kann man davon Fleisch kaufen?“
„Ja“, sagt Viola. „Sehr viel.“
Ruffy strahlt, als hätte man ihm eine Welt erklärt.
Viola hebt einen Stapel hoch.
„Und jetzt“, sagt sie, „bekommt jeder von euch noch was.“
Zwei Kollegen kommen nach vorne, legen die Broschüren auf den Tisch. Es sind keine dünnen Flyer. Es sind saubere, stabile Hefte, fast wie kleine Handbücher. Auf dem Deckblatt steht:
„Willkommen – Alltag, Regeln & Systeme (Kurzfassung)“
Darunter in kleiner Schrift:
„angepasst für Menschen ohne Vorerfahrung mit moderner Infrastruktur“
Franky nimmt eins, blättert sofort durch.
„OH! Diagramme!“
Robin nimmt ihres, streicht kurz über das Papier.
„Das ist… durchdacht.“
Usopp liest schon die Überschrift „Haftpflicht“ und wird wieder blass.
Viola verteilt selbst — nicht hektisch, sondern mit diesem stillen Respekt, als würde sie jedem damit sagen: Du gehörst jetzt nicht mehr ins Nichts. Du hast Kontext.
Als Law seins bekommt, bleibt ihre Hand einen Moment länger an dem Heft, nicht als Berührung, sondern als Markierung.
„Da steht alles drin“, sagt Viola. „Und wenn ihr was nicht versteht: fragt.“
Law nickt nur.
Seine Augen scannen automatisch die Kapitel:
Ausweis & Polizei: Was passiert, wenn…
Geld, Miete, Verträge: Was ihr unterschreibt
Krankenversicherung & Notfall: Was tun bei Verletzung
Handy: Anrufen, Nachrichten, Navigation
Privatsphäre & Kultur: Dinge, die euch Ärger machen könnten
Lia hat das angefertigt, denkt Law.
Sie schreibt nicht auf. Sie baut Systeme.
Und dann dieser kleine Gedanke, der ihn nervt:
Und sie ist trotzdem weg.
Es kippt nicht in Streit.
Es kippt eher in etwas… Menschliches.
Ein paar reden leiser. Einige blättern. Andere schauen einfach nur auf ihre neuen Sachen, als würden sie prüfen, ob das alles wirklich real ist.
Viola setzt sich nicht sofort. Sie bleibt stehen, schaut in die Runde.
„Ich sag’s euch auch noch mal“, sagt sie, ruhiger, fast persönlich:
„Das ist nicht, weil ihr reich sein sollt. Das ist, damit ihr nicht in Panik ausrutscht.“
Shanks hebt minimal den Kopf, als hätte er genau das verstanden.
Rayleigh wirkt, als würde er innerlich nicken.
Mihawk sagt nichts — aber sein Blick ruht kurz auf dem Ausweis in seiner Hand, so als würde er anerkennen: Disziplin hat hier andere Formen.
Law denkt:
Das ist keine Almosen-Struktur. Das ist Stabilität als Waffe gegen Chaos.
Tag 9 -Abend – die Bankkarten kommen
Später wird es dunkler.
Die Bar ist ruhiger. Nicht schläfrig — eher gesammelt.
Man hört Seiten umblättern. Kurze Gespräche. Ab und zu ein Lachen, wenn Ruffy eine Funktion am Handy falsch benutzt und plötzlich die Taschenlampe anmacht.
„AH! LICHT!“, ruft er begeistert.
Nami: „Ruffy, du machst mich fertig.“
Dann geht die Tür auf.
Ein Kollege von Viktor kommt rein, trägt einen flachen Koffer, öffnet ihn wie ein Techniker, der etwas sehr Wertvolles ausliefert.
„Okay“, sagt er. „Bankkarten.“
Nami sitzt sofort gerade.
Kid hebt den Blick, misstrauisch.
Law schaut nicht aufgeregt — aber er ist vollständig wach.
Der Kollege verteilt Umschläge. Jeder Umschlag ist beschriftet, sauber.
„Das Geld ist drauf. 120.500 CHF. Jede Karte ist personalisiert“, sagt er. „PIN steht separat. Merkt euch die PIN. Nicht aufschreiben.“
Usopp: „NICHT AUFSCHREIBEN?!“
Pain, ohne aufzusehen: „Du kannst sie auch aufschreiben, wenn du willst, dass sie jemand findet.“
Usopp verstummt.
Der Kollege legt noch etwas dazu: eine kleine Karte mit Symbolen.
„Wenn ihr zahlt: Karte rein oder dranhalten. PIN eingeben. Fertig.“
Ruffy hält die Karte hoch wie einen Schatz.
„Ich hab eine Karte!“
„Das ist keine Spielkarte“, sagt Nami.
„Aber ich kann damit Fleisch kaufen!“
„Ja“, sagt Nami. „Und wenn du sie verlierst, bist du tot.“
Ruffy blinzelt. „Hä?“
Nami lächelt süß. „Nicht wirklich. Aber fast.“
Sanji nimmt seine Karte ruhig, schaut kurz drauf, steckt sie ordentlich weg.
Er wirkt nachdenklich — nicht wegen Geld, sondern wegen der Realität:
Das hier ist ernst. Das ist nicht ein Abenteuer. Das ist ein neues Leben.
Kid dreht die Karte zwischen den Fingern.
„Und wenn ich keinen Bock hab, dass das System mich trackt?“
Der Kollege: „Dann zahlst du bar.“
Kid: „Wo krieg ich bar her?“
Pain: „Vom Bankautomaten.“
Kid: „Und wo ist der?“
Viola zeigt mit dem Handy auf Maps. „Hier.“
Kid starrt auf den Bildschirm, als wäre das Magie, die ihn persönlich beleidigt.
Law öffnet seinen Umschlag.
Er nimmt die Karte raus.
Sein Name ist drauf. Sein Foto. Alles korrekt.
Er nimmt die PIN-Karte, liest sie einmal — und merkt sie sich sofort, ohne jede Anstrengung.
Er steckt beides weg.
Kein Kommentar.
Aber in seinem Kopf läuft es weiter.
Ein Ausweis. Eine Adresse. Eine Karte. Geld.
Das ist nicht nur Hilfe. Das ist ein Netz.
Und dann, viel leiser, viel unangenehmer:
Und Lia ist nicht hier, um zuzusehen, wie wir es annehmen.
Er schaut zur Tür.
Sie bleibt zu.
Law denkt:
Sie gibt, ohne die Reaktion zu brauchen.
Das ist… gefährlich. Weil man ihr dann schwer etwas zurückgeben kann.
Viola steht noch einmal auf.
„Letztes“, sagt sie. „Der Ausweis bleibt immer bei euch. Immer. Auch wenn ihr nur kurz raus geht. Ohne Ausweis seid ihr hier schnell ein Problem.“
Zorro grummelt wieder. „Okay.“
Viola nickt.
Dann, ein Tick weicher:
„Und… ihr seid jetzt offiziell registriert. Das heißt: Ihr existiert hier.“
Ein Moment.
Das sitzt.
Sogar bei Kid.
Sogar bei Law.
Und irgendwo im Raum liegt die unausgesprochene Wahrheit:
Lia hat sie nicht nur gerettet. Sie hat sie in eine Welt geschrieben, in der sie bleiben können.
Tag 9 – Später Abend
Die Umschläge sind verteilt, die Karten verstaut, die Broschüren liegen aufgeschlagen auf Tischen und Stühlen, als hätte jemand aus einer Bar ein provisorisches Büro gemacht.
Ruffy sitzt mitten im Raum und tippt auf dem Handy herum, als wäre das Ding ein neues Haustier.
„Warum macht das Geräusch?“, fragt er, als sein Handy wieder piept.
Usopp springt fast vom Stuhl. „Hör auf damit, das macht mich fertig!“
Franky beugt sich über sein Display, glänzende Augen. „BRO! Das ist ja wie ’ne Mini-Werkstatt in der Hand!“
Robin sitzt ein wenig abseits, ruhig, liest das „Regeln & Systeme“-Heft so, als wäre es ein ganz normales Buch in einer Bibliothek. Ab und zu hebt sie den Blick — nicht misstrauisch, eher beobachtend.
Zorro hat sich irgendwo mit dem Rücken an die Wand gesetzt. Er ist still, aber nicht weg. Sein Blick wandert immer wieder über den Raum, als würde er automatisch „Wache“ spielen, ohne es zuzugeben.
Nami hat die Bankkarte noch einmal in der Hand, dreht sie zwischen den Fingern und rechnet. Nicht, weil sie gierig ist — sondern weil sie Verantwortung riecht wie andere Leute Regen.
Sanji bringt Tee nach, als hätte er das seit Jahren getan. Er sagt nichts dazu. Er stellt Tassen hin. Er merkt sich, wer Zucker nimmt, obwohl niemand gefragt hat.
Shanks sitzt locker, Beine ausgestreckt, wirkt entspannt — und ist trotzdem der aufmerksamste Mensch im Raum. Rayleigh neben ihm wirkt, als hätte er schon hundert Systeme gesehen und würde gerade prüfen, wie dieses hier Menschen formt.
Mihawk ist wie immer: ruhig, präzise, unverschwendet. Die Broschüre liegt bei ihm zwar aufgeschlagen, aber man sieht: Er braucht sie nicht, um Regeln zu verstehen. Er braucht sie nur, um die Logik dahinter zu prüfen.
Kid sitzt halb abgewandt, Karte in der Tasche, als würde er sich weigern, sich über „zivilisierten Kram“ zu freuen. Aber er hat sie nicht weggeworfen.
Law sitzt etwas abseits am Rand des Lichts.
Die Mütze liegt neben ihm.
Sein Blick ist ruhig, aber innen arbeitet etwas.
Nicht Panik. Nicht Wut.
Etwas anderes.
Etwas, das er nicht gern benennt.
Es ist Nami, die zuerst fragt — nicht dramatisch, eher wie jemand, der merkt, dass ein wichtiger Pfeiler fehlt.
„Wo ist Lia eigentlich?“, sagt sie, während sie den Umschlag wieder ordentlich zusammenfaltet. „Sie war nicht mal da, als wir… das alles bekommen haben.“
Stille.
Nicht weil es verboten ist zu fragen.
Sondern weil die Frage einen Punkt trifft, den niemand direkt anfassen will.
Sanji schaut kurz zur Tür, als würde er erwarten, dass sie im nächsten Moment reinkommt und sagt: „Bin wieder da.“
Ruffy hebt den Kopf. „Kommt sie noch?“
Usopp wird leiser. „Ich dachte, sie… ist immer da.“
Pain sitzt etwas seitlich, halb im Schatten. Er hat die Hände ruhig übereinandergelegt. Sein Gesicht verändert sich nicht.
Aber als er die Frage hört, wendet er den Blick minimal ab.
Nicht weg, weil er lügt.
Weg, weil er nicht will, dass man zu viel in seinem Gesicht liest.
„Sie ist beschäftigt“, sagt er schließlich. Kurz. Sachlich.
Kid schnaubt. „Beschäftigt womit? Uns retten macht wohl Pause?“
Pain reagiert nicht auf den Ton. Er reagiert auf den Inhalt.
„Mit dem, was sie immer tut“, sagt er. „Damit es nicht eskaliert.“
Rayleigh schaut Pain kurz an — dieses ruhige, alte Prüfen.
„Und sie hat entschieden, heute nicht hier zu sein“, sagt Rayleigh langsam, eher als Feststellung.
Pain nickt einmal. Mehr nicht.
Nami wirkt unzufrieden, aber sie drückt nicht weiter.
Robin sagt leise, fast nur in den Raum hinein:
„Wenn jemand sich so konsequent um andere kümmert… gibt es irgendwann einen Punkt, an dem er atmen muss.“
Zorro brummt leise. „Oder zusammenklappt.“
Sanji legt eine Tasse Tee hin, ein bisschen fester als nötig. „Sie klappt nicht zusammen.“
Pain hebt den Blick minimal, nicht zu Sanji, eher an ihm vorbei. „Doch. Aber sie steht wieder auf.“
Und das ist alles, was er sagt.
Das reicht.
Und trotzdem liegt etwas Unausgesprochenes im Raum:
Sie fehlt.
Viola steht irgendwann auf, als wäre es nur, um kurz frische Luft zu holen. Sie nimmt ihr Handy, geht zwei Schritte in Richtung Nebenraum — bleibt dann stehen, weil Kid ebenfalls aufsteht und sich an ihr vorbeischieben will.
„Kid“, sagt Viola.
Er bleibt stehen, dreht den Kopf nur halb. „Was.“
Keine Frage. Keine Höflichkeit.
Aber er geht nicht weiter.
Viola schaut ihn direkt an. Das macht sie selten.
„Wie ist das bei dir…“, sagt sie, und für einen Moment klingt sie fast verlegen, aber sie hält es aus, „…mit Interesse.“
Kid blinzelt. „Was?“
„Du verstehst mich schon“, sagt sie ruhig. Sie versucht nicht, süß zu sein. Sie ist einfach direkt.
Kid schnaubt kurz. „Du willst wissen, ob ich…—“
„Ja“, sagt Viola. „Ob du das ernst meinst oder ob das nur… Gerede war.“
Kid verschränkt die Arme. Sein Blick ist hart, aber nicht bösartig. Eher wie eine Tür, die nicht gern aufgemacht wird.
„Ich rede nicht zum Spaß“, sagt er.
Viola hält seinen Blick.
„Ich auch nicht“, sagt sie leise.
Kid wirkt für einen Sekundenbruchteil überrascht, als hätte er nicht erwartet, dass jemand bei ihm nicht zurückweicht.
Dann sagt er, etwas leiser als vorher, aber immer noch Kid:
„Ich find dich… interessant. Mehr hab ich nicht gesagt.“
„Und mehr willst du nicht sagen?“, fragt Viola.
Kid zuckt mit einer Schulter. „Kommt drauf an, ob du weg läufst.“
Viola lacht ganz kurz — nicht laut, eher wie ein Luftstoß.
„Ich lauf nicht weg“, sagt sie. „Ich kann Portale öffnen. Wenn ich weg will, bin ich weg. Ich bin nur… normalerweise niemand, bei dem Leute bleiben.“
Kid starrt sie an, als hätte sie gerade etwas gesagt, das er nicht erwartet.
Dann sagt er, trocken:
„Dann gewöhn dich dran.“
Viola schluckt. Ihre Augen werden weich, aber sie reißt sich zusammen, als wäre es gefährlich, zu sehr zu fühlen.
„Redest du wirklich noch mit mir?“, fragt sie dann — die Frage, die sie seit Stunden in sich trägt.
Kid rollt die Augen, aber seine Stimme ist diesmal nicht scharf.
„Ich steh doch hier.“
Viola nickt.
„Okay“, sagt sie.
Ein Moment.
Dann geht sie nicht weg.
Sie bleibt genau da, als würde sie testen, ob das wirklich passiert.
Kid bleibt ebenfalls.
Und das ist für Viola… mehr als jedes Versprechen.
Law sitzt inzwischen allein am Tischrand, wo die Lampe nur halb hinreicht.
Er hat den Ausweis noch einmal in der Hand, dreht ihn kurz, liest mechanisch die Daten, als müsste er prüfen, ob er wirklich existiert.
Er existiert.
Er steckt ihn weg.
Dann bleibt seine Hand einen Moment auf der Tischkante liegen.
Sein Blick geht zur Tür.
Sie bleibt zu.
In seinem Kopf formt sich ein Satz.
Nicht romantisch. Nicht weich.
Ein Satz, der in seiner Welt funktionieren würde, weil er klar ist.
Wo bist du?
Er könnte ihn laut sagen. Er könnte Pain fragen. Er könnte Viola fragen. Er könnte irgendwen fragen.
Aber er tut es nicht.
Weil das Fragen etwas verrät.
Und weil Lia… nie Druck macht.
Also mache ich auch keinen, denkt er.
Er steht auf, leise, nimmt die Mütze, setzt sie wieder auf.
Er geht nicht weg aus dem Raum.
Er stellt sich nur so hin, dass er alles sieht.
Wache, ohne es zu nennen.
Und als er wieder sitzt, denkt er:
Wenn sie zurückkommt, sage ich’s.
Ein Atemzug.
Vielleicht.
Dann lässt er den Gedanken fallen, als wäre er zu heiß.
Und bleibt einfach da.
WICHTIG
Der Abend im Restaurant ist ruhiger als der Tag.
Gedämpftes Licht, Holz, Stimmen, die nicht mehr prüfen, sondern einfach da sind. Teller klappern, irgendwo lacht Ruffy zu laut. Nami diskutiert mit jemandem aus der Logistik über Preise, als wäre das eine Schlacht. Franky und Usopp sitzen mit leuchtenden Augen, reden über Werkzeuge, als hätten sie gerade eine neue Welt gefunden.
Law sitzt nicht im Zentrum.
Er sitzt so, dass er alles sieht.
Ausgang. Fenster. Lia.
Sie bewegt sich zwischen den Tischen, verteilt kurz Worte, ein Lächeln, eine Hand auf einer Schulter. Warm, ohne zu kleben. Lebendig, ohne laut zu sein.
Und trotzdem trägt sie.
Law sieht es an den kleinen Dingen: wie sie kurz die Hand an die Schläfe legt, wenn niemand hinschaut. Wie ihr Atem minimal kürzer wird, wenn zu viele Leute gleichzeitig reden. Wie sie trotzdem weitergeht.
Sie hat diese Art von Kontrolle, die nicht nach Macht riecht.
Eher nach Verantwortung.
Sie kommt schließlich an seinen Tisch.
Nicht frontal. Neben ihn.
„Ist hier frei?“, fragt sie leise.
Law hebt den Blick.
Er könnte sagen: Du musst mich das nicht fragen.
Aber er sagt nur:
„…Ja.“
Lia setzt sich. Ein Glas Wasser in der Hand, das sie kaum anrührt.
Sie schaut nicht starr auf ihn. Sie sitzt einfach da, als wäre das normal.
„Du bist heute still“, sagt sie ruhig.
„Ich bin meistens still“, antwortet Law.
Ein Hauch von Humor – so trocken, dass man ihn fast überhört.
Lia lächelt trotzdem. Natürlich.
„Stimmt“, sagt sie. „Aber heute ist es… enger.“
Law blinzelt einmal.
Enger.
Ein Wort, das zu viel weiß.
Er senkt den Blick kurz auf seinen Teller, als würde er nachdenken. In Wahrheit ordnet er.
Sie merkt mehr, als mir lieb ist.
Lia sagt nichts mehr dazu. Sie lässt es stehen – ohne es festzunageln.
Sie trinkt einen Schluck.
Dann, nach einem Moment, leiser:
„Kommst du später noch kurz mit hoch?“
Kein Flirtton. Kein Besitz.
Nur… Wunsch.
Law spürt den Reflex sofort. Nicht gegen sie.
Gegen das, was „hoch“ bedeutet: Zimmer. Nähe. Stille, die Dinge hörbar macht.
Er ist müde. Der Tag war lang. Sein Kopf will Ordnung, nicht Gefühl.
Und deshalb kommt es schroffer raus, als er es will.
„Ich hab keine Zeit für sowas.“
Der Satz fällt, als wäre er nur praktisch.
Aber er trifft.
Lia blinzelt einmal.
Nicht dramatisch. Nicht verletzt „gespielt“.
Echt.
Sie hält die Luft einen Moment zu lange, sammelt sich – und nickt.
„Okay“, sagt sie ruhig.
Zu ruhig.
Law merkt es sofort.
Verdammt.
Er will nachsetzen. Irgendwas sagen, das es gerade zieht.
Aber sein Mund bleibt zu. Kontrolle ist schneller als Entschuldigung.
Lia stellt das Glas ab.
„Dann nicht“, sagt sie. Kein Vorwurf. Nur Entscheidung.
Sie steht auf. Nicht abrupt.
„Ich geh kurz noch etwas nachsehen“, sagt sie. „Gute Nacht, Law.“
Sie sagt seinen Namen wie eine Tatsache, nicht wie eine Bitte.
Law sieht ihr nach.
Wie sie zwischen den Tischen verschwindet, noch jemandem kurz zunickt, noch einmal lächelt— und dann ist sie weg.
Er bleibt sitzen.
Seine Hände sind ruhig. Sein Gesicht auch.
Aber in ihm arbeitet etwas.
Das war nicht gegen sie.
Und sie hat es trotzdem abbekommen.
Er hasst, wie oft ihm das passiert.
Neben ihm sagt Zorro irgendwas, Ruffy lacht, jemand stößt ein Glas um.
Law hört es nur halb.
Er steht schließlich auf.
Nicht, weil er „romantisch“ ist.
Sondern weil er etwas hasst: Dinge offen lassen, die verletzen.
Der Gang nach oben ist still.
Krankenhausluft: sauber, kühl. Schritte dämpfen auf dem Boden. Irgendwo surrt ein Gerät. Türen stehen geschlossen.
Law sieht Lia im Flur.
Sie steht mit dem Rücken halb zu ihm, als hätte sie gerade eine Tür schließen wollen. Als hätte sie sich doch entschieden, nicht zu ihm zu kommen.
Sie dreht den Kopf, als sie seine Schritte hört.
Ihr Blick ist ruhig. Warm. Aber da ist etwas darunter, das sie nicht versteckt.
Unsicherheit.
Nicht als Schwäche.
Als Wahrheit.
Law bleibt stehen.
Einen Meter Abstand. Genau da, wo er nicht fliehen muss und nicht überfallen wird.
Lia atmet einmal ein.
„Law“, sagt sie leise.
Er sagt nichts.
Aber er ist da.
Und Lia merkt es.
Sie steht ihm gegenüber wie etwas, das nicht zieht, sondern hält.
Und genau dort beginnt der Moment, der später alles kippen wird.
Der Gang nach oben ist still.
Krankenhausluft: sauber, kühl. Schritte dämpfen auf dem Boden. Irgendwo surrt ein Gerät, als würde es die Nacht in Ordnung halten. Türen stehen geschlossen, Lichtleisten werfen weiche Streifen auf den Boden.
Law sieht Lia im Flur.
Sie steht mit dem Rücken halb zu ihm, als hätte sie gerade eine Tür schließen wollen. Als hätte sie sich doch entschieden, nicht zu ihm zu kommen.
Sie dreht den Kopf, als sie seine Schritte hört.
Ihr Blick ist ruhig. Warm. Aber da ist etwas darunter, das sie nicht versteckt.
Unsicherheit.
Nicht als Schwäche.
Als Wahrheit.
Law bleibt stehen.
Einen Meter Abstand. Genau da, wo er nicht fliehen muss und nicht überfallen wird.
Lia atmet einmal ein.
„Law“, sagt sie leise.
Er sagt nichts.
Aber er ist da.
Und Lia merkt es.
Sie steht ihm gegenüber wie etwas, das nicht zieht, sondern hält.
Law wirkt wie ein stiller Schnitt: gerade, kontrolliert, der Blick ruhig genug, dass man ihn falsch lesen könnte.
Aber in ihm ist nichts ruhig.
Nicht leer.
Nicht kalt.
Seine Dunkelheit ist kein Abgrund ohne Gefühl.
Sie ist voll.
Voller Verlust. Schuld. Bilder, die bleiben. Angst vor erneuter Bindung.
Und das, was wie „Menschlichkeit ausschalten“ wirkt, ist nur sein Werkzeug:
Gefühle dämpfen. Nähe vermeiden. Kontrolle behalten. Funktionieren statt fühlen.
Überleben statt hoffen.
Lia hebt den Blick.
„Ich muss dir noch etwas sagen“, sagt sie leise.
Law schaut sie an, unbeweglich. Aber seine Aufmerksamkeit ist da – messerscharf.
Lia atmet einmal ein, als würde sie sich selbst sortieren.
„Ich bin vorhin gegangen“, sagt sie ruhig, „weil ich nicht wusste, ob ich mir bei dir etwas einbilde.“
Law blinzelt einmal.
Einbilde.
Das Wort trifft ihn schief. Zu nah an etwas, das er nicht benennen will.
Lia hält seinen Blick.
„Ich spiele nicht“, sagt sie. Kein Vorwurf. Nur Fakt. „Und ich tue nicht so, als wäre mir alles egal.“
Stille.
Dann kommt sie einen halben Schritt näher – nicht in ihn hinein, eher in seine Wahrheit.
„Du hast zu mir gesagt, ich soll nicht alles allein tragen“, sagt sie. Ihre Stimme bleibt weich, aber da ist etwas Unnachgiebiges darin. „Und das, was du in dir trägst… trägst du auch allein.“
Law merkt, wie seine Schulter minimal härter wird.
Sie sieht es.
Nicht romantisch. Nicht dramatisch.
Mechanik.
Lia lässt den Satz stehen.
„Diese Nähe, die wir hatten“, sagt sie weiter. „Dass du geblieben bist. Dass du da warst. Diese Art, wie du schaust…“
Sie bricht nicht ab, um es schöner zu machen. Sie macht es nur präzise.
„Für mich ist das nicht ‚vielleicht‘“, sagt sie.
Law spürt den Reflex: Distanz. Wand hoch. Keine Schwachstelle.
Weil Nähe Risiko ist.
Weil Nähe bedeutet: wieder jemanden verlieren können.
Und weil er gelernt hat, dass er Schuld auch dann trägt, wenn er nichts falsch gemacht hat.
Lia spricht weiter – und es ist, als würde sie sein inneres System nicht angreifen, sondern lesen, ohne es zu sezieren.
„Ich weiß nicht, ob das auf deiner Seite so funktioniert“, sagt sie. „Und ich werde dich nicht überreden.“
Ein Atemzug.
„Ich will Nähe“, sagt sie dann einfach. „Nicht, um zu funktionieren. Ich funktioniere auch so.“
Ihre Mundwinkel zucken kurz, als würde sie über sich selbst lächeln – und es nicht größer machen.
„Aber ich will sie. Mit Menschen, die ich wähle.“
Law blinzelt einmal. Sein Blick bleibt ruhig, aber in ihm zieht sich etwas zusammen.
Sie sagt das so, als wäre es normal.
Als wäre es erlaubt.
Lia sieht ihn weiter an.
„Und du…“, sagt sie leise, „ziehst dich zurück, wenn’s nah wird.“
Keine Diagnose. Kein Etikett.
Nur Beobachtung.
„Nicht, weil du böse bist“, fügt sie ruhig hinzu. „Sondern weil du gelernt hast, so zu überleben.“
Law hebt das Kinn minimal. Ein Schatten von Abwehr – kontrolliert.
„Du kennst mich nicht“, sagt er.
„Doch“, sagt Lia. Ruhig. „Nicht vollständig. Aber genug, um nicht naiv zu sein.“
Sie macht einen halben Schritt zurück. Nicht weg – Raum.
„Ich frage dich nicht nach großen Worten“, sagt sie. „Ich frage dich nach einem Rahmen.“
Law merkt, wie präzise das ist.
Sie gibt mir Struktur. Keine Falle.
Lia hebt den Blick wieder.
„Ich mag dich“, sagt sie leise.
Kein Pathos.
Nur Entscheidung.
„Und ich möchte, dass du bei mir bleibst“, sagt sie weiter. „Nicht, weil ich dich brauche. Sondern weil ich dich will.“
Ein kurzer Moment, in dem Law tatsächlich spürt, wie sein Brustkorb enger wird.
Das ist gefährlich.
Nicht ihre Worte.
Sondern, dass sie ihn verstanden hat, ohne ihn zu ziehen.
Lia atmet noch einmal ein – und sagt dann, genauso klar:
„Wenn du das nicht willst, gehe ich“, sagt sie. „Ohne Drama. Ohne Groll.“
Sie hält inne.
„Aber ich bleibe nicht in etwas, das mich nur raten lässt.“
Law spürt, wie sein Körper instinktiv reagieren will. Nicht nach vorn. Nicht nach Nähe.
Nach Kontrolle.
Nach: Stopp das, bevor es weh tut.
Lia macht keine Szene.
Sie dreht sich halb, als würde sie wirklich gehen.
Und er merkt sofort:
Sie meint das ernst.
Nicht gespielt. Nicht kalkuliert.
Sie geht wirklich.
Und genau da passiert etwas, das bei Law selten sichtbar ist:
Er bewegt sich.
Nicht hektisch. Nicht emotional.
Ein Schritt.
Seine Hand schließt sich um ihr Handgelenk – kurz, kontrolliert, nicht fest. Mehr Halt als Griff. Ein Reflex, der ihm sofort zu viel ist.
Lia bleibt stehen.
Sie dreht sich nicht sofort um. Sie lässt ihm den Raum, den er braucht.
Law lässt ihr Handgelenk wieder los, als hätte es gebrannt.
„…Nicht so“, sagt er leise.
Zwei Worte. Trocken.
Lia wendet den Kopf ein Stück, gerade genug, dass sie ihn sehen kann.
Law atmet aus.
„Ich kann dir das nicht sofort geben“, sagt er. „Nicht so, wie du’s willst.“
Er hasst, wie ehrlich das klingt.
Dann, tiefer, kürzer:
„Aber geh nicht.“
Stille.
Lia sagt nicht sofort etwas.
Sie schaut ihn an – nicht mitleidig, nicht prüfend.
Nur wach.
„Ich weiß“, sagt sie dann ruhig.
Law blinzelt einmal.
„Ich sehe das“, fährt sie fort. „Dieses… Ding.“
Sie sagt nicht „Trauma“. Nicht „Mechanismus“. Nicht „Muster“.
Nur das Wort, das zu ihm passt.
„Ein Werkzeug“, sagt sie leise. „Wenn’s nah wird, schaltest du runter.“
Law’s Blick verengt sich.
„Red nicht, als wär ich ’n Fall“, sagt er.
Kein Brüllen. Kein Drama.
Nur Kante.
Lia nickt sofort.
„Bist du nicht“, sagt sie ruhig. „Du bist du.“
Sie hält einen Atemzug.
„Und ich will dich trotzdem“, sagt sie leise. „Genau so.“
Dann, klar:
„Aber ich will Nähe. Echte. Nicht perfekt.“
Law schluckt nichts sichtbar runter.
Aber irgendwas in ihm spannt sich – und lässt wieder minimal nach.
Er schaut sie an, direkt.
„Dann mach’s nicht schwerer“, sagt er leise.
Lias Mundwinkel zucken kurz.
„Okay“, sagt sie.
Sie tritt nicht näher. Sie nimmt sich nichts.
„Dann bleibe ich“, sagt sie ruhig.
Und weil sie weiß, wie schnell er sonst wieder in Kontrolle kippt, fügt sie leise hinzu:
„Du musst dich nicht erklären. Nur ehrlich bleiben.“
Law sagt nichts.
Aber er bleibt stehen.
Und sein Blick hält sie einen Tick länger, als er es vorhatte.
Nicht prüfend.
Nicht kalt.
Bewusst.
Und in ihm ist ein Gedanke, der sich nicht mehr wegdrücken lässt:
WICHTIG
Der Flur vor der Intensivstation ist hell und zu sauber.
Law steht am Fenster, die Hände in den Taschen, Blick nach draußen. Nicht, weil es dort etwas gibt. Sondern weil er dort niemanden ansehen muss.
Schritte nähern sich.
„Trafalgar Law?“
Law dreht den Kopf minimal. Ein Mann im korrekt sitzenden Kittel, Namensschild sauber: Dr. Jonas Albrecht – Kardiologie. Warmes Lächeln, ruhige Augen. Kaffee in der Hand, als wäre das hier sein natürlicher Zustand.
„Was willst du?“, fragt Law.
Jonas nimmt das ohne Kränkung. „Kurz reden.“
„Ich hab keine Zeit.“
„Dann mach ich’s kurz.“
Law schweigt. Das ist sein Ja.
Jonas lehnt sich nicht an. Er hält Abstand. Respektvoll.
„Du hast Interesse an Lia“, sagt er einfach.
Law’s Blick wird schärfer. „Geht dich nichts an.“
„Stimmt“, sagt Jonas sofort. „Geht mich tatsächlich nichts an.“
Ein kurzer Moment.
Dann: „Aber sie geht mich an.“
Law blinzelt einmal. Nicht irritiert. Wach.
„Sie ist meine Chefin“, ergänzt Jonas ruhig. „Und… ich mag sie.“
Law sagt nichts.
Jonas trinkt einen Schluck Kaffee, als würde er sich selbst bremsen, nicht zu viel zu sagen.
„Ich sag dir was“, fährt er fort. „Ich hab kein Bedürfnis, irgendwem was wegzunehmen.“
Law’s Stimme ist flach. „Gut.“
Jonas nickt. „Ich überlasse sie dir.“
Der Satz hängt kurz.
Law’s Blick verengt sich. „Ich brauch nichts, was man mir überlässt.“
„Genau“, sagt Jonas ruhig. „Weil sie keine Sache ist.“
Stille.
Jonas schaut ihn direkt an, ohne Druck. Ohne Herausforderung.
„Ich sag’s dir nicht, um dich zu provozieren“, sagt er. „Ich sag’s dir, weil Lia ein Mensch ist, der gesehen werden will.“
Law’s Kiefer arbeitet einmal.
Jonas spricht weiter, leiser, sachlicher:
„Und du bist das Gegenteil von sichtbar.“
Law’s Stimme bleibt kontrolliert. „Du kennst mich nicht.“
„Muss ich nicht“, sagt Jonas. „Ich seh’s.“
Law macht einen Schritt, nicht näher zu Jonas – eher in die Luft zwischen ihnen. Präsenz, ohne Drohung.
„Pass auf, was du sagst“, murmelt Law.
Jonas nickt sofort. Kein Ego.
„Okay“, sagt er. „Dann anders.“
Er atmet einmal durch.
„Ich hab gesehen, wie sie heute gelächelt hat“, sagt er ruhig. „Und wie sie danach ganz kurz… leer wurde, als sie dachte, keiner sieht’s.“
Law hält still.
„Sie trägt viel“, sagt Jonas. „Und sie macht das mit Wärme. Das ist selten.“
Ein paar Sekunden.
Dann: „Wenn du bei ihr bleibst“, sagt Jonas, „musst du nicht anders werden.“
Law’s Blick zuckt minimal.
„Aber du musst irgendwann… da sein“, sagt Jonas. „Nicht nur körperlich.“
Law sagt nichts.
Jonas richtet sich wieder auf.
„Ich will sie“, sagt er ehrlich. „Aber ich dräng mich nicht zwischen euch.“
Er nimmt einen Schritt zurück.
„Wenn du sie willst“, ergänzt er ruhig, „dann zeig’s ihr. Wenigstens genug, dass sie nicht an sich zweifelt.“
Law’s Stimme ist trocken. „Und wenn ich das nicht mache?“
Jonas’ Blick bleibt ruhig. „Dann bin ich da.“
Keine Drohung.
Nur Konsequenz.
Jonas dreht sich zum Gehen, hält kurz inne.
„Sie ist nicht die Art Mensch, die sich lange anfühlt wie ein Möbelstück im Raum“, sagt er noch. „Sie geht irgendwann. Und sie geht dann wirklich.“
Dann geht er.
Law bleibt am Fenster stehen.
Er bewegt sich nicht.
Aber in ihm ist etwas sehr klar.
Nicht Wut.
Nicht Panik.
Etwas Schärferes:
Zeit.
Wichtig
Der Korridor vor dem OP-Bereich ist voll mit diesem typischen Krankenhaus-Geräusch: Schritte, gedämpfte Stimmen, ein Monitorpiepen aus der Ferne. Lia steht an einem Wagen, unterschreibt etwas, der Stift ruhig, präzise.
Law lehnt ein paar Meter weiter an der Wand.
Nicht neben ihr.
Aber so, dass er sie sieht.
Er tut, als wäre er nur zufällig da.
In Wahrheit ist es eine Entscheidung.
Ein Mann kommt den Flur entlang, Kittel offen, Haare dunkel, leicht zerzaust, aber nicht ungepflegt. Ein Gesicht, das zu leicht freundlich wirkt. Er hält kurz an, als er Lia erkennt.
„Dr. Lethal?“
Lia hebt den Blick. „Ja?“
Er lächelt, ehrlich, kein Schleim. „Ich bin Dr. Noah Stein. Radiologie. Wir hatten vorhin den Fall aus der Notaufnahme – die Gefäßdarstellung.“
Lia nickt. „Gute Arbeit.“
„Danke.“ Er wirkt kurz stolz, dann fängt er sich. „Ich wollte eigentlich nur sagen… es ist beeindruckend, wie du das Haus führst.“
Lia blinzelt einmal.
Sie wird leicht rot, so wie du es willst – aber sie versteckt es nicht mit Kälte. Sie bleibt warm.
„Danke“, sagt sie ruhig.
Noah zögert einen halben Herzschlag. Dann entscheidet er sich – direkt, aber respektvoll:
„Wenn du irgendwann mal nicht nur Krankenhausluft brauchst… ich würde dich gern auf einen Kaffee einladen.“
Kein Besitz, kein Druck.
Ein Angebot.
Law bewegt sich nicht.
Aber sein Blick wird schärfer.
Nicht auf Lia.
Auf Noah.
Er scannt ihn. Absicht. Tonfall. Abstand. Hände.
Noah hält den Blick bei Lia, nicht bei Law. Er merkt Law zwar, aber er spielt nichts aus.
Lia antwortet sofort. Keine Pause, keine Spielchen.
„Das ist nett“, sagt sie ruhig. „Aber nein.“
Noah nimmt es ohne verletztes Ego. Er nickt sogar, als hätte er genau diese Ehrlichkeit erwartet.
„Alles klar. Danke fürs klare Nein.“
Lia lächelt kurz. „Gern.“
Noah hebt die Hand zum Abschied, dreht sich schon.
„Schönen Dienst noch, Dr. Lethal.“
„Dir auch.“
Er geht.
Und erst, als er weg ist, merkt Law, dass er unbewusst den Atem angehalten hatte.
Lia steckt den Stift weg und schiebt den Wagen ein Stück.
Sie sagt nichts.
Sie macht keinen Kommentar.
Sie schaut Law nicht an, um eine Reaktion zu bekommen.
Das ist das, was an ihr gefährlich ist:
Sie testet nicht.
Sie lebt einfach ehrlich.
Law stößt langsam die Luft aus.
Dann sagt er trocken, ohne zu ihr zu schauen:
„Der war mutig.“
Lia hebt eine Augenbraue. „War er.“
Law bleibt still.
Ein paar Sekunden.
Dann, so klein, dass man es fast überhören könnte:
„Du hast schnell geantwortet.“
Lia dreht den Kopf zu ihm. Nicht triumphierend. Nicht süß. Einfach warm.
„Weil ich nicht spiele“, sagt sie.
Law nickt minimal.
Er sagt nichts weiter.
Aber als Lia sich wieder dem Wagen zuwendet und losgehen will, macht Law einen Schritt.
Nicht vor sie.
Neben sie.
Ein Stück näher als vorher.
Als wäre es Zufall.
Als wäre es egal.
Aber es ist es nicht.
Und Lia merkt es.
Natürlich merkt sie es.
Sie sagt nichts.
Sie geht einfach weiter — mit ihm neben sich.
Und Law denkt, klar und unerwünscht:
Sie hat Optionen.
Und wenn ich nichts tue, ist sie irgendwann weg.
Mini-Szene (buchfertig, OP-Law, ohne peinliche Therapie-Show)
Der Pausenraum ist leer bis auf das Summen des Kühlschranks.
Law steht am Fenster, Kaffee in der Hand, den er nicht trinkt. Er wirkt wie jemand, der nur kurz hier ist – aber genau deshalb bleibt.
Die Tür geht auf.
Jonas Albrecht tritt rein, Kittel korrekt, Namensschild gerade. Er hält keine Akte. Kein Drama.
„Law“, sagt er.
Law reagiert nur mit einem Blick. Nicht einladend. Nicht feindselig. Nur: sag’s schnell.
Jonas nickt, als hätte er das verstanden.
„Ich will dich nur informieren“, sagt er ruhig. „Weil ich ehrlich bin.“
Law’s Stimme ist flach. „Ich hab nicht darum gebeten.“
„Weiß ich.“ Jonas bleibt stehen, lässt Abstand. „Dauert zehn Sekunden.“
Law schweigt. Das ist sein Ja.
Jonas greift in seine Brusttasche, zieht keine Karten heraus – sondern zwei kleine Notizzettel. Er legt sie auf den Tisch, als wäre es nur eine Skizze. Auf den einen schreibt er „gut“, auf den anderen „schlecht“.
Dann schreibt er in die Mitte ein drittes Wort: „neutral“.
„Lia sortiert alles“, sagt Jonas leise. „Weil sie nichts vergisst.“
Law’s Blick verengt sich minimal. „Du redest, als kennst du ihren Kopf.“
„Ich kenne nur das Ergebnis“, sagt Jonas ruhig. „Sie kann warm sein und trotzdem jeden Raum kontrollieren. Weil ihr Kopf… nie leer ist.“
Er tippt auf „neutral“.
„Wenn du schroff bist“, sagt Jonas, „landet’s hier.“
Law schnaubt kaum hörbar. „Und?“
Jonas hebt den Blick. Kein Angriff. Nur Klarheit.
„Neutral bleibt nicht immer neutral“, sagt er.
Er nimmt den Stift, zieht einen kleinen Pfeil von neutral Richtung schlecht.
„Wenn es sich wiederholt“, sagt Jonas. „Wenn es immer wieder so klingt…“
Er lässt den Satz bewusst offen, damit Law ihn selbst beendet.
Law sagt trocken: „Dann wird’s negativ.“
Jonas nickt einmal. „Genau.“
Stille.
Law’s Blick ist ruhig. Aber in ihm rutscht etwas.
Nicht Schuld.
Eher… Rechnung.
Jonas schiebt die Zettel wieder zusammen, als wäre es nichts.
„Ich sag dir das nicht, damit du dich änderst“, sagt er. „Oder damit du nett wirst.“
Law schaut ihn an. „Dann warum?“
Jonas’ Stimme bleibt ruhig.
„Weil Lia irgendwann nicht mehr überlegt, ob du sie meinst“, sagt er. „Ihr Kopf zeigt ihr nur Bilder.“
Ein Atemzug.
„Abstand“, sagt Jonas. „Gefahr. Nicht sicher.“
Er sieht Law an, ohne Herausforderung.
„Und sie ist nicht die Frau, die ewig gegen ihr eigenes Gehirn anlächelt.“
Law’s Kiefer arbeitet einmal.
„Willst du mir sagen, ich soll mich zusammenreißen?“, fragt er leise.
Jonas schüttelt den Kopf.
„Nein“, sagt er. „Ich will dir sagen: Du entscheidest. Aber du solltest wissen, was dein Ton bei ihr auslöst.“
Er steckt den Stift weg.
„Ich muss nichts machen“, sagt Jonas noch. „Ich war nur ehrlich.“
Dann dreht er sich zur Tür.
„Und falls du’s wissen willst“, fügt er hinzu, ohne sich umzudrehen: „Sie mag dich. Sehr.“
Er geht.
Law bleibt stehen.
Sein Gesicht verändert sich nicht.
Aber sein Blick bleibt auf dem Tisch – auf dem Wort neutral.
Und in ihm ist ein Gedanke, der sich nicht mehr wegdrücken lässt:
Wenn ich so weitermache, wird sie irgendwann automatisch zurückweichen.
Und dann ist es nicht mal ihre Entscheidung.
Law findet Lia später im Gang zur Dachstation.
Law findet Lia später im Gang zur Dachstation.
Es ist ruhiger hier oben. Geräusche werden dünn, als hätte das Gebäude beschlossen, den Lärm unten zu lassen.
Lia steht am Fenster. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der kurz sortieren muss.
Law bleibt einen Moment stehen. Kontrolle. Dann geht er näher – seitlich, so dass sie ihn hören kann, ohne zu erschrecken.
„Lia.“
Sie dreht den Kopf. Warm, wie immer. Aber vorsichtig. Als wüsste sie nicht, welche Version von ihm gleich kommt.
Law merkt das.
Er sagt nicht sofort etwas. Sucht keinen schönen Satz. Nur einen, der stimmt.
„Vorhin“, sagt er schließlich, „war nicht gegen dich.“
Lia blinzelt einmal. Sagt nichts. Wartet.
Law drückt gegen das alte Werkzeug in sich, das alles runterdreht, sobald es zu nah wird.
„Ich war durch“, sagt er. Kurzer, flacher Ton. „Und… das war nicht okay.“
Mehr kommt nicht. Und mehr kann er gerade auch nicht.
Lia atmet aus. Leise.
„Okay“, sagt sie.
Keine Strafe. Kein Nachtreten.
Law hält ihren Blick einen Herzschlag zu lang. Dann schaut er weg, als wäre es ihm zu direkt.
Stille.
Dann sagt er, trocken – fast zu beiläufig:
„Du wirst schnell rot.“
Lia starrt ihn eine Sekunde an. Und ja: ihre Wangen färben sich sofort.
„Oh mein Gott“, murmelt sie, halb genervt, halb amüsiert. „Du hast das gemerkt.“
Law zuckt minimal mit den Schultern.
„Ich merk viel.“
Lia lacht leise. Echt.
Law spürt, wie etwas in seinem Kopf wieder in Ordnung fällt.
Neutral. Nicht negativ. Sicher.
Lia sieht ihn an.
„Danke“, sagt sie leise.
Law runzelt minimal die Stirn. „Wofür?“
„Dafür, dass du’s gesagt hast“, antwortet sie ruhig. „Ein Satz reicht bei dir.“
Law brummt nur. „Mhm.“
Er könnte jetzt gehen. Das wäre sein Normal.
Aber er bleibt.
Er stellt sich näher ans Fenster – nicht um rauszusehen, sondern so, dass seine Schulter fast ihre streift.
Kein Berühren. Nur Nähe, die erlaubt ist.
Lia bewegt sich nicht. Sie nimmt sich nichts. Sie lässt es passieren.
„Du musst nicht alles allein tragen“, sagt Law leise.
Diesmal klingt es nicht wie ein kluger Satz.
Sondern wie etwas, das er ernst meint.
Lia schluckt einmal, nickt.
„Ich weiß“, sagt sie leise. „Ich übe.“
Law brummt.
„Gut.“
Und für einen Atemzug bleibt es einfach nur das:
Zwei Menschen am Fenster, die nicht weggehen.