Morgengrau

Fixpunkt

 

Morgengrau lag noch zwischen den Gebäuden, als Lia die Augen öffnete.

 

Der siebte Stock war still – nicht leer, nur ruhig. Diese Art Ruhe, die ein Krankenhaus nie wirklich kennt, aber in den Notfall‑Wohnungen manchmal zulässt, wenn die Nacht entschieden hat, niemanden mehr zu holen.

 

Sie hob den Arm, drehte das Handgelenk leicht.

 

Vier Ringe.

 

Blass. Fast wie Schatten unter der Haut.

 

Zwei fehlten.

 

Gut. Der Körper hatte abgerechnet. Er hatte ihr zurückgegeben, was er konnte – ohne Kommentar, ohne Lob. Nur: Funktion.

 

Sie schob die Decke weg, stand auf, und für einen Moment wartete sie, ob Schwindel kommt.

 

Nichts.

 

Nur Müdigkeit. Und der kleine Druck im Hinterkopf, der sagte: Heute wird lang.

 

Im Bad war das Licht hart und ehrlich. Lia stellte das Wasser an, ließ es heiß werden, bis der Dampf die Kacheln weich zeichnete. Sie duschte schnell – gründlich, nicht luxuriös – und als sie später vor dem Spiegel stand, strich sie sich das Wasser aus den Haaren, kämmte sie grob mit den Fingern durch und band sie nicht zusammen. Heute nicht. Heute war kein OP‑Tag.

 

Rosa Rock. Weißes Top. Gürtel. Schuhe, mit denen man laufen kann.

 

Sie zog die kurze Hose darunter zurecht – Routine, wie ein Sicherheitsgurt – und atmete einmal tief durch.

 

Ihr Handy vibrierte.

 

Unbekannte Nummer? Nein. Gespeichert.

 

GENERAL / BEZIRK

 

Sie nahm ab.

 

„Lethal.“

 

„Dr. Lethal“, sagte die Stimme. Kein Smalltalk. Kein Guten Morgen. „Ich komme heute vorbei.“

 

Lia lehnte die Schulter gegen den Türrahmen, hörte auf den Ton, nicht nur auf die Worte.

 

„Wegen ihnen“, fuhr er fort. „Ich will kurz mit den Leuten sprechen. Fünf Minuten. Höchstens zehn.“

 

Natürlich. Lia schloss kurz die Augen.

 

„Unter meinen Bedingungen“, sagte sie ruhig. „Ohne Drohungen. Ohne Show. Und nicht vor Patienten.“

 

Eine Pause. Dann ein trockenes Ausatmen.

 

„Fünf Minuten“, wiederholte er, als wäre das ein Kompromiss.

 

„Zehn“, sagte Lia, ohne lauter zu werden. „Fünf für dich. Fünf für Fragen. Sonst wird’s keine Kommunikation, sondern ein Befehl.“

 

Wieder Stille. Dann:

 

„…Zehn. Uhrzeit?“

 

Lia sah auf die Uhr. 06:47.

 

„Nach dem Frühstück. Vor dem Tagesplan“, sagte sie. „20 nach neun. Im Konferenzraum. Nicht draußen.“

 

„09:20“, wiederholte er. „Ich bin da.“

 

„Gut“, sagte Lia. „Und General?“

 

„Ja.“

 

„Die sind nicht hier, um deine Ordnung zu testen“, sagte sie. „Die sind hier, weil sie sonst gelöscht worden wären.“

 

Ein Moment, in dem seine Stimme einen Tick weniger nach Dienst klang.

 

„Ich weiß.“

 

Dann war die Leitung tot.

 

Lia stand noch einen Herzschlag da, Handy in der Hand.

 

Okay. Dann fangen wir den Tag richtig an.

 

Um sieben Uhr roch der Weg durchs Krankenhaus nach Desinfektion, Kaffee und dieser metallischen Kühle, die in Fluren hängt, bevor die Hektik sie vertreibt.

 

Ein paar Nachtschicht‑Gesichter nickten ihr zu.

 

„Morgen, Dr. Lethal.“

 

„Morgen“, gab Lia zurück, warm genug, dass es nicht nach Automatismus klang.

 

Sie ging durch die automatische Tür nach draußen, in den Parkweg zwischen Krankenhaus und Restaurant. Die Luft war frisch, kalt an den Wangen. Gras dunkel vom Tau. Die Bäume standen still, als würden sie das Schild respektieren, ohne es zu sehen.

 

Im Restaurant war es wärmer.

 

Brotgeruch. Früher Küchenlärm. Schritte, die wussten, wohin sie gehören.

 

Lia holte sich einen Kaffee, etwas Kleines dazu – nichts, das schwer im Magen liegt – und setzte sich an einen Tisch im ersten Stock, dort, wo sie die Fensterfront hatte und trotzdem nicht mitten im Raum war.

 

Sie legte das Handy neben die Tasse und sah einmal kurz auf ihr Handgelenk.

 

Vier Ringe. Blass.

 

Noch da.

 

Sie nippte am Kaffee.

Ich hab euch verankert. Ich krieg euch auch durch den Tag.

 

Die Tür ging auf.

 

Lia spürte es nicht wie Gefahr – eher wie ein Wechsel in der Raumtemperatur. Schritte, die nicht zur Küche gehören. Kein Personalrhythmus. Sie schaute auf.

 

Trafalgar Law trat hinein, als hätte er schon dreimal entschieden, ob er das überhaupt tun soll, und wäre nur aus Sturheit doch gekommen. Kein Schwert. Keine Klinge sichtbar. Nur der Blaue Mantel, der ihn groß machte, und dieser Blick, der automatisch die Winkel nahm.

 

Natürlich kommt er früh. Lia merkte, wie etwas Warmes in ihr hochzuckte und zwang es, sich nicht ins Gesicht zu schreiben.

 

Law blieb einen Moment stehen, als würde er abgleichen, ob hier Kameras sind, ob jemand sie beobachtet, ob das Restaurant ein Raum ist, der sich lohnt.

 

Dann kam er näher.

 

„Ist hier frei?“

 

„Ja“, sagte Lia. „Setz dich.“

 

Er setzte sich nicht „locker“. Er setzte sich so, dass er Tür und Fenster im Blick hatte, ohne offensichtlich zu wirken.

 

Immer der Rahmen. Lia musste fast lächeln, und tat es auch – klein, aber echt.

 

„Du bist früh“, sagte sie.

 

„Schlaf war… schwierig.“

 

Lia nickte, als hätte sie nichts anderes erwartet.

 

„Glaub ich.“

 

Ein Kellner kam, blieb respektvoll stehen.

 

„Frau Lethal. Wie immer?“

 

„Ja, bitte“, sagte Lia. „Und… bringen Sie ihm auch einen Kaffee. Schwarz.“

 

Law hob minimal die Brauen.

 

„Ich hab nichts bestellt.“

 

„Ich schon“, sagte Lia, trocken genug, dass es nach Witz klang.

 

Der Kellner verschwand.

 

Law sah kurz auf ihr Handgelenk. Nicht starrend. Nicht neugierig. Eher wie ein Arzt, der etwas erkennt, das der Patient lieber überspielt.

 

„Deine Ringe“, sagte er.

 

Lia senkte den Arm nicht. Sie machte daraus kein Geheimnis.

 

„Zwei sind weg“, sagte sie ruhig. „Die anderen verblassen. Das ist gut.“

 

Law blinzelte einmal. Zu ruhig, stand ihm ins Gesicht geschrieben, ohne dass er es sagen musste.

 

„Du hast gestern gekämpft“, sagte er. „Und danach… das.“

 

„Verankerung“, sagte Lia. „War weniger brutal als der Kampf. Aber teurer als Kaffee.“

 

Das war eigentlich nur ein Satz.

 

Aber er traf.

 

Law sah sie an. Still. Messerscharf.

 

Er ist nicht wütend, merkte Lia. Er ist… vorsichtig. Als würde er gerade lernen, dass Fürsorge hier nicht automatisch eine Falle ist.

 

„Du überziehst“, sagte er schließlich. Ein einziger Satz. Trocken. Nicht aggressiv.

 

Lia nahm einen Schluck Kaffee und lächelte dann – diesmal wirklich.

 

„Willkommen in meinem Alltag“, sagte sie.

 

Für einen Moment zuckte etwas in Laws Mundwinkel. Kein Lächeln. Aber das, was bei ihm am nächsten dran ist.

 

Da. Lia lachte leise auf, ehrlich, nicht laut.

 

„Okay“, sagte sie, und die Wärme blieb in ihrer Stimme. „Hör zu. Heute kommt Besuch.“

 

Law wurde sofort wieder stiller.

 

„Wer?“

 

„General“, sagte Lia. „Bezirksaufsicht. Er will euch sehen. Reden. Zehn Minuten.“

 

Law lehnte sich minimal zurück.

Staat. Kontrolle. Natürlich.

 

„Und du lässt das zu?“, fragte er.

 

„Ja“, sagte Lia ruhig. „Weil er nicht weggeht, nur weil ich es will. Und weil ich lieber dabei bin, wenn er spricht, als später damit leben zu müssen, dass er’s ohne mich versucht.“

 

Law schwieg einen Herzschlag.

 

Dann nickte er minimal.

 

„Wann?“

 

„09:20“, sagte Lia. „Im Konferenzraum. Nicht draußen.“

 

Der Kellner kam zurück, stellte Kaffee ab, stellte Lia ein Obstteller hin – und schob Law die Tasse hin.

 

„Bitte.“

 

Lia schob Law die Tasse ein Stück näher, als wäre das selbstverständlich.

 

„Trink.“

 

Law sah sie an. Dann die Tasse. Dann nahm er sie.

 

„Du bist… anstrengend“, sagte er.

 

Lia grinste, kurz. Echt.

 

„Ich weiß.“

 

Die Tür ging noch einmal auf.

 

Nami kam rein, als hätte sie beschlossen, dass sie sich nicht von einer fremden Welt den Morgen stehlen lässt. Hinter ihr Chopper, der schon beim Geruch von Essen aussah, als würde er gleich kollabieren – positiv.

 

Yahiko tauchte aus Richtung Theke auf, ohne große Show, mit einem Korb Orangen in der Hand, als wäre das der normalste Tagesbeginn der Welt.

 

Nami blieb stehen.

 

„…Oh.“

 

Sie sah den Korb an, dann Yahiko.

 

„Danke“, sagte sie – klar, ehrlich.

 

Yahiko nickte nur.

 

Lia schnaubte leise und musste wieder lachen. Nicht über Nami. Über die Tatsache, dass ausgerechnet das jetzt ein Anker sein konnte.

 

Yahiko stellte den Korb auf den Tisch.

 

„Wenn du willst, zeig ich’s dir“, sagte er. Und dann – ein Tick weicher, weil er es wirklich meinte: „Und ja. Ich kann dich hinbringen. Sicher.“

 

Nami nickte schnell. „Ja. Bitte.“

 

Yahiko zog sein Handy aus der Tasche, sah kurz auf das Display.

 

„Ich muss kurz telefonieren“, sagte er, mehr zu Lia als zu allen.

 

Lia nickte. „Mach.“

 

Yahiko war schon wieder weg, als wäre er nie da gewesen.

 

Chopper stand einen Moment unschlüssig, sah Lia an.

 

„Morgen“, sagte er.

 

„Morgen“, sagte Lia warm. „Setz dich. Iss was.“

 

Chopper tat es sofort.

 

Law sah das alles, ohne zu stören.

Sie verteilt Alltag wie Verbandmaterial, dachte er. Unauffällig. Wirksam.

 

Lia spürte seinen Blick und tat so, als würde sie ihn nicht bemerken.

Ich mach keinen Druck. Ich bin nur da.

 

Sie nahm einen letzten Schluck Kaffee, stellte die Tasse ab und sah Law kurz an – nicht zu lange, nicht als „Fixpunkt“, einfach als Teil der Runde.

 

„Wenn du deiner Crew sagen willst, dass der General kommt“, sagte sie ruhig, „mach’s. Ich will nicht, dass es sie überrascht.“

 

Law nickte einmal.

 

„Mach ich.“

 

Und Lia merkte, wie sich etwas in ihr entspannte, das seit gestern nicht ganz losgelassen hatte.

 

Nicht, weil alles gut war.

 

Sondern weil der Tag gerade angefangen hatte – und sie nicht allein am Tisch saß.

 

Yahiko war kaum durch die Tür, als würde das Telefon ihn schon an der Jacke ziehen. Nami beugte sich über den Orangenkorb, Chopper über sein Frühstück – und der Raum fiel in dieses angenehme, leise Grundrauschen zurück, das Restaurants morgens haben, wenn noch niemand beweisen will, dass er existiert.

 

Lia nippte am Kaffee, stellte die Tasse ab und sah Law an. Nicht lange. Nur genau so, dass er merkt: Ich hab dich gesehen.

 

Er sitzt immer noch, als könnte gleich wieder jemand „snipen“.

 

„Du suchst die Schwachstelle“, sagte sie ruhig.

 

Law blinzelte einmal. Seine Stimme blieb trocken.

 

„Gewohnheit.“

 

Lia nickte, als wäre das eine Diagnose.

 

„Dann sag ich’s dir sauber“, meinte sie, und ihre Wärme blieb in der Stimme, obwohl sie gerade etwas Technisches erklärte. „Damit du nicht die ganze Zeit mitrechnest.“

 

Sie tippte mit dem Finger leicht auf den Tisch, als würde sie einen Punkt auf einer Karte markieren.

 

„Das hier… das Krankenhaus, das Restaurant – das ist nicht einfach nur ein Schild, das ich hochhalte.“

 

Law hob minimal die Brauen.

 

Lia hielt seinen Blick aus. Ruhig, nicht fordernd.

 

Das ist kein Schild, das ich halte. Das ist ein Fixpunkt, den ich gesetzt habe.

 

Ein Herzschlag Stille, in dem Law das Wort Fixpunkt im Kopf einmal umdrehte, als wäre es ein Skalpell, das man auf Balance prüft.

 

Also kostet es sie nicht permanent.


Und trotzdem ist es an sie gebunden.

 

„Es bleibt“, fuhr Lia fort, „bis ich sterbe.“

 

Law bewegte sich nicht. Aber seine Hand am Kaffeebecher wurde einen Hauch fester.

 

Lia sah das – und machte daraus keinen großen Moment. Sie blieb sachlich, weil sie wusste, dass er es so besser nimmt.

 

Aber nicht sofort. Erst nach zehn Tagen.“ Sie atmete einmal ruhig ein. „Oder bis die Welt‑Frucht sich einen neuen Träger sucht… und der einen neuen Fixpunkt wählt.“

 

Law ließ die Worte einen Moment wirken. Zehn Tage Nachlauf. Ein Puffer. Kein abruptes Zusammenbrechen.

 

Sie denkt in Systemen.

Und sie weiß, dass ich das verstehe.

 

„Heißt“, sagte er langsam, „du könntest schlafen… und es hält trotzdem.“

 

„Ja“, sagte Lia.

 

Und ich könnte endlich aufhören, sie anzustarren, nur um sicherzugehen.


Law hasste, wie erleichtert sich das anfühlte.

 

Lia beugte sich ein kleines Stück vor – nicht in seine Zone, nur näher, als würde sie die Lautstärke runterdrehen, ohne es auszusprechen.

 

Ihre Stimme wurde leiser.

 

„Law…“ Sie sagte seinen Namen nicht spielerisch, nicht weichgespült. Einfach als Fakt. „Ich sag dir das nicht, damit du dich entspannst.“

 

Er sah sie an.

 

„Sondern damit du weißt, wie viel Zeit bleibt, falls…“ Sie ließ den Satz nicht dramatisch werden. „Falls etwas schiefgeht.“

 

Sie redet über ihren Tod, als wäre es ein Notfallplan.

Verdammte Frau.

 

Law atmete einmal durch die Nase aus. Kein Spott. Eher das Geräusch von jemandem, der etwas akzeptiert, weil es logisch ist.

 

„Warum sagst du mir das?“, fragte er.

 

Lia hielt kurz inne.

 

Weil du nicht panisch wirst.
Weil du nicht rennst.
Weil du dir selbst im Chaos noch eine Linie ziehst.

 

Sie sagte nur das, was sie verantworten konnte.

 

„Weil du der Typ bist, der im Ernstfall nicht schreit“, sagte sie leise. „Sondern handelt.“

 

Law schwieg einen Moment, und in seinem Blick lag diese unangenehme Klarheit, die alles durchschneidet.

 

Vertrauen. Schon wieder.

Zu früh.

 

„Und was soll ich damit machen?“, fragte er.

 

Lia zögerte nicht.

 

„Nichts“, sagte sie. „Noch nichts.“

 

Dann, als würde sie den letzten Schritt bewusst setzen, hob sie den Blick wieder direkt auf ihn.

 

„Darf ich dir ein Geheimnis anvertrauen?“

 

Law antwortete nicht sofort. Sein Blick ging kurz zur Seite, als würde er prüfen, ob irgendjemand zuhört. Dann wieder zu ihr.

 

„Sag’s.“

 

Lia schüttelte kaum sichtbar den Kopf. „Nicht laut.“

 

Sie zog ihr Handy aus der Tasche, entsperrte es und tippte – schnell, sauber. Kein Zögern, keine Emojis, keine unnötigen Worte. Nur Inhalt.

 

Dann drehte sie das Display zu ihm und schob es über den Tisch.

 

Law nahm es nicht sofort. Eine Sekunde nur. Dann nahm er es – und las.

 

Einmal im Jahr nimmt es ihr den Körper.
Nicht, weil sie böse ist – sondern weil irgendetwas in ihr nach Blut greift, wenn es erwacht.
Und wenn es erwacht, ist Viola nur noch Zuschauerin.

 

Law las weiter. Seine Miene blieb fast gleich, aber seine Augen wurden einen Tick schärfer.

 

Also kein „dunkles Geheimnis“. Ein Fluch. Ein Kontrollverlust.
Und Lia… trägt das mit ihr. Still. Jedes Jahr wieder.

 

Er hob den Blick nicht sofort. Er las den letzten Satz, noch einmal, als würde er die Kante davon verstehen wollen.

 

Dann gab er Lia das Handy zurück, ohne Theater. Ohne Kommentare für den Raum.

 

„Wann?“, fragte er leise.

 

Lia nahm das Handy, hielt es mit beiden Händen unter dem Tisch, als wäre es plötzlich schwerer geworden.

 

„Sie weiß es vorher“, sagte sie. „Und sie sagt es uns. Immer.“ Ein kurzer Atemzug. „Aber Scham macht Menschen dumm. Und Angst macht andere Menschen gefährlich.“

 

Wenn die falschen Leute das sehen… nennen sie sie Monster.

Und Viola ist nur… gefangen in ihrem eigenen Körper.

 

Law ließ den Blick einmal durch den Raum gehen – nicht auffällig, aber exakt. Viola war irgendwo in Bewegung, normal, lebendig, sie selbst. Keine Spur von „Jagdmodus“. Nur eine Frau, die ihre Portale kontrolliert und sich Mühe gibt, nicht zu viel Platz zu nehmen.

 

Seine Stimme blieb trocken. „Hat sie jemanden verletzt?“

 

Lia schüttelte den Kopf. „Nicht, seit sie bei uns ist.“ Dann, ehrlich: „Aber das liegt auch daran, dass wir vorbereitet sind.“

 

Law sah sie an.

 

„Und jetzt sagst du es mir, weil…?“

 

Lia hielt seinen Blick aus. Warm, aber nicht weich.

 

„Weil du Arzt bist“, sagte sie. „Und weil du in Stress nicht laut wirst.“

 

Sie machte eine winzige Pause, und ihre Stimme wurde noch leiser.

 

„Und weil ich nicht will, dass du – oder jemand aus deiner Welt – sie in dem Zustand sieht und denkt, er muss sie aufhalten, indem er sie… zerstört.“

 

Law blinzelte einmal.

 

Sie hat wirklich Angst um Viola.

Nicht um ihr Image. Nicht um OMEGA. Um sie.

 

Er sagte nichts Dramatisches. Nur den Satz, der zählt.

 

„Ich sag’s niemandem.“

 

Lia atmete leise aus. Nicht erleichtert wie nach einem Sieg – eher wie nach einer gelungenen Naht.

 

„Danke.“

 

Law lehnte sich minimal zurück. Ein Millimeter Distanz, weil Nähe bei ihm immer noch ein Reflex war – aber er blieb da.

 

„Wenn’s soweit ist“, sagte er knapp, „will ich vorher wissen, wo ihr sie hinbringt. Und wer zuständig ist. Ohne Kräfte kann ich nicht improvisieren wie sonst.“

 

Lia nickte sofort. „Kriegst du.“

 

Er macht daraus einen Plan.

Natürlich macht er daraus einen Plan.

 

Sie steckte das Handy weg, sah ihn einen Moment an und lächelte – klein, echt.

 

„Das ist alles“, sagte sie. „Nur… damit du’s weißt.“

 

Law antwortete nicht mit einem Lächeln. Aber seine Augen wurden einen Tick weniger hart.

 

„Ich weiß es jetzt“, sagte er.

 

Und das war – für ihn – bereits Loyalität.

 

Lia drehte ihr Kaffee minimal zwischen den Fingern, sah kurz über den Tisch, dann wieder zu Law. Ihre Stimme blieb warm, ruhig.

 

„Danke“, sagte sie. „Dass du mir zugehört hast.“

 

Sie hielt einen Herzschlag inne, als würde sie kurz prüfen, ob sie zu viel sagt – dann ließ sie es trotzdem stehen.

 

„Und dass du dich zu mir gesetzt hast. Das bedeutet mir was.“

 

Sag’s einfach. Nicht schwer machen. Er muss nichts zurückgeben.

 

Law reagierte nicht mit einem Lächeln. Er nickte nur minimal, als hätte er die Information sauber abgelegt.

 

Sie bedankt sich, als wäre das selten. Vielleicht ist es das.

 

Lia sah kurz in den Raum, über die Menschen, die noch redeten, lachten, sich sortierten – dann wieder zu ihm. Ihre Stimme wurde noch leiser.

 

„Ich hab noch ein kleines Geheimnis“, sagte sie. „Aber das sag ich nachher allen sowieso noch.“

 

Sie hob die Augenbrauen, wie eine Tür, die offen ist, aber niemanden zieht.

 

„Willst du’s vorher wissen?“

 

Law ließ den Blick einen Moment auf ihrem Gesicht liegen. Wachsam. Nicht misstrauisch – eher wie jemand, der gelernt hat, dass „Geheimnis“ entweder harmlos oder gefährlich ist.

 

„Wenn’s uns betrifft“, sagte er trocken, „ja.“

 

Lia lächelte. Ein echtes, kurzes Lächeln – als hätte sie genau diese Antwort erwartet.

 

„Okay.“

 

Sie beugte sich ein kleines Stück vor. Nicht dramatisch. Nur näher, damit es wirklich nur zwischen ihnen bleibt.

 

„Aber… nicht erschrecken.“

 

„Ich erschreck nicht“, sagte Law automatisch – und merkte erst danach, wie sehr das nach Herausforderung klang.

 

Lia lachte leise auf. Nicht laut. Nicht albern. Nur ein warmer Hauch, der kurz die Spannung aus dem Satz nahm.

 

„Gut.“

 

Sie legte die Fingerspitzen an die Innenseite ihres Handgelenks, genau dort, wo vorhin die Ringe gewesen waren – als würde sie einen Schalter ertasten, den nur sie kennt. Ihre Augen wurden für einen Herzschlag unfokussiert.

 

Banfu… kurz. Nur gucken. Kein Theater.

 

Nichts knallte. Nichts glitzerte.

 

Die Luft neben ihrem Knie wurde einfach… dichter, wie eine Falte in einem Stoff, den nur sie bewegen konnte.

 

Und dann war da ein kleines Tier.

 

Nicht groß. Kein Monster. Kein Angriff.

 

Ein winziger Tiger – eher ein Jungtier, weiß mit kräftigen pinken Zeichnungen, als wären sie mit Farbe gezogen. Die Fellspitzen standen ein wenig ab, wild und niedlich gleichzeitig. Er schüttelte sich einmal, als wäre „existieren“ kurz anstrengend, und tappte dann direkt zu Lia, rieb den Kopf an ihrer Hand und schnurrte so laut, dass es für seine Größe unverschämt war.

 

Law rührte sich nicht sofort.

 

Was… ist das? Keine Teufelskraft, die ich kenne. Und trotzdem… Teil von ihr.

 

Seine Hand zuckte reflexhaft – ein Muskelgedächtnis: ROOM.

 

Leere.

 

Er zwang die Bewegung zurück, bevor sie sichtbar wurde.

 

Der Tiger drehte den Kopf – und sah Law direkt an.

 

Nicht feindlich.

 

Eher… prüfend.

 

Law hielt den Blick. Unbeweglich. So ruhig, dass man es fast für Gleichgültigkeit halten konnte.

 

Wenn das Ding springt, hab ich keine Kraft. Nur Timing.

 

Lia beobachtete ihn genau. Nicht, weil sie Law misstraute – sondern, weil sie wissen wollte, ob er bleibt, wie er ist.

 

„Das ist Banfu“, sagte sie leise. „Er gehört… zu meiner Welt‑Frucht.“

 

Banfu setzte eine Pfote auf ihre Hand, als würde er das bestätigen.

 

„Ein… Vertrauter?“, fragte Law.

 

„So ungefähr.“ Lia nickte. „Er ist nicht gefährlich. Er kann niemanden verletzen“

 

Banfu gähnte – als wäre „Gefahr“ ein Wort, das ihn müde machte.

 

Law sah wieder auf das Tier.

 

„Und wozu?“, fragte er.

 

Lia zog die Schultern minimal hoch. „Er spürt Dinge, bevor ich sie ganz bewusst spüre. Absicht. Böses.“ Sie hielt kurz inne. „Er war auch der Grund, warum ich auf der Straße so schnell wusste, dass ich euch nicht… falsch einschätze.“

 

Und warum ich wusste, dass du nicht so kalt bist, wie du tust.

 

Banfu rutschte ein Stück näher – und streckte die Nase in Laws Richtung, als hätte er beschlossen, dass das jetzt überprüft wird.

 

Law hielt still. Kein Zurückzucken.

 

Banfu schnupperte einmal, zweimal.

 

Dann… stieß er mit der Stirn ganz leicht gegen Laws Hand. Ein winziger „Anstubser“, wie ein Urteil, das nicht wehtut.

 

Lia blinzelte – und ihre Mundwinkel zuckten. Sie musste sich sichtbar zusammenreißen, nicht gleich zu lachen.

 

„Er mag dich“, flüsterte sie, als wäre das eine absurde Neuigkeit.

 

Natürlich. Ausgerechnet das.

 

Law sah auf seine Hand, dann auf den Tiger.

 

„…Hm“, machte er wieder, aber diesmal klang es minimal anders. Weniger Abstand. Mehr: registriert.

 

Er hob die Finger langsam – kontrolliert, vorsichtig – und berührte Banfu einmal zwischen den Ohren.

 

Nur kurz.

 

Banfu blieb einfach sitzen, als hätte er nie etwas anderes erwartet.

 

Lia spürte Wärme in den Wangen und hasste sie nicht. Sie atmete nur einmal ruhig aus.

 

Okay. Nicht rot werden. Nicht jetzt. Bitte nicht jetzt.

 

Law zog die Hand zurück, als wäre das Berühren bereits zu viel Information.

 

„Also ist der Tiger dein… Frühwarnsystem“, sagte er.

 

„Ja“, antwortete Lia.

 

„Und nur du kannst ihn rufen?“

 

„Nur ich.“

 

Law nickte. Ein sauberes „verstanden“.

 

Dann sagte er genau einen Satz – trocken, nicht aggressiv, aber eindeutig:

 

„Dann behalt ihn bei dir. Wenn er was merkt, sag’s.“

 

Lia sah ihn an, einen Moment lang richtig weich in den Augen.

 

„Mach ich“, sagte sie leise.

 

Banfu rollte sich enger zusammen, als wäre sein Job erledigt, und schnurrte noch einmal so tief, dass man es eher fühlte als hörte.

Lia ließ die Hand kurz auf seinem Fell liegen, nur damit er ruhig blieb — und damit sie selbst es auch blieb. Okay. Kein Drama. Einfach normal.

„Und…“, sagte sie leiser, sah Law dabei offen an, „ich erklär das nachher allen. Nicht als Geheimnis, eher… als Ordnung. Damit keiner erschrickt.“

Law lehnte sich ein Stück zurück, als müsste er Abstand halten, um klar zu bleiben.

„Ich rede nicht viel“, sagte er trocken.

Zu viel reden?

Nein. Das hier sind keine Worte. Das sind Koordinaten.

Lia nickte einmal, als hätte sie genau damit gerechnet.

„Gut“, sagte sie ruhig. „Dann sag ich’s jetzt einmal allen. Heute 9 Uhr — Treffpunkt: Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug.“

Law hob den Blick minimal.

„Heute“, bestätigte Lia, warm genug, dass es nicht wie Befehl klang. „Damit’s keine Missverständnisse gibt.“

Law nickte einmal.

Lia strich Banfu noch einmal über den Kopf — und bevor sie aufstand, legte sie zwei Finger an die Innenseite ihres Handgelenks.

Banfu löste sich nicht dramatisch auf. Er wurde einfach stiller. Dünner. Wie Nebel, der zurück in einen Innenraum fällt, bis nichts mehr übrig blieb als ein Hauch — und dann: gar nichts.

Nur ich.

Sie stand auf, ohne Hast.

„Ich mach kurz die Runde“, sagte Lia. „Bin gleich wieder da.“

Law antwortete nur: „Geh.“

Er lässt mich gehen. Kein Nachfragen. Keine Kette.

Lia ging zuerst zu Nami und Robin.

„Nami“, sagte Lia freundlich.

Nami hob sofort den Blick. „Hm?“

„Heute 9 Uhr. Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug“, sagte Lia. „Sag’s den Strohhüten bitte einmal mit.“

Nami nickte direkt. „Mach ich.“

Robin sah Lia kurz an, ruhig. Ein kleines Nicken — mehr nicht.

Lia ging weiter zu Shanks.

Shanks’ Crew stand und saß so, als wäre „Restaurant“ nur ein anderes Wort für „Lage“. Beckman wach, Lucky Roux schon halb beim Essen, Yasopp mit Blick, der alles mitnimmt.

„Shanks“, sagte Lia respektvoll.

Shanks hob den Blick. „Ja?“

„Heute 9 Uhr. Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug.“

Shanks nickte. „Verstanden.“

Beckman nickte einen Tick später, knapp.

Lia ging weiter zu Kid.

Kid saß wie ein Stacheldraht auf zwei Beinen. Killer daneben — still, kontrolliert.

„Kid“, sagte Lia ruhig.

Kid schnaubte. „Was.“

„Heute 9 Uhr. Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug.“

Killer nickte einmal. „Wir sind da.“

Kid sagte nur: „Tch.“

Lia nahm das als Ja. Es war seine Sprache.

Rayleigh bekam es kurz und sauber.

„Rayleigh — heute 9 Uhr. Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug.“

Rayleigh lächelte kaum sichtbar. „Gut.“

Mihawk ebenfalls.

„Mihawk. Heute 9 Uhr. Eingang Krankenhaus. Vor dem Aufzug.“

Mihawk nickte minimal. Fertig.

Dann tippte Lia eine Nachricht — ohne Extras, ohne neue Themen, nur Struktur:

SMS an Yahiko / Viktor / Viola / Hanma: „Heute 09:00 Treffpunkt Eingang Krankenhaus vor dem großen Aufzug.“

Abgeschickt.

Lia ging zurück zu Law. Er saß noch da, wie vorher — nicht „wartend“, eher wie jemand, der den Raum hält, bis die Variable wieder da ist.

Sie blieb einen Moment stehen.

„Alle haben’s“, sagte sie leise. „Heute 9 Uhr am Aufzug.“

Law nickte.

„Gut.“

Lia zog kurz die Luft ein.

„Ich muss kurz telefonieren“, sagte sie. „Bin gleich wieder da.“

Law hob die Brauen kaum sichtbar.

„Organisation“, ergänzte Lia automatisch — und lächelte klein, entschuldigend.

„Natürlich“, sagte Law trocken.

Organisation heißt hier wahrscheinlich: noch mehr Kontrolle. Aber… sie macht’s sauber.

Lia ging ein paar Schritte weg, dahin, wo man nicht mitten im Raum steht, nahm das Handy raus und wählte.

Es klingelte zwei Mal.

„Lia?“

Ditojs Stimme war sofort da — wach, vertraut. Im Hintergrund ganz leise Musik, so wie ein Rhythmus, der mitläuft, selbst wenn man arbeitet.

Lias Gesicht wurde automatisch weicher.

„Dito.“

„Ich hab’s mitbekommen“, sagte er direkt. „Und ja — bevor du’s sagst: natürlich weiß ich, dass die One‑Piece‑Leute bei euch sind. Das läuft längst über Dienstwege.“

Lia atmete einmal aus. Kein Ärger. Nur Erleichterung, dass sie nichts erklären muss, was sowieso klar ist.

„Gut“, sagte sie. „Dann spar ich mir den Roman.“

Ditoj schnaubte leise. „Wär auch untypisch für dich.“

Er klingt wie Zuhause.

„Ich brauch morgen Basics für sie“, sagte Lia. „Handys. Für jeden. Sauber eingerichtet: Notfallnummern, Übersetzer, Karten, wichtige Kontakte. Nichts Wildes — aber strukturiert.“

„Kriegst du“, sagte Ditoj sofort. „Sag mir nur ungefähr wie viele. Den Rest regel ich.“

„Danke“, sagte Lia leise — und meinte es.

Sie zögerte einen Herzschlag. Dann sagte sie es trotzdem, direkt, wie immer:

„Ditoj… willst du zu OMEGA kommen?“

Am anderen Ende war kurz Stille. Nicht unangenehm. Eher: ernst.

„Du fragst nicht aus Nostalgie“, sagte er dann ruhig. „Du fragst, weil du’s wirklich willst.“

„Ja“, sagte Lia ehrlich. „Ich will dich hier. Und ich glaub, es wäre gut.“

„Okay“, sagte Ditoj. „Ich rede heute mit meinem Chef. Und morgen, wenn ich dir die Handys bring, hab ich eine Entscheidung.“

Lias Mundwinkel hoben sich minimal.

„Ich hab dich echt lange nicht gesehen“, sagte sie, und jetzt war’s einfach Lia. „Ich freu mich, dich zu hören.“

Ditojs Stimme wurde noch einen Tick weicher. „Ich dich auch, Lia.“

„Bis morgen“, sagte sie.

„Bis morgen“, sagte er. „Und Lia?“

„Hm?“

„Du machst das nicht allein. Hörst du?“

Lia schluckte einmal.

„…Ich hör dich.“

Sie legte auf, blieb eine Sekunde stehen, atmete durch — und ging zurück.

Law saß noch da. Blick wach, Haltung ruhig.

Lia setzte sich wieder neben ihn.

Law sah sie einen Moment an, als würde er entscheiden, ob er fragt. Dann kam’s trocken:

„Erledigt?“

„Erledigt“, sagte Lia leise. „Morgen kommen Handys. Und… ein Freund.“

Law hielt den Blick einen Herzschlag zu lange.

„Polizei?“

Lia nickte. „Ja.“

Natürlich Polizei.
Und trotzdem sitzt sie wieder hier, als wäre das normal.

 

Law nahm den Blick nicht von ihr, aber seine Stimme blieb trocken.

„Und dein Freund… ist der Typ, der festnimmt?“

Lia zog nur minimal eine Augenbraue hoch. „Der Typ, der aufpasst, dass andere nicht festnehmen, wenn’s nicht sein muss.“

Sie formuliert das zu sauber.
Zu viel Information für jemanden, den sie seit… Stunden kennt.
Oder sie wählt sehr genau, wem sie was gibt.

„Kommt er heute auch hier hoch?“, fragte Law trocken.

Lia schüttelte sofort den Kopf. „Nein. Sechster Stock bleibt euer Bereich.“

 

Banfu kam wieder raus. Sie strich Banfu einmal über den Kopf, als wäre das nur Gewohnheit — und als sie wieder aufsah, war in ihrem Blick diese ruhige, praktische Wärme. Lia hob Banfu ein Stück an, ganz selbstverständlich — und ließ ihn im nächsten Moment einfach „weg“. Kein Rauch. Kein Effekt. Als würde er in ihr verschwinden, in diesen unsichtbaren Innenraum, den nur die Welt‑Frucht kannte.

„Noch weiß das keiner“, sagte sie ruhig, mehr als Erklärung für den Ablauf als als Bitte.

Law nickte minimal. „Verstanden.“

 

„Ich hol kurz was“, sagte sie leise. „Und geh rüber zu L. Bin gleich wieder da.“

Law nickte nur.

Natürlich „gleich“. Bei ihr heißt das: exakt so lange, wie es braucht — nicht so lange, wie es sich anfühlt.

Lia ging los, ruhig, ohne Hast, aber mit Richtung. Die Art von Bewegung, die keinen Raum für unnötige Fragen lässt.

Law blieb sitzen. Hände am Becher. Blick zur Tür. Blick durch den Raum.

Sie redet nicht zu viel. Sie baut eine Wand aus Informationen, damit niemand stolpert.

Shachi ließ sich schräg hinter Law nieder, so dass er alles sah, ohne zu „kleben“. Penguin blieb in Reichweite, als wäre das ein stilles Gesetz. Bepo stand kurz unschlüssig, dann setzte er sich hin — vorsichtig, als könnte ein Stuhl in dieser Welt falsche Regeln haben.

Law sagte nichts. Er musste nicht. Seine Crew wusste, wann Geräusche nur stören.

Ein paar Tische weiter saßen die Strohhüte — nicht „fremd“, nicht „Feind“, eher wie ein Teil einer Geschichte, die zu oft zusammengekracht ist, um so zu tun, als wäre man sich egal.

Ruffy stopfte sich etwas in den Mund, das eindeutig zu groß für „Frühstück“ war, und grinste, als hätte er gerade gewonnen, weil Essen existiert.

„Trafo!“, rief er plötzlich quer durch den Raum, ohne Rücksicht auf Lautstärke.

 

Law hob den Blick nicht mal ganz. „Nicht so laut.“

Ruffy grinste noch breiter. „Du bist voll langweilig!“

Law atmete langsam durch die Nase aus.

Er nennt mich wie früher. Als wäre „früher“ gestern gewesen und nicht eine andere Welt.

Zoro saß mit verschränkten Armen da, Blick halb auf Ruffy, halb auf die Umgebung, als würde er sich weigern, zuzugeben, dass er auch nur einen Funken Unruhe kennt.

Als Law hinsah, trafen sich ihre Blicke kurz. Kein Gruß. Nur dieses stumme „du lebst“.

Wir haben schon schlimmere Dinge überlebt.

Nami war wach wie immer, Augen auf Menschen, auf Ausgänge, auf „wer könnte mir was abziehen“ — ein Reflex, den Law verstand, ohne ihn zu mögen. Robin saß ruhiger, aber ihr Blick nahm genauso viel auf.

Chopper schob sich etwas zu essen hin und her, als würde er gleichzeitig Hunger und Nervosität behandeln.

Kid war irgendwo am Rand, das Gesicht wie ein „fass mich an und stirb“, und Killer saß neben ihm wie die menschliche Handbremse.

Law sah sie nur kurz — und trotzdem lag da ein altes Bild im Kopf: Rauch, Schreie, Big Mom, Stahl und Blut.

Wir haben gemeinsam gegen ein Monster gekämpft. Und jetzt sitzen wir hier, ohne Kräfte, und tun so, als wäre Kaffee das Problem.

Die Tür ging auf, ein paar Menschen vom Personal kamen rein, trugen Tabletts, sprachen leise. Keine Panik. Kein „Oh mein Gott, Piraten“.

Weil Lia ihnen schon einen Rahmen gebaut hat, bevor wir überhaupt verstanden haben, dass wir ihn brauchen.

Law merkte, wie sein Blick automatisch wieder dorthin glitt, wo Lia verschwunden war.

Sie ist nicht weg, sie arbeitet. Das ist der Unterschied.

Trotzdem blieb dieses kleine, hässliche Ziehen im Bauch:

Wenn sie kippt, kippt hier alles.

Bepo räusperte sich vorsichtig. „Captain… neun Uhr, ja?“

Law nickte. „Ja.“

Mehr kam nicht. Mehr brauchte es nicht.

Ruffy stand plötzlich auf, als hätte er eine Idee, die zu groß für den Raum war. „Ey! Können wir heute trainieren?“

Zoro sah ihn an, als wäre das die dümmste Frage der Welt. „Womit?“

„Mit… allem!“

Sanji hob die Hand, sehr kontrolliert. „Wir trainieren gar nichts, bis wir wissen, wie schnell hier Polizei auftaucht.“

Ruffy schmollte. „Mies.“

Law hörte zu, ohne sich einzumischen.

Sie reagieren wie immer. Nur ohne Haki. Ohne Teufel. Ohne den Teil von uns, der sonst die Fehler ausgleicht.

Und genau deswegen war Lia gefährlich — nicht als Feind, sondern als Faktor.

Sie war das Einzige hier, das gerade „ausgleicht“.

Und ich mag nicht, dass ich mich daran gewöhne.

Ein Kellner kam, stellte Law wortlos einen frischen Kaffee hin — als hätte das jemand angeordnet, bevor Law überhaupt entschieden hatte, dass er noch einen will.

Law sah kurz zur Theke. Der Kellner nickte knapp, professionell.

Sie hat sogar das organisiert.

Die Minuten liefen. Nichts explodierte. Nichts eskalierte.

Und genau das machte Law unruhiger, als er zugeben wollte.

Ruhe ist hier kein Zwischenzustand. Sie ist ein gebautes Ding.

Dann kam Lia zurück.

Sie hatte eine kleine Torte in einer Schachtel in der Hand, dazu zwei Becher Kaffee, balanciert wie jemand, der seit Jahren gleichzeitig Leben und Zeit trägt.

Sie blieb kurz im Eingangsbereich stehen, scannte automatisch den Raum — nicht misstrauisch, eher fürsorglich: Sind alle noch da?

Sie zählt Menschen, nicht Tische.

Lia ging an Laws Tisch vorbei, ohne stehenzubleiben, und hob nur zwei Finger als Zeichen. „Bin gleich wieder da.“

Law nickte minimal.

 

Zorro kam vorbei schaute verwirrt in den Raum

 

„…Wo sind denn auf einmal alle hin?“

Law nahm einen Schluck Kaffee, ohne aufzusehen.

„Nicht alle“, sagte er tonlos. „Du bist derjenige, der verschwunden ist.“

Zorro starrte ihn an, als müsste er erst entscheiden, ob das eine Beleidigung war oder eine Diagnose.

„Hä?“

Am anderen Ende des Raums hörte man Nami sofort: „ZORRO!“

Zorro zuckte zusammen, als hätte ihn ein Blitz getroffen, und stapfte in die Richtung der Stimme — ohne auch nur einmal richtig auf den Weg zu achten.

Law atmete leise aus.

Zwei Welten.
Und der Idiot schafft es, in beiden gleich zu bleiben.

Sie verschwand Richtung Kontrollbereich — zu L.

Law blieb sitzen. Wieder warten. Wieder beobachten.

Sie geht zu dem Einzigen hier, der noch weniger „Smalltalk“ kann als ich.

Ruffy flüsterte (viel zu laut): „Die is echt cool.“

Nami zischte sofort: „Leise!“

Robin lächelte minimal. „Er hat recht.“

Law tat so, als hätte er’s nicht gehört.

…Ja.

Zeit verging in dieser seltsamen Art von „sicher“, die sich noch nicht verdient anfühlt.


Kontrollzentrale

Status

 

Lia ging durch den Parkweg zurück ins Krankenhaus. Der Morgen war kühl, die Luft klar, der Schild fühlte sich an wie ein stiller Rahmen um ihre Schultern.

Noch eine Stunde.

Kurz zu L.
Dann General.

Im Krankenhaus nahm sie nicht den Haupteingang, sondern den Personalweg. Türen, die sie kannte. Codes, die sie nicht mehr bewusst dachte.

Als sie unten ankam, war die Kontrollzentrale so, wie sie immer war: Monitore, Karten, ruhiges Summen — und in der Mitte L, barfuß, leicht gekrümmt, als hätte die Schwerkraft ihm nie ganz vertraut.

L hob den Kopf minimal, als sie eintrat. Kein „Guten Morgen“. Nur ein Blick, der registrierte: Du bist da.

Lia stellte die Becher und das Tortenstück neben ihn ab. „Hey.“

L sah auf den Kaffee. Dann auf die Torte. Dann wieder auf sie.

„Zucker“, sagte er.

„Und Koffein“, sagte Lia. „Ich hab an dich gedacht.“

Sie setzte sich neben ihn — Schulter an Schulter, so vertraut, dass es nicht erklärt werden musste. Kein romantischer Moment. Nur: Heimat auf Zeit.

Ich vermiss dich.
Nicht weil ich abhängig bin.
Weil’s leiser ist, wenn du da bist.

„Ich wollte kurz bei dir sein“, sagte Lia leise. „Ich vermisse dich.“

L antwortete nicht mit Worten, wie andere es tun würden. Er machte nur das, was bei ihm viel war: Er blieb genau so sitzen. Rückte keinen Millimeter weg.

„Status“, sagte er nach einem Moment.

Lia nickte, sofort wieder in Struktur. „Neun Uhr Treffpunkt unten, Eingang, vor den Aufzügen. Der General kommt. Zehn Minuten.“

„Risiko?“

„Nicht körperlich“, sagte Lia ruhig. „Eher… emotional. Er redet gern so, dass Leute sich klein fühlen.“

L tippt einmal, und irgendwo auf einem Screen sprang ein kleiner Block auf: 09:00 / EINGANG / GENERAL.

„Plan?“

„Ich führ sie heute ein bisschen rum“, sagte Lia. „Damit sie sehen, was es gibt. Krankenhaus, Restaurant, Omega. Keine Unterrichtsstunde heute — die kommt ab morgen. Ich hab den Drei‑Tage‑Plan im Kopf, aber ich sag’s ihnen morgen sauber.“

L nickte minimal, als hätte er das ohnehin schon erwartet.

„Optionen“, murmelte er. „Arbeiten. Rollen. Stabilität.“

„Genau“, sagte Lia. „Sie sollen wissen, dass sie nicht nur ‘aushalten’ müssen. Manche von ihnen… brauchen Aufgabe.“

L sah kurz auf einen anderen Monitor. „Strohhut braucht Essen.“

Lia schnaubte leise. „Ja.“

Ein paar Sekunden saßen sie einfach so. Schulter an Schulter. L vor den Bildschirmen, Lia mit Kaffee in der Hand,. Eine Ruhe wie aus Kindertagen.

„Ach ja“, sagte Lia dann, und der Ton wurde für einen Moment weich. „Ditoj kommt morgen.“

L blinzelte einmal. „Rosenfeld.“

„Mhm.“ Lia lächelte kurz. „Und wenn das klappt… sind wir wieder komplett. Wie früher.“

Sie lehnte den Kopf leicht an seine Schulter. Nur freundschaftlich. Nur warm.

Einmal kurz so tun, als wär alles normal.
Nur einmal kurz.

L ließ es zu, ohne Kommentar.

„Und“, sagte Lia leise, „ich wollte dir das sagen, bevor der General kommt. Damit du’s im Blick hast.“

L antwortete wie immer in Funktionen: „Ich hab’s.“

Lia richtete sich wieder ein Stück auf. „Kannst du mir einen Gefallen tun?“

„Wenn er logisch ist.“

Lia grinste ganz klein. „Ist er.“

„Kontaktier bitte den Schneider mit der Teufelskraft. Ich brauch ihn heute um zehn. Dringend.“

L tippte bereits, während sie sprach.

„Und die Assistentin“, setzte Lia nach, „die so gut zeichnen kann. Ich will, dass sie auch kommt. Wenn die Leute bequeme Sachen haben, sind sie ein Stück weniger… angespannt.“

L sah sie kurz an. Nicht kritisch. Eher: Du behandelst das wie Trauma‑Erste‑Hilfe.

„Zehn Uhr“, sagte er. „Ich schicke.“

Lia atmete leise aus. „Danke.“

L nahm den Kaffee. Ein winziger Schluck. Dann stellte er ihn ab, als hätte er sich an Wärme erinnert.

„Du wirkst ruhig“, sagte Lia leise.

„Ich bin immer ruhig“, antwortete L.

Lia nickte. „Ich weiß.“

Und genau deshalb kann ich neben dir kurz runterfahren, ohne zu kippen.

Sie nahm noch einen Schluck, sah kurz auf die Uhr.

„Ich muss gleich wieder hoch“, sagte sie. „Neun Uhr.“

L nickte. „Geh.“

Lia stand auf, strich kurz über den Rand des Tortenpapiers, als wäre das ein kleines „ich war da“.

„Ich seh dich gleich wieder“, sagte sie leise.

„Mhm.“

Und das war bei L ein vollständiger Satz.

Lia ging los — zurück nach oben, zurück in den Rahmen, den sie heute für viel zu viele Menschen gleichzeitig halten musste.

Okay.
Noch eine halbe Stunde.
Dann der Termin.
Und danach… weiter.


Restaurant

Zeitfenster

 

Dann, endlich, kam Lia wieder zurück. Keine Torte mehr in der Hand. Kein Kaffee mehr. Nur Lia — und dieses „alles läuft“-Gesicht, das sie nur aufsetzt, wenn wirklich alles laufen muss.

Sie kam direkt zu Law und setzte sich wieder neben ihn, als wäre das der natürliche Platz, zu dem sie zurückkehrt.

Zu nah. Zu selbstverständlich.

Law sah sie einen Moment an, als würde er entscheiden, ob er fragt. Dann kam’s trocken:

„Erledigt?“

„Erledigt“, sagte Lia leise.

Sie stützte die Unterarme locker auf den Tisch, nicht schwer, nicht müde wirkend — aber ihre Schultern sanken einen Millimeter, als wäre „bei L gewesen“ für sie ein kurzer Atemzug Zuhause.

Sie hat ihn wirklich vermisst. Nicht romantisch. Echt.

„L hat jetzt Kuchen“, ergänzte sie, und in ihrer Stimme lag Wärme, die sie niemandem erklären würde. „Und Kaffee. Damit er überhaupt… Menschen spielt.“

Law machte dieses fast unhörbare Ausatmen, das bei ihm am ehesten ein Lachen ist.

„Und?“

Lia nickte. „General ist bestätigt. 09:20.“

Sie sagte es wie eine Uhrzeit, nicht wie eine Drohung.

„Ich hab ihm gesagt, wo. Und dass er sich kurz hält.“

Law hielt den Blick auf ihrem Gesicht, einen Tick länger als nötig.

Sie geht da rein, als wäre es nur ein weiterer OP‑Termin. Und ich weiß, wie viel Energie sowas frisst.

„Außerdem“, sagte Lia ruhig, „hab ich L gebeten, jemanden zu kontaktieren.“

Law hob eine Braue.

„Einen Teufelskraft‑Mann, der nähen kann“, erklärte Lia, ganz sachlich. „Und die Assistentin, die gut zeichnen kann.“

Sie hob kurz die Hand, als würde sie den Gedanken ordnen.

„Nicht für ‘kostümieren’. Einfach… Basics. Bequeme Sachen. Damit sie nicht das Gefühl haben, sie laufen in einer fremden Welt auch noch in falschen Klamotten rum.“

Law nickte langsam.

Das ist exakt ihr Stil. Nicht Luxus. Funktion. Würde.

„Wenn’s heute klappt, gut“, sagte Lia. „Wenn nicht, dann halt später. Aber ich wollt’s anstoßen.“

Law trank einen Schluck Kaffee. Der schmeckte plötzlich bitterer, als er sollte.

Sie organisiert Komfort, während wir alle noch damit beschäftigt sind, nicht zu sterben.

Lia sah kurz über den Raum, prüfte mit einem Blick, wer schon „aufstehen will“ und wer noch trödelt.

Sie baut die Gruppe schon wieder wie eine Stationsliste.

Dann sah sie zurück zu Law.

„Ich hab noch zwanzig Minuten“, sagte sie leise. „Dann geh ich rüber zum Eingang.“

Law nickte. „Ich auch.“

Einen Moment war nur das da: zwei Becher, ein Tisch, ein Morgen, der sich zu normal anfühlt.

Dann, irgendwo im Hintergrund, hörte man Ruffy wieder „Trafo!“ sagen — leiser diesmal, weil Nami ihm wahrscheinlich gerade gedroht hatte.

 

Zoro brummte irgendwas, das nach „Idiot“ klang.

Kid schnaubte. Killer sagte nichts, aber sein Blick ging einmal kurz zu Law, als wäre das eine stumme Abmachung: Keine Kräfte. Trotzdem wach bleiben.

Law sah Lia an.

Sie redet nicht zu viel.
Sie hält uns am Leben, ohne dass wir’s merken sollen.

Lia trank ihren Kaffee aus, stellte die Tasse ab und stand auf.

„Okay“, sagte sie ruhig. „Ich geh schon mal vor. Nicht rennen. Einfach… pünktlich.“

Law stand nicht sofort auf. Er nickte nur minimal.

„Bis gleich.“

Lia ging los. Gerade. Ruhig. Als würde „bis gleich“ wirklich sicher sein.

Law blieb noch einen Atemzug sitzen, ließ den Blick kurz über seine Crew laufen — alle da, alle wach — und dann stand er auf.

Wenn sie sagt, pünktlich, meint sie: jetzt.

„Aufzugbereich“, sagte Law knapp.

Und seine Crew bewegte sich mit. Ohne Fragen. Ohne Drama.


ATRIUM AM AUFZUG

Treffpunkt

 

Lia stand bereits im Atrium beim großen Aufzug, dort wo man den Haupteingang im Blick hatte, ohne mitten im Durchgang zu stehen.

Viola, Viktor, Hanma und Yahiko waren bei ihr — locker verteilt, wie immer: nicht drohend, aber so, dass jeder Weg „lesbar“ blieb.

Lia blickte einmal auf die Uhr.

Gleich sind sie da. Und dann muss es sauber laufen.

„Ditoj kommt morgen“, sagte sie leise, mehr zu OMEGA als zum Raum.

Viola blinzelte sofort auf. „Wirklich?“

„Ja“, sagte Lia. „Er bringt dann auch das Zeug, das wir brauchen. Und… er sagt mir morgen endgültig, ob er bei OMEGA bleibt.“

Yahikos Mundwinkel zuckten kaum sichtbar. „Dann ist die Clique wieder… kompletter.“

Hanma grunzte nur. „Gut.“

Viktor sagte nichts — aber seine Schultern wurden einen Hauch leichter.

Kindergartenfreunde. Wieder näher. Das zählt.

Dann öffneten sich die großen Glastüren des Haupteingangs.

Nicht laut. Aber der Moment hatte Gewicht.

 

Die ersten, die reinkamen, waren die Strohhüte — als Paket, eng, wie immer wenn etwas „fremd“ war.

Ruffy vorne, als hätte er beschlossen, dass Regeln nur Vorschläge sind, Zorro direkt neben ihm, Nami mit Blick für Fluchtwege, Robin ruhig wie Text, Sanji so positioniert, dass er Nami und Robin automatisch abdeckte.

Direkt dahinter: die Heart Pirates.

Law kam nicht in der Mitte — aber er war der Mittelpunkt seiner Leute, ohne es zu spielen. Bepo dicht bei ihm, Shachi und Penguin im Rhythmus.

Kids Crew folgte, kantig, still aggressiv, Killer wie immer genau einen Tick „zu ruhig“.

Und zuletzt, als wäre es normal, dass ein Raum ihnen Platz macht: Shanks’ Crew. Beckman wach, Lucky Roux entspannt gefährlich, Yasopp mit Blick auf alles.

Rayleigh kam mit dieser Gelassenheit, die nur Erfahrung hat.

Mihawk… war einfach da, wie ein Schnitt in der Luft.

Ruffy sah Shanks und grinste breit. „SHANKS!“

Shanks’ Lächeln war kurz, echt. „Ruffy.“

Zorro schnaubte. „Als wär das hier ein Familientreffen.“

„Ist es irgendwie!“, sagte Ruffy sofort.

Law warf Kid einen Blick zu, den nur Kid richtig verstand.

Kid knurrte. „Tch.“

Big Mom. Dach. Blut. Wir kennen uns. Leider.

Lia wartete, bis alle wirklich drin waren — bis das letzte Echo der Tür weg war und die Gruppen sich gesammelt hatten.

 

Und dann fiel es auf.

Viola.

 

Sie hat sich entschieden, ernster genommen zu werden, denkt Law

Sie wirkte heute anders. Nicht „verkleidet“ — eher wie jemand, der beschlossen hatte, ernst genommen zu werden: schicker, professioneller, klarer Stil, das Rot-Schwarz sauber, die Details bewusst.

Lias Blick blieb einen Herzschlag an ihr hängen.

Ja. Genau so. Ich hab’s ihr doch gesagt.

Yahiko musterte sie einen Moment, trocken. „Okay. Du meinst es heute ernst.“

Viola hob das Kinn minimal. „Ich will nicht aussehen wie ‘nur Übergänge’.“

Hanma grinste schief. „Sieht gefährlicher aus.“

Viktor sagte nichts — aber er registrierte es.

 

Kid blieb einen Tick zu lange mit den Augen an Viola hängen.

Er fing sich sofort, als hätte er sich dabei ertappt, etwas zu merken.

 

„Tch“, machte er — und es klang wütender, als es sein musste.

Viola tat so, als wäre ihr das egal.

Aber ihre Mundwinkel zuckten. Ein winziger Sieg.

Law sah Lia an — länger als „nur kurz“.

Und Lia wurde wieder warm im Gesicht, nur ein Hauch, nichts Dramatisches… aber sie spürte es sofort.

Nicht jetzt. Fokus. Bitte, Körper, nicht jetzt.

Lia stellte sich so hin, dass alle sie sehen konnten. Ruhig. Herzlich. Aber mit Rahmen.

„Okay. Bevor wir losgehen: Der General kommt gleich. Nicht, weil ich ihn eingeladen habe.“

Sie ließ den Blick einmal durch die Runde gehen.

„Sondern weil hier Menschen sind, die… offiziell nicht existieren dürften. Und weil das hier eine Welt ist, die auf sowas reagiert.“

 

Kid hob das Kinn. „Soll er doch.“

Lia sah ihn an — nicht hart. Nur klar.

„Gleich“, sagte sie, „machen wir das kontrolliert.“

Shanks nickte einmal, ruhig. „Gut. Dann hören wir ihm zu.“

Lia sah Shanks einen Moment an.

„Glaub mir“, sagte sie leise, ehrlich, „ich mag’s auch nicht, dass er da ist. Aber ich kann nichts machen — außer hier zu sein und es sauber zu führen.“

Dann drehte sie den Blick zurück zu allen — und blieb bewusst kurz bei Kid hängen.

„Und falls er respektlos wird“, sagte sie ruhig, „werfe ich ihn raus. Auch wenn er stark ist.“

Kid lachte nicht. „Tch.“

Aber er sagte nichts mehr.

 

In dem Moment kam Bewegung von der Seite.

Vincent Keller.

Er trat aus einem Seitengang, Kittel offen genug, um nicht steif zu wirken, aber ordentlich. Pinke Haare, gepflegt, dieser „zu hübsch für den Alltag“-Vibe, den manche Ärzte leider wirklich haben. Seine Augen lächelten schon, bevor er sprach.

Er blieb direkt bei Lia stehen — nahe. Absichtlich nahe.

 

Law sieht das im Augenwinkel.

 

Und er macht’s extra.

„Lia“, sagte er, als wäre das ein Privileg. „Ich muss dich kurz sprechen.“

Lia hielt die Miene freundlich-professionell. „Okay. Einen Moment.“

Natürlich jetzt. Natürlich.

Sie drehte sich wieder zur Gruppe.

„Wir teilen uns auf.“

 

„Strohhüte gehen mit Yahiko.“

Ruffy hob sofort die Hand. „Ja!“

„Kid-Piraten gehen mit Viola.“

Kid verzog das Gesicht. „Warum—“

„Weil ich’s sage“, meinte Viola trocken — und ging schon los.

Kid folgte. Widerwillig. Aber er folgte.

„Shanks, Rayleigh und Mihawk: mit Hanma.“

Hanma grinste.

Lia sah ihn kurz an und sagte — fast zu weich, aber sie meinte es: „Hanma… du bist lieb.“

Hanma blinzelte einmal. Dann zog sein Mundwinkel hoch. „Sag das nicht so, als wär ich ein Hund.“

„Dann benimm dich nicht so treu“, gab Lia trocken zurück.

„Tch.“ Hanma grinste trotzdem.

„Und Heart Pirates: mit Viktor.“

Viktor nickte nur.

„Konferenzraum 606“, sagte Lia. „Geht schon mal hoch. Ich komme sofort nach.“

Die Gruppen setzten sich in Bewegung.

Auf dem Weg nach oben gingen sie an Gängen mit halbhohen Glaswänden vorbei, von denen man ins Atrium runtersehen konnte.

Und natürlich sah man unten Lia — immer noch mit Vincent.

Sanji lehnte sich minimal über die Glaslinie. „Wer ist das?“

Nami blinzelte. Robin sagte nichts — aber sie hatte die Antwort im Blick, bevor sie gesprochen werden musste.

Law blieb einen Herzschlag stehen und sah runter.

Wenn der Typ sie noch einmal so anstellt, knallt das hier, bevor der General überhaupt da ist.

Zorro warf ihm einen Seitenblick zu. „Du guckst komisch.“

Law antwortete trocken: „Ich guck normal.“

„Klar“, murmelte Zorro.

Kid ging weiter, aber sein Blick zuckte einmal zu Viola.

Viola ging gerade, sauber, professionell — und sah heute genau so aus, als hätte sie den Raum im Griff.

Kid knurrte leise. „Tch…“

Killer sagte, kaum hörbar: „Sieht gut aus.“

„Halt die Klappe“, fauchte Kid sofort.

Viola grinste nur.

Im Konferenzraum 606 angekommen, war er groß genug, dass niemand „gedrängt“ wirkte.

Einige setzten sich. Andere blieben stehen. Nicht aus Respektlosigkeit — aus Gewohnheit.

 

Law setzte sich nicht „bequem“. Er setzte sich so, dass er die Tür sehen konnte — und die Reaktionen der anderen.

Wenn Autorität reinkommt, kippt es nicht beim Lautesten. Es kippt beim Ersten, der sich gedemütigt fühlt.

Yahiko, Viktor, Hanma und Viola stellten sich so hin, dass der Raum sicher blieb, ohne dass es wie Bewachung aussah. Man konnte von dem Konferenzraum nach unten schauen wo Lia ist.

Unten hielt Vincent Lia ein Klemmbrett hin.

„Entlassungen“, sagte er leise. „Die von gestern. Du musst hier unterschreiben, dass die Nachkontrollen stehen.“

Er stand dabei zu nah. Sein Ton war weich, sein Blick schmeichelnd.

„Du warst heute früh schon wieder… beeindruckend“, murmelte er, als wäre das ein Flirt und kein Kommentar.

Lia nahm den Stift, ruhig. „Vincent.“

Er lächelte. „Hm?“

„Platz.“

Sauber. denkt Law

Ein Wort. Nicht unfreundlich. Aber eindeutig.


Vincent wich einen halben Schritt zurück — widerwillig, aber er tat es.

Lia unterschrieb schnell, sauber, ohne Drama.

Nicht jetzt. Nicht vor denen. Nicht vor dem General.

„Danke“, sagte Vincent, und sein Blick blieb zu lange auf ihr. „Ich… wollte dich später sowieso noch sprechen.“

„Später“, sagte Lia ruhig. „Nicht jetzt.“

Sie gab ihm das Brett zurück, drehte sich ab und ging.

Fünf Minuten später öffnete sich die Tür von 606.

Lia trat rein. Ruhig. Mit dieser „ich bin da“-Präsenz, die den Raum sortiert, ohne dass sie es will.

Law sah sie an — wieder einen Tick zu lange.

Nicht anmerken lassen, dass das erleichtert.

Und Lia wurde wieder warm im Gesicht, klein, ungewollt.

Verdammt. Ausgerechnet er.

Lia stellte sich so hin, dass alle sie sehen konnten.

„Okay“, sagte sie herzlich, ruhig. „In zehn Minuten kommt der General.“

Ein Raunen ging durch den Raum.

 

Genug Zeit, dass jemand einen Fehler macht. Denkt Law nur.

Usopp schluckte. „General wie… Militär?“

„Ja“, sagte Lia. „Hoher Rang. Bezirksaufsicht.“

Nami wurde sofort scharf. „Und was will er?“

„Reden“, sagte Lia. „Kurz. Zehn Minuten. Er will sehen, was hier los ist — weil ihr hier seid.“

Sie ließ den Blick einmal durch alle gehen.

„Ich bleibe dabei“, sagte sie ruhig. „OMEGA bleibt dabei. Und niemand ist hier allein.“

Kid lehnte sich zurück. „Tch.“

Shanks blieb ruhig. Rayleigh wirkte gelassen, aber wach. Mihawk sagte nichts — aber der Raum fühlte, dass er zuhört.

Law sagte nichts.

Er sah Lia nur an.

Und Lia merkte, wie ihr Blick am Ende nochmal zu Viola ging — wie sie da stand, aufrecht, professionell… und irgendwie so viel süßer, als sie selbst wahrscheinlich zugeben würde.

Gut. Sie steht. Richtig so.

 

Lias Handy vibrierte lautlos auf dem Tisch. Nur ein kurzes Aufleuchten.

Auf dem Display stand nur eine Zeile von L: „General ist im Haus. Kommt jetzt.“

Lia hob den Blick, ruhig, und sagte in die Runde, ohne es größer zu machen, als es war: „Er kommt. Zwei Minuten.“

Ein paar Stühle knackten, als sich Körper unbewusst gerader setzten. Nami zog instinktiv die Schultern an. Zorro lehnte sich minimal zurück, als würde er Platz für Bewegung lassen.

Ruffy war ausnahmsweise still. Nicht, weil er brav sein wollte – sondern weil die Stimmung anders war. Shanks’ Blick hob sich einen Tick. Rayleigh blieb gelassen, aber wach. Mihawk bewegte keinen Muskel.

Law registrierte automatisch die Tür, die Fenster, die Positionen. Wenn jetzt jemand versucht, hier Dominanz zu spielen, kippt die Statik.

Viktor stand seitlich so, dass er den Raum „halten“ konnte, ohne sich aufzudrängen. Viola wirkte professionell ruhig, Hände locker, aber bereit. Yahiko stand wie ein Schnitt: still, klar, präsent. Hanma lehnte so entspannt, dass es fast wieder bedrohlich war.

Dann klopfte es. Einmal. Kurz. Keine Frage – eine Ankündigung.

Lia stand auf. Kein Seufzen, kein Zögern. Nur Bewegung. Sie ging zur Tür und öffnete.

Und der Mann im Türrahmen war kein Teil von OMEGA. Das sah man sofort.

Dunkelgrüne Uniform aus schwerem Stoff. Goldene Kordeln. Ordenreihen – Metall, Farben, Symbole, sauber ausgerichtet. Weiße Handschuhe. Eine Mütze mit Sternen, als hätte jemand Rang nicht nur verdient, sondern eingefordert. Blond. Blaue Augen. Und eine Narbe am Gesicht, die nicht nach Zufall aussah.

Er trat nicht herein wie ein Gast. Er trat herein wie jemand, der gewohnt ist, dass Räume still werden, wenn er sie betritt.

Die Luft wurde einen Tick kälter.

„Doktor Lethal“, sagte er. Kein Guten Morgen. Keine Wärme. Nur Anerkennung – knapp wie ein Stempel.

Lia blieb ruhig. „General.“

Bleib sachlich. Er ist nicht hier, um nett zu sein. Er ist hier, um Kontrolle zu markieren.

Der General ließ den Blick über die Gruppe gehen – nicht über Gesichter. Über Hände. Über Haltung. Über die Art, wie Menschen stehen, wenn sie gewohnt sind, Waffen zu tragen, auch wenn heute keine sichtbar waren.

„Ihr versteht nicht, wo ihr gelandet seid“, sagte er ruhig. „Ihr glaubt, diese Welt funktioniert nach Stärke. Nach Rang. Nach dem, was man sieht.“

Er machte eine kleine Pause, als würde er ihnen Zeit geben, falsch zu denken.

„Tut sie nicht.“

Kid knirschte leise mit den Zähnen, als würde er gleich einen Spruch drücken. Killer blieb still neben ihm – diese Art still, die man nur hat, wenn man den richtigen Moment abwartet.

Der Blick des Generals ging zu Lia. Nicht weich. Aber präzise.

„Wenn diese Frau“, sagte er, und das Wort Frau war dabei weder abwertend noch schmeichelnd – eher wie etwas Unbestreitbares, „nicht entschieden hätte, euch anzufassen, wärt ihr längst weg. Nicht in Sicherheit. Weg.“

Ruffy schluckte hörbar. Nami wurde blass, obwohl sie sich sofort wieder fing. Shanks’ Blick glitt einmal kurz zu Ruffy – nicht beschützend im Kitsch-Sinn, eher wie: Bleib ruhig.

Law verstand den Satz sofort in seiner ganzen Härte. Nicht „verloren“. Nicht „gefangen“. Weg. Als wäre man nie da gewesen.

„Die Welt hier ist nicht euer Meer“, fuhr der General fort. „Hier gibt es Regeln, die niemand bricht, ohne dass ein System reagiert.“

Er deutete leicht, als würde er ein unsichtbares Schema auf den Tisch legen.

„Ihr habt keine Kräfte. Keine Identität. Keine Papiere. Keine Rechte, die euch schützen, wenn ihr auffallt.“

Zorro verzog kurz den Mund. „Tch.“ Nicht widersprechend – eher angewidert davon, wie logisch das klang.

„Wenn ihr heute auf der Straße geblieben wärt“, sagte der General, „hätte euch niemand gerettet. Polizei hätte euch getrennt. Medien hätten euch zerlegt. Behörden hätten euch eingesperrt.“

Er ließ den Satz einen Herzschlag wirken.

„Und sobald jemand Angst bekommt, ist eure Absicht egal.“

Robin blinzelte langsam, als würde sie innerlich Seiten umblättern. Das ist eine Welt, die dich nicht besiegt – sie verwaltet dich.

Der General trat einen Schritt näher. Nicht aggressiv. Nur so, dass jeder verstand: Jetzt kommt der Teil, den man nicht ignoriert.

„Und jetzt hört gut zu.“

Er nickte minimal in Richtung Lia – als wäre sie der Beweis, nicht die Person.

„Diese Frau ist – ob es euch gefällt oder nicht – der liebste Mensch, den diese Welt gerade zu bieten hat.“

Es klang nicht wie ein Kompliment. Es klang wie ein Fakt, der wehtut, weil er stimmt.

Lia sagte nichts. Ihre Augen wurden nur für einen Herzschlag schmaler. Sag’s sauber, aber sag nicht zu viel.

„Und sie ist nicht nur lieb“, setzte der General nach. „Sie ist wichtig.“

Er drehte den Kopf minimal, als würde er etwas markieren, das größer ist als dieses Krankenhaus.

„Träger der Welt‑Frucht gelten hier nicht als normale Ressource.“

Ein kurzer, messerscharfer Blick in die Runde.

„Die Welt‑Frucht ist… heilig genug, dass selbst Staaten sich zweimal überlegen, wie sie darüber sprechen.“

Law spürte, wie das Wort „heilig“ im Raum hängen blieb, ohne religiös zu sein. Also ist sie nicht nur mächtig. Sie ist politisch unantastbar – und genau deshalb Ziel.

Der General blieb brutal sachlich.

„Acht Präsidenten. Acht Staatsoberhäupter dieser Welt.“ Er hob die Hand minimal, als wäre das eine Zahl, die Gewicht hat. „Sie schätzen sie. Nicht, weil sie nett ist. Sondern weil sie Dinge tut, die niemand sonst kann – und weil sie bei all dem trotzdem nicht korrumpiert ist.“

Lia stand still. Gerade. Ruhig. Sag’s ruhig, Lia. Er meint es nicht als Lob. Er meint es als Warnschild.

„Wisst ihr, was das bedeutet?“ fragte der General. Er schaute nicht wie ein Lehrer. Eher wie ein Richter.

„Es bedeutet: Wenn diese Welt entscheiden würde, was mit euch passiert – dann hätte sie tausend Wege, euch loszuwerden. Still. Sauber. Legal genug.“

Nami atmete einmal scharf ein und presste die Lippen zusammen. Sanji stellte sich minimal so, dass Nami und Robin nicht „offen“ standen – reine Gewohnheit, aber jetzt wirkte sie plötzlich… sinnvoll.

„Ihr verdankt es dieser verdammten Frau“, sagte der General, und Stahl lag unter jedem Wort, „dass ihr überhaupt die Chance habt, ein Leben zu haben, in dem ihr bis ans Ende glücklich sein könnt.“

Er ließ den Blick über die Gruppe laufen.

„Sie hätte es nicht tun müssen. Niemand hat sie gezwungen. Es war ihre Entscheidung.“

Law hörte das Wort sofort: Entscheidung. Verantwortung. Haftung. Schuld. Die ganze Kette. Und natürlich hängt man es an sie.

Der General setzte nach, ohne den Ton zu ändern. Gerade dadurch wurde es schlimmer.

„Man hat ihr gesagt, dass wenn ihr Scheiße baut, es auf sie zurückfällt.“

Ein paar Leute zuckten bei der Direktheit. Der General nicht.

„Wenn eure Kräfte zurückkommen und ihr jemanden tötet. Wenn ihr eine Straße in Stücke legt. Wenn ihr meint, ihr könnt eure alte Welt hier spielen – dann fällt das nicht zuerst auf euch zurück.“

Er sah Lia direkt an. Einen Herzschlag lang.

„Es fällt auf sie zurück.“

Lia blieb stehen. Nicht klein. Nicht stolz. Nur stabil. Natürlich fällt’s auf mich zurück. Das war mir klar, bevor du die Tür aufgemacht hast.

Der General drehte den Kopf wieder zur Gruppe.

„Also frage ich euch: Ist euch bewusst, dass ihr nicht nur euch kontrollieren müsst – sondern auch, dass ihr unter ihrem Namen lauft?“

Stille. Nicht trotzig. Nicht dramatisch. Eine Stille, in der alle begriffen, dass das hier nicht „Abenteuer“ war, sondern ein System, das sie zermahlen kann, wenn sie es falsch anfassen.

Dann kam Shanks’ Stimme, ruhig wie immer – und gerade deshalb verbindlich.

„Ja.“

Der General nickte einmal. Minimal. Das größte Stück Zustimmung, das er verschenkte.

„Gut.“

Er zog die Handschuhe nicht aus. Er blieb der Uniform treu, als wäre selbst Wärme eine Disziplin.

„Dann habt ihr vielleicht eine Chance.“

Er trat zur Tür, blieb noch einmal stehen, ohne sich umzudrehen.

„Und wenn einer von euch glaubt, das sei übertrieben“, sagte er, „dann merkt euch nur das: In eurer Welt wird Stärke respektiert. In dieser Welt wird Auffallen bestraft.“

Dann war er draußen.

Die Tür fiel nicht laut ins Schloss. Aber der Raum brauchte trotzdem einen Moment, um wieder zu atmen.

Ruffy starrte Lia an, als würde er sie zum ersten Mal wirklich sehen – nicht als „die Frau mit Schutz“, sondern als jemand, der gerade eine ganze Welt auf dem Rücken hat.

„Also…“, begann er, und es klang ungewöhnlich vorsichtig, „wenn wir Mist bauen… kriegst du Ärger?“

Lia lächelte nicht groß, aber warm genug, dass es nicht nach Angst roch. „Dann kriegen wir alle Ärger.“

Und ich werde trotzdem nicht bereuen, dass ich euch verankert habe.

Kid schnaubte. „Tch. Als ob ich mir von irgendeinem System—“

Lias Blick ging zu ihm. Nicht hart. Aber messerscharf genug, dass selbst Kid merkte: Hier ist Schluss.

„Kid“, sagte sie ruhig. „Du musst dieses System nicht mögen. Ich mag’s auch nicht immer.“

Sie ließ eine Sekunde Pause – genau lang genug, damit es sitzt.

„Aber solange ihr in meinem Schild seid, halte ich euch am Leben. Und du hältst dich an die Regeln. Deal?“

Kid knirschte einmal, als hätte er auf etwas rumgebissen, das nicht weich werden wollte. Dann: „…Tch. Deal.“

Zorro murmelte halblaut, mehr zu Law als zu irgendwem sonst: „Klingt, als wär’s hier schlimmer, wenn man auffällt.“

Law antwortete trocken, ohne ihn wirklich anzusehen: „Ist es auch.“

Und dann, ganz kurz, ging Laws Blick zu Lia – nur ein Herzschlag. Sie steht da, als wäre das normal. Und keiner hier drin begreift gerade, wie krank das ist.

Lia atmete einmal langsam aus, so leise, dass es fast niemand merkte. Dann richtete sie sich wieder an alle, freundlich, klar, ohne Druck.

„Okay“, sagte sie. „Das war die offizielle Version.“

Ein winziges Zucken in ihren Mundwinkeln – trocken, aber liebevoll.

„Die praktische Version ist: Bleibt in Gruppen. Kein Alleingang. Keine Show. Wenn ihr was braucht: sagt es. Wir machen das geordnet.“

Sie sah einmal durch den Raum. Und ihr Blick blieb einen Hauch länger bei Law hängen.

Law registrierte es – und hasste, dass sein Körper darauf anspringt. Sie hält das alles… und schaut trotzdem, ob ich stabil bin.


Konferenzraum 606

Regeln

 

Die Tür war gerade erst ins Schloss gefallen, da blieb der Konferenzraum einen Moment zu still. Nicht, weil niemand etwas sagen wollte – sondern weil jeder kurz neu einsortieren musste, was „Regeln“ hier bedeutete.

Ruffy saß da, beide Hände auf den Knien, ungewöhnlich ruhig. Shanks’ Blick blieb bei ihm hängen, nur einen Herzschlag, aber eindeutig: Bleib in der Spur, Ruffy.

Nami schluckte einmal, dann kam sie als Erste wieder in Bewegung – nicht panisch, sondern praktisch. „Okay… Papiere. Identität. Was heißt das konkret? Werden wir irgendwo registriert?“

Lia nickte sofort, ohne Ausweichen. „Ich werde das ab heute alles einleiten. Mach dir keine Sorgen. Ich bin da.“

Robin sprach leiser, direkt daneben: „Und wer entscheidet das? Staat? Krankenhaus? OMEGA?“

Lia hielt Robins Blick ruhig aus. „Das entscheidet gerade OMEGA. Also… ich am meisten.“ Ein kurzer Atemzug, warm, aber fest. „Weil ich euch retten wollte. Weil ich euch nicht einfach ausgeliefert lassen konnte.“

Sag’s klar. Keine Lücke, in die Misstrauen reinwächst.

„Und weil ich den Maler dafür bestrafen werde, was er euch angetan hat“, fuhr Lia fort, ohne Pathos, nur Wahrheit. „Ich lasse nicht zu, dass euch was passiert.“

Sie sah einmal in die Runde, als würde sie jeden Satz an alle gleichzeitig befestigen. „Deswegen möchte ich einfach nur ein kleines bisschen Vertrauen.“

Kid stieß hörbar Luft aus, als wolle er widersprechen. Lia ließ ihn und sprach weiter – nicht über ihn hinweg, sondern so, dass er es trotzdem abbekam.

„Wenn du… wenn ihr das zulasst“, sagte Lia ruhig, „habt ihr hier keinen Krieg mehr.“

Sie hob die Hand, als würde sie den nächsten Teil sortieren. „Ich bin ehrlich: Eure Teufelskräfte gibt es hier nicht so wie in eurer Welt. Ihr seid… eigentlich zu stark.“

Und ich hab’s trotzdem getan.

„Ich habe entschieden, eure Kräfte mit hier in die Welt zu bringen“, sagte Lia, und jetzt war da diese klare Verantwortung in der Stimme, die nicht nach Held klang, sondern nach Akte. „Und deswegen bin ich verantwortlich.“

„Wenn ihr Scheiße baut, bin ich dran.“

Ein paar Gesichter veränderten sich – minimal. Law blieb still, aber sein Blick wurde schärfer.

„Ich hätte eure Kräfte nicht in die Welt mitnehmen müssen“, sagte Lia weiter. „Hab ich aber. Weil ich es wollte. Und weil ich sicher bin, dass ihr es wert seid.“

Sie hielt den Satz kurz fest, dann setzte sie leiser nach: „Und ich vertraue euch… weil meine Welt‑Frucht es mir auch so sagt.“

Rayleighs Augen wurden einen Tick wacher, als wäre das ein Detail, das er nicht unterschätzt. Mihawk blieb still, aber seine Aufmerksamkeit lag jetzt vollständig auf Lia.

„Ich werde heute eh ein kleines Detail zeigen“, sagte Lia und dämpfte den Ton wieder, fast freundlich, „damit ihr versteht, was ich meine. Aber dazu später.“

Zorro lehnte sich zurück und knurrte: „Klingt wie Marine, nur ohne Meer.“

Lia sah ihn an, nicht beleidigt, eher sachlich. „Man darf hier kämpfen“, sagte sie. „Aber nur, wenn man OMEGA oder der Polizei unterstellt ist.“

„Und ich habe auch einen Raum, wo ihr trainieren könnt“, ergänzte sie, und ein kleines, echtes Lächeln zuckte durch. „Zeig ich euch alles. Aber eins nach dem anderen.“

Law fragte nicht laut, aber man sah es ihm an – und Lia nahm es trotzdem auf, als wäre es ausgesprochen.

„Ich werde nicht zulassen, dass einer von euch verschwindet“, sagte Lia zu Law, klar und direkt. „Ich werde euch alles über die Welt erklären.“

Sie ließ einen kurzen Moment Nähe zu, ohne Druck. „Und dann gehen wir da gemeinsam durch. Wenn ihr wollt.“

Wenn er will. Nicht ziehen. Nicht klammern.

Law atmete langsam aus. Sie sagt das nicht als Trost. Sie sagt das als Versprechen. Und sie weiß, was es kostet.

Kid schob den Stuhl minimal, als würde er den Raum testen. „Und wenn ich mich nicht an deinen Scheiß halte?“

Lia drehte den Kopf zu ihm. Warm in der Stimme, hart im Inhalt. „Mir ist egal, ob jemand denkt, ihr seid eine Seuche.“

Sie ließ den Blick bewusst auf Kid liegen. „Für mich seid ihr das nicht. Punkt.“

Dann nahm sie die Kante raus, ohne weich zu werden: „Nur weil es relativ Frieden hier ist, will keiner, dass einer von euch ausrastet.“

Sie deutete vage nach draußen, als wäre dort die Statistik. „Hier gibt’s… kleine Sachen. Banküberfälle. Kleinkram.“

„Es gibt Teufelskräfte, die mal ausrasten“, sagte Lia. „Vielleicht fünf Mal im Jahr. Höchstens zehn. Aber das ist nicht vergleichbar mit eurer Welt.“

Sanji hatte die ganze Zeit still zugehört, dann kam seine Frage wie ein sauberer Schnitt: „Wenn’s auf dich zurückfällt… was genau riskierst du dann?“

Lia nickte ihm zu, als würde sie anerkennen, dass er nicht nur an sich denkt. „Ich riskiere, dass ich kein Recht mehr habe, euch zu helfen, wenn ihr mordet oder alles zusammen schlachtet.“

Sie sprach es ohne Drama aus, weil genau das es ernst machte. „Und ich werde zur Rechenschaft gezogen, warum ich euch überhaupt—“ sie brach den Satz nicht ab, sie stellte ihn nur sauber hin „—mit Kräften zurückgeholt habe.“

„Aber dazu erkläre ich euch später etwas“, sagte Lia direkt danach, damit es nicht wie Drohung hängen blieb. „Das gehört zusammen.“

Chopper wirkte noch kleiner auf seinem Stuhl. Franky sah aus, als würde er innerlich gegen „Regeln“ kämpfen. Lia blickte zu beiden.

„Wenn ihr euch einfach an ein paar Regeln haltet, schafft ihr das“, sagte sie ruhig. „Und wir sagen euch diese Regeln. Klar.“

Dann kam der nächste Baustein, der wieder nach Struktur klang: „Morgen kommt noch ein Freund von uns. Ditoj.“

Einige Köpfe gingen hoch – Viola sofort, Shanks’ Crew automatisch, Law registrierte den Namen, weil Lia ihn so selbstverständlich sagte.

„Er ist von der Polizei“, sagte Lia, bevor irgendwer falsch denkt. „Und nein – er ist kein schlimmer.“

Sie lächelte kurz, weich. „Ich kenne ihn, seit ich ein Baby bin. Und… er ist Violas Bruder.“

Viola blieb professionell ruhig, aber der Blick verriet: ja, das stimmt.

„Er hilft uns, weil er euch auch helfen will“, fuhr Lia fort. „Und morgen entscheidet er, ob er bei der Polizei bleibt oder ob er zu OMEGA kommt.“

Sie hob eine Braue, als wäre das eigentlich schon klar. „Aber ich denke, dass er zu uns kommt.“

Rayleigh ließ den Satz „heilig“ nicht los. Lia merkte es, bevor er überhaupt fragen musste, und sah ihn an.

„Der General hat übertrieben“, sagte Lia ruhig. „Ich bin nicht heilig.“

Sie schaute einen Moment aus dem Fenster, als würde sie das Wort dort draußen ablegen. „Ich habe einfach die Welt‑Frucht.“

Und ich hab genug Leute gesehen, die „heilig“ sagen, wenn sie eigentlich „nützlich“ meinen.

Shanks hatte vorhin nur „Ja“ gegeben – jetzt hob er minimal den Kopf, als würde er den praktischen Teil einfordern. Lia ging ihm entgegen.

„Nein“, sagte sie, als würde sie eine Sorge direkt abschneiden, bevor sie groß wird. „Ihr könnt normal leben.“

„Aber ihr dürft keine Waffen draußen tragen“, setzte sie nach, klar. „Waffen dürfen nur OMEGA‑Leute oder Polizei tragen.“

Beckman fragte sachlich, ohne Dramatik: „Wer außer dem General weiß es?“

Lia antwortete direkt. „Ein paar Leute. OMEGA sowieso. Polizei. Und die hohen Herren.“

Sie zuckte minimal mit den Schultern. „Ihr fallt normalen Menschen natürlich etwas auf – aber das ist… egal, solange ihr nicht eskaliert.“

Law kam zurück zu dem gefährlichsten Punkt, den der General gesetzt hatte, ohne ihn groß zu machen: „Also können sie dich theoretisch dazu bringen, uns rauszuwerfen.“

Lia legte sich kurz die Hand an die Brust – nicht als Show, eher als Ich meine das ernst, ich meine mich.

„Theoretisch gesehen: schon“, sagte sie ehrlich. „Ich kann mit ihnen reden. Ich kann verhandeln.“

Dann wurde ihre Stimme eine Spur kälter, nicht gegen Law – gegen die Konsequenz: „Aber wie gesagt: Wenn ihr tötet, ist’s vorbei. Oder wenn ihr irgendwas an böser Absicht macht.“

Sie ließ den Blick einmal über die Gruppe gehen, damit es nicht wie „nur Law“ wirkt. „Und außerdem wissen wir, dass ihr aus einer Piraten‑Welt kommt. Das ist… noch mal etwas mehr Schutz für euch.“

„Aber nicht, um Böses zu tun“, beendete Lia den Satz sofort. Kein Schlupfloch. Keine Romantik. Nur Regel.

Ruffy sah aus, als würde er gleichzeitig „okay“ und „hä“ denken. Zorro schnaubte, aber nicht ablehnend. Kid sagte nichts, aber sein Blick war weniger scharf.

Law blieb ruhig. Sie ist konsequent. Und sie stellt sich trotzdem vor uns. Das ist das Unlogische, das mich nervt.

Lia atmete einmal durch, als würde sie den Block schließen. Dann wurde sie wieder spürbar herzlich – nicht weich, nur menschlich.

„Okay“, sagte sie. „Falls keiner mehr Fragen hat: Ich hol mir einen Kaffee, geh einmal um den Block.“

Sie zeigte mit dem Kinn Richtung Tür. „Entweder bleibt ihr hier oder ihr geht auch kurz Luft holen.“

„Um zehn sind wir wieder hier“, sagte Lia, sah einmal über die komplette Gruppe – Strawhüte, Heart Pirates, Kid‑Crew, Rothaar‑Crew, Rayleigh, Mihawk – und nickte knapp, als wäre das ein gemeinsamer Vertrag.

Dann ging sie raus.


Bürotrakt

Anrufe

 

Lia ließ die Konferenztür hinter sich ins Schloss fallen, ohne sie zu knallen. Der Flur schluckte den Rest von Uniform‑Kälte und zu vielen Blicken wie ein Filter.

Okay. Luft. Zehn Minuten ohne „Rahmen halten“.

Sie ging nicht Richtung Ausgang, sondern Richtung Verwaltungstrakt – ihr Büro. Auf dem Weg schnappte sie sich am Automaten einen Kaffee, mehr Gewohnheit als Genuss, und hielt den Becher so fest, als wäre er ein kleines Stück Normalität, das man nicht verlieren darf.

In ihrem Büro roch es nach Papier, Desinfektion und dem ganz leichten Parfum, das in alten Ordnern hängt. Lia stellte den Kaffee ab, schob zwei Akten zur Seite und atmete einmal durch die Nase aus.

Ich hab’s durchgezogen. Jetzt kurz runterfahren, bevor ich wieder vor ihnen stehe.

Ihr Handy vibrierte – eine kurze Nachricht, sachlich wie immer. Bestätigung, Zeiten, ein „10:00 fix“. Lia tippte ein knappes „verstanden“ zurück, legte das Handy neben den Kaffee und wollte gerade den ersten Schluck nehmen.

Dann klopfte es. Leicht. Ein bisschen zu „dramatisch“, um normales Personal zu sein.

„Ja?“

Die Tür ging auf, und Perona schob sich hinein, als würde sie so tun, als wäre sie nur zufällig hier – aber ihr Blick verriet, dass sie schon seit Minuten überlegt hatte, ob sie überhaupt kommen soll. Dunkle Kleidung, geschniegelt, trotzdem eindeutig Perona: diese elegante „ich hab Stil und wenn ihr das nicht versteht, ist das euer Problem“-Aura.

Lia hob den Blick und ihre Mundwinkel zuckten. „Hey.“

Perona verschränkte die Arme. „Ich brauche… Klamotten.“ Das Wort klang bei ihr, als würde sie eigentlich sagen wollen: Ich will nicht auffallen, aber ich will auch nicht so tun, als wär mir das egal.

Lia nickte sofort, ohne Drama. „Okay.“

Sie fragt. Das ist gut. Das ist Vertrauen – auf Perona-Art.

Perona trat einen Schritt rein, ließ die Tür aber halb offen, als müsste sie jederzeit flüchten können. „Ich hab zwar Sachen, aber…“ Sie machte eine unbestimmte Handbewegung über sich selbst. „Nicht… hier-kompatibel. Und ich will nicht, dass irgendein Kind in der Wartezone mich ansieht und weint.“

Lia ließ ein leises, warmes Lachen hören – nicht auslachen. Eher: verstanden. „Fair.“

Perona hob das Kinn ein Stück. „Ich bin nicht gruselig.“

„Du bist nicht gruselig“, bestätigte Lia ruhig, „du bist… sehr Perona.“

Perona blinzelte einmal, als hätte sie ein Kompliment nicht bestellt. „Tch.“

Lia nahm einen Schluck Kaffee, stellte ihn ab und lehnte sich minimal nach vorn – aufmerksam, aber weich. „Um 10 Uhr kommt ein Nähmann.“

Peronas Augen wurden sofort einen Tick wacher. „Ein echter?“

Lia nickte. „Ja. Und wenn du willst, kommst du um 10:10 rein. Dann ist der erste organisatorische Kram durch, und du kannst dir was aussuchen. So viel du brauchst. So, wie du’s brauchst.“

Perona hielt einen Moment still, als würde sie prüfen, ob das eine Falle ist oder Fürsorge. Dann kam, leiser als eben: „Auch… mehr als nur zwei Sachen?“

Lia sah sie offen an. „Perona. So viel.“

Perona schaute kurz weg. Nicht schüchtern – eher, weil es zu freundlich war, um es direkt anzunehmen. „…Okay.“

Lia hob eine Augenbraue, trocken‑freundlich. „Aber ich verhandle nicht über Schwarz als Grundfarbe. Das ist sowieso dein Standard.“

Perona warf ihr einen Blick zu, der beleidigt sein sollte, aber nicht ganz durchkam. „Schwarz ist elegant.“

„Ist es“, sagte Lia, ohne zu widersprechen. „Und ich will nur, dass du dich wohlfühlst. Professionell heißt nicht: du musst dich verkleiden. Es heißt nur: du musst nicht gegen den Raum kämpfen, während du arbeitest.“

Perona nickte minimal, als wäre das plötzlich ein Satz, den sie sich merken will.

„10:10“, wiederholte Lia sanft. „Ich sag dir kurz Bescheid, wo genau. Und wenn du vorher schon weißt, was du willst – Schnitt, Stoff, Länge – bring’s einfach mit. Der Mann kann viel.“

Perona drehte sich zur Tür, hielt aber noch einmal inne. „Lia?“

„Hm?“

Perona presste die Lippen zusammen, als würde sie sich gegen ein „Danke“ wehren. „…Gut.“

Lia lächelte klein. „Gut.“

Perona verschwand wieder in den Flur, und Lia blieb einen Herzschlag sitzen, die Hand am Kaffeebecher.

Ein Schritt nach dem anderen. 10:00. Dann 10:10. Dann hält der Tag wieder.

 

Lia blieb noch einen Moment an ihrem Schreibtisch stehen, nachdem Perona raus war. Sie sah kurz auf die Uhr, dann auf den Kalenderblock, den sie sich im Kopf längst gebaut hatte.

Heute halte ich den Rahmen. Morgen brauche ich mehr Hände.

Sie nahm das Handy, scrollte nicht lange, sondern drückte direkt auf den Kontakt, den sie sonst nur anruft, wenn sie wirklich Unterstützung will.

Es klingelte zweimal.

„Sabo.“ Seine Stimme war ruhig, wach – als wäre er schon seit Stunden unterwegs.

„Hey“, sagte Lia leise, und in dem einen Wort lag mehr Nähe als Smalltalk. „Hast du kurz zwei Minuten?“

„Für dich: ja.“ Kein Zögern. „Was ist los?“

Lia atmete einmal aus, kontrolliert. „Morgen wird bei mir… voll. Ich hab eine Gruppe hier, die ich in den nächsten Tagen einweisen muss. Regeln, Stadt, Verhalten. Kein Mist, kein Auffallen.“

Am anderen Ende wurde es einen Tick stiller – nicht misstrauisch, eher fokussiert. „Okay.“

„Ich will dich und Koala fragen, ob ihr morgen kurz vorbeikommen könnt“, fuhr Lia ruhig fort. „Nicht als Show. Einfach als Unterstützung. Präsenz. Ein paar klare Sätze von Leuten, die wissen, was Disziplin heißt, ohne Gewalt zu brauchen.“

„Verstanden“, sagte Sabo. „Wann?“

„Vormittag“, sagte Lia. „Ich geb dir gleich noch eine genaue Uhrzeit, sobald ich die letzten Termine eingerastet hab.“

„Passt.“

Lia nippte kurz am Kaffee, mehr um sich zu erden als weil sie Durst hatte. „Und noch was: Ditoj kommt morgen auch.“

Sabo machte ein leises „Hm“, und Lia hörte daran sofort: Er kennt den Namen. Natürlich kennt er ihn.

„Er bringt uns Organisation“, sagte Lia. „Handys, Basiszeug. Und… er überlegt, ob er offiziell zu OMEGA kommt. Entscheidung fällt morgen.“

„Das ist gut“, sagte Sabo ruhig. „Der Typ ist sauber. Wenn er sich bindet, dann richtig.“

Lia lächelte minimal, obwohl es niemand sah. „Ja. Genau deswegen will ich ihn da haben.“

Sabo schwieg einen Herzschlag, dann kam seine Stimme weicher – nicht sentimental, nur ehrlich. „Du ziehst schon wieder Leute in deinen Radius, Lia.“

Lia ließ ein kurzes, echtes Lachen hören. Nicht laut. Einfach warm. „Ich weiß.“

„Ist es gefährlich?“, fragte Sabo. Keine Panik, nur Priorität.

Lia wurde sofort sachlicher, ohne kalt zu werden. „Der Maler ist noch nicht weg. Deshalb: keine unnötigen Namen draußen, keine Show, keine Kräfte, kein Theater.“

„Okay“, sagte Sabo. „Dann machen wir’s genauso. Koala und ich kommen. Ruhig. Klar. Und wenn jemand meint, testen zu müssen, wie weit er gehen kann…“

„…dann sagst du einen Satz“, unterbrach Lia trocken, und man hörte in ihrer Stimme den Funken Humor.

Sabo klang, als würde er kurz lächeln. „Genau. Einen.“

Lia atmete leise aus. Gut. Das entlastet morgen.

„Danke“, sagte sie. „Ich weiß, du hast selbst genug.“

„Du auch“, sagte Sabo. „Und trotzdem stehst du da.“

Ein kurzer Moment, in dem Lia den Blick senkte, obwohl sie alleine im Raum war. „Ja.“

Sabo wurde wieder praktisch. „Schick mir nachher Ort und Zeit. Und wenn du willst, bring ich Koala direkt mit Plan‑Board. Nicht hübsch. Nur effektiv.“

„Bitte“, sagte Lia sofort. „Effektiv ist perfekt.“

„Gut“, sagte Sabo. „Bis morgen, Lia.“

„Bis morgen, Sabo.“

Als sie auflegte, blieb Lia einen Moment still sitzen, das Handy in der Hand, als wäre allein das Gespräch schon ein Stück Stabilität.

Okay. Morgen: weniger allein. Genau so.


Als Lia die Tür hinter sich schloss, blieb der Konferenzraum für einen Moment in einer Stille hängen, die nicht gemütlich war — eher diese Art von „alle denken gleichzeitig, keiner will der Erste sein“.

Law blieb sitzen, den Rücken so, dass er Tür und Glasfront im Blick hatte. Sie geht wirklich raus. Nach so einem Gespräch. Als wäre das… normal.

Ruffy rutschte auf seinem Stuhl hin und her, als würde er die neue Welt am liebsten abschütteln. „Also… dürfen wir jetzt raus oder nicht?“

„Ruffy“, zischte Nami sofort, leiser als sonst, aber scharf genug. „Der General hat gerade erklärt, dass ‘auffallen’ hier bestraft wird.“

Ruffy blinzelte. „Ich falle doch immer auf.“

Zorro brummte trocken. „Dann lern’s.“

Kid stieß hörbar Luft aus. „Tch.“ Er lehnte sich zurück, als wäre das alles lächerlich — aber seine Finger trommelten einmal kurz gegen den Tisch, ungeduldig, zu wachsam, um wirklich gleichgültig zu sein.

Killer sagte leise, nur für Kid: „Nicht jetzt. Wir haben keine Kräfte.“

Kid verzog das Gesicht. „Sag mir was Neues.“

Am Rand stand Hanma wie eine Wand, die zufällig Arme hatte. Kein Druck, keine Drohung — einfach Präsenz, die jede dumme Idee vorher schluckte.

Viola war ebenfalls noch da, und selbst wenn sie nichts sagte, war da dieses neue, professionellere Auftreten an ihr, als hätte sie entschieden: Heute bin ich nicht nur Übergang. Heute bin ich Teil von Kontrolle.

Kid sah sie einmal an — nur einen Herzschlag — und tat sofort so, als hätte er sich nur im Raum umgesehen. „…“

Er hat’s gesehen. Natürlich hat er’s gesehen., registrierte Law beiläufig. Und dann, trockener: Und er weiß nicht, was er damit anfangen soll.

Yahiko stellte sich nicht „vor“ die Gruppe, er stellte sich nur so, dass man ihn automatisch hörte, ohne dass er lauter wurde. „Sie hat gesagt: um zehn wieder hier.“

Er deutete Richtung Tür. „Wenn jemand Luft braucht: kurz, in Sichtweite, nicht dumm. Wenn nicht: bleibt sitzen. Beides ist okay.“

Sanji hob zwei Finger, als hätte er einen Vertrag unterschrieben. „Verstanden.“ Dann glitt sein Blick kurz zu Nami und Robin, Reflex. „Ihr bleibt in meiner Nähe.“

„Wir bleiben in unserer Nähe“, korrigierte Robin ruhig.

Sanji lächelte so, als hätte er den Satz geliebt. „…Auch gut.“

Shanks hatte bislang nichts gesagt. Er saß locker, aber seine Augen waren nicht locker. „Er hat recht“, meinte er schließlich, ruhig. „Hier ist nicht die Neue Welt. Hier ist ein System.“

Ben Beckman nickte minimal. „Und das System hat gerade sehr klar gemacht, auf wen es zuerst zeigt, wenn etwas schiefgeht.“

Ein paar Blicke gingen automatisch zur Tür — dahin, wo Lia verschwunden war.

Nami schluckte. „Das heißt… wenn irgendwer von uns Mist baut, fällt das auf sie zurück.“

„Ja“, sagte Beckman. Keine Schärfe. Nur Fakt.

Ruffy zog die Stirn kraus, als würde er das wirklich ernsthaft durchdenken. „Dann… machen wir keinen Mist.“

Zorro brummte. „Für dich ist das ein neues Konzept.“

Ruffy zeigte auf ihn. „Für dich auch! Du verläufst dich sogar im eigenen Schiff!“

Zorro kniff die Augen zusammen. „Ich verlaufe mich nicht. Die Welt ist falsch.“

Ein trockenes Geräusch kam von der Seite. Law hatte nicht gelacht — aber seine Mundwinkel zuckten minimal. Natürlich streiten sie. Das hält sie stabil.

Zorro bekam es mit und sah zu Law rüber. „Was glotzt du so, Doktor?“

Law antwortete ohne die Stimme zu heben: „Ich wundere mich nur, dass du hier noch nicht ‘aus Versehen’ in ein Treppenhaus gegangen bist.“

Zorro starrte ihn an. Dann schnaubte er. „Halt’s Maul.“

Ruffy kicherte. Nami ließ den Kopf kurz nach hinten fallen, genervt und erleichtert zugleich.

Kid rollte mit den Schultern. „Wenn wir hier schon Regeln haben… wo ist der Teil, wo wir die ignorieren?“

„In deiner Fantasie“, sagte Killer leise.

Kid knurrte — aber er ließ es. Das war bei ihm schon fast Kooperation.

Rayleigh saß wie jemand, der Zeit schon mehrfach hat zerbrechen sehen und sich angewöhnt hat, dabei Tee zu trinken. „Der General hat nicht gedroht“, meinte er ruhig. „Er hat nur beschrieben, wie diese Welt funktioniert.“

Mihawk sagte nichts. Aber sein Blick war der gleiche wie immer: Regeln interessieren mich nur, wenn sie mir im Weg stehen. Und trotzdem blieb er sitzen.

Law beobachtete die Gruppe — und merkte, dass sein Kopf immer wieder zu derselben Stelle zurückwollte: Tür. Lia. Der Punkt, an dem der Raum gerade „weniger warm“ war. Sie redet viel. Aber es ist keine Leere. Es ist Struktur.

Viola bewegte sich nebenbei, stellte Wasser auf den Tisch, ohne große Ansage, als wäre das normal. Sie blieb dabei professionell, aber nicht kalt — eher: freundlich, effizient.

Kid sah ihre Hände. Dann weg. Dann wieder hin. „…Du spielst heute geschniegelt.“

Viola hob eine Braue. „Ist das ein Kompliment oder ein Problem?“

„Tch.“ Kid schob die Kinnspitze vor. „Sag ich ja nicht.“

Viola lächelte klein. „Feigling.“

Kid schnaubte. Aber er wurde nicht laut.

Und genau da, ohne Drama, verschob sich die Stimmung im Raum einen Tick: von „eingesperrt“ zu „okay, wir überstehen das“.

Viktor, der die ganze Zeit so stand, dass er niemandem ins Gesicht schauen musste, machte schließlich einen Schritt nach vorn. Nicht in die Mitte — nur nah genug, dass es klar war: jetzt kommt etwas Wichtiges.

Seine Stimme war ruhig, sachlich, fast weich — aber nicht emotional. „Ich habe eine kleine Bitte.“

Einige Köpfe hoben sich. Law hob nur die Aufmerksamkeit.

„Dr. Lethal“, sagte Viktor, „hat ein grafisches Gedächtnis.“

Er ließ das Wort kurz stehen, als wäre es eine Diagnose, die man nicht bewerten muss. „Sie vergisst nichts. Nicht Stimmen, nicht Sätze, nicht… Bilder.“

Viktor hob eine Hand, klein, kontrolliert. „Sie ordnet Menschen in Eindrücken ein. Wenn jemand schroff ist, abwertend, dauerhaft negativ — dann speichert sie das als Achtung.“

„Nicht als Rache“, fügte er trocken hinzu. „Als Sicherheitslogik.“

Im Raum wurde es stiller. Selbst Kid sagte nichts.

„Wenn sich mehr Achtung‑Bilder stapeln als positive“, sagte Viktor, „dann stuft sie einen Menschen als Risiko ein. Nähe: gefährlich. Nicht, weil sie euch hasst. Sondern weil ihr System so arbeitet.“

Law spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. Also merkt sie sich nicht nur Fakten. Sie merkt sich… Warnsignale.

Viktor blieb ruhig. „Wenn ihr Misstrauen habt, ist das normal. Wenn ihr wütend seid, ist das normal. Aber… richtet es nicht gegen sie.“

Er neigte den Kopf minimal, als wäre das sein ganzes „Bitte“. „Sagt klar, was ihr braucht. Fragt. Widersprecht. Aber versucht, nicht nur Achtung in ihr zu hinterlassen.“

Ein Herzschlag Stille.

Shanks nickte als Erster. „Verstanden.“

Und Law dachte, ohne es jemandem zu zeigen: Wenn ich so weitermache wie immer, bin ich für sie am Ende ein Risiko. …Und das gefällt mir weniger, als es sollte.

 

Viola trat einen Schritt nach vorn — aufrechter, sauberer, deutlich professioneller als gestern. Das neue Outfit, die neue Haltung… es wirkte, als hätte sie heute bewusst entschieden, nicht nur „Portal“ zu sein, sondern Ansprechpartnerin.

Kid sah sie an, einen Tick zu lange — und tat sofort so, als hätte er nur die Tür geprüft. „…Tch.“

Viola ignorierte das nicht — sie ließ es einfach stehen, wie man etwas stehen lässt, das keine Bühne bekommt. „Ich höre euch“, sagte sie ruhig. „Und ich hab verstanden, was der General gerade ausgelöst hat.“

Sie ließ den Blick einmal durch die Runde gehen, nicht herausfordernd, eher stabilisierend. „Aber das hier ist kein Gefängnis.“

„Lia hat das nicht zum ersten Mal gemacht“, fuhr Viola fort, klar und sachlich. „Es gab schon vor euch Gerissene. Sechs.“

Ein paar Köpfe hoben sich sofort. Nami wurde stiller. Robin wurde wacher.

„Die sind seit drei Monaten hier“, sagte Viola. „Sie leben. Sie arbeiten. Und sie sind… glücklich. Nicht, weil es perfekt ist — sondern weil es sicher ist.“

Kid schnaubte. „Namen.“

Viola schüttelte den Kopf. „Keine Namen.“ Ihre Stimme blieb freundlich, aber sie wurde einen Grad fester. „Der Maler ist noch aktiv. Und Lia hat damals auch bei ihnen gesagt: Keine Namen nach außen. Kein ‘Gerissene’-Gerede. Kein Futter.“

Law blieb reglos sitzen. Also ist das hier nicht improvisiert. Sie haben Erfahrung. Und trotzdem… halten sie Details absichtlich klein. Schutzlogik.

Viola machte weiter, als würde sie genau die Fragen beantworten, bevor sie laut werden. „Ein paar von ihnen haben Teufelskräfte. Ja. Und sie fallen trotzdem nicht auf — weil sie gelernt haben, normal zu leben.“

Sie hob zwei Finger. „Zwei arbeiten bei OMEGA. Einer arbeitet hier im Krankenhaus — in der Kinderabteilung.“ Dann drei Finger. „Und drei haben sich etwas Eigenes aufgebaut. Mit Regeln. Mit Identität. Mit einem Alltag.“

Robin sprach als Erste — ruhig, aber direkt. „Ihr habt bei ihnen dasselbe gemacht wie bei uns?“

„Ja“, sagte Viola sofort. „Gleiche Stabilisierung. Gleiche Schutzlogik. Gleiche ‘ihr seid nicht allein’-Schritte. Nur… andere Zeitpunkte, anderes Tempo.“

Nami atmete einmal aus. „Und sie werden nicht gejagt?“

„Nicht hier drin“, antwortete Viola. „Und nicht, solange wir nicht dumm werden. Genau deshalb sind Namen gerade nicht ‘Privatsache’, sondern Sicherheitsmaßnahme.“

Ruffy hob die Hand, als wäre das wieder Unterricht — und grinste dabei schief, als würde er die Spannung aktiv runterziehen. „Okay! Dann sind wir halt wie wir sind!“

Er zeigte einmal in die Runde, ernst und albern gleichzeitig. „Aber nix kaputt machen! Also… nicht EXTREM kaputt machen!“

Zorro brummte. „Das war jetzt überraschend vernünftig.“

„Hä?!“, machte Ruffy empört.

Ein paar Leute lachten kurz — nicht laut, aber echt genug, dass der Raum wieder Luft bekam.

Shanks’ Blick blieb ruhig. „Heißt: Es gibt ein Leben nach ‘zwei Wochen’.“

Viola nickte. „Ja.“ Dann, ganz offen: „Und… sie mögen Lia. Sehr. Wir alle. Wir sind Freunde. Nicht, weil sie reich ist oder wichtig — sondern weil sie hält, was sie sagt.“

Law merkte, wie sein Blick automatisch zur Tür ging, obwohl Lia nicht da war. Sie halten sie nicht nur als ‘Fixpunkt’. Sie halten sie als Mensch. Das ist… selten.

Kid lehnte sich zurück, als würde er das alles nicht interessieren — aber seine Augen waren scharf. „Und wenn einer von uns keinen Bock auf ‘normal’ hat?“

Viola hielt seinen Blick, ohne Druck. „Dann wird’s schwer. Für alle.“ Sie ließ den Satz bewusst kurz. „Aber wenn sechs es schaffen — dann schafft ihr es auch.“

Hanma sagte nichts. Er stand nur da wie die stille Erinnerung daran, dass „schwer“ hier nicht bedeutet „wir reden halt drüber“, sondern: wir stoppen das, bevor es eskaliert.

Law schluckte den Impuls runter, nach Details zu fragen, die Viola sowieso nicht geben würde. Keine Namen heißt: keine Angriffspunkte. Und wenn sie das so hart durchziehen… dann haben sie gelernt, wie gefährlich ein bisschen Information sein kann.

Der Raum blieb nicht mehr ganz so angespannt wie vor einer Minute. Nicht, weil alles gut war — sondern weil es plötzlich ein Bild gab, das größer war als Panik: Andere haben es überlebt. Und leben sogar.


Lia ließ die Gruppe oben nicht lange allein. Sie ging runter, nahm den schnellen Weg durch den Flur — und holte den Mann mit der Näh‑Frucht ab, samt seiner Assistentin.

„Guten Morgen“, sagte sie freundlich, so als wäre es das Normalste der Welt, an einem Sonntagvormittag einen Schneider mit Teufelskraft durchs Krankenhaus zu führen.

Der Mann nickte höflich. Ordentlich gekleidet, ruhige Hände, ein Blick, der eher Stoffe als Menschen zu lesen schien. Neben ihm die Assistentin mit Klemmbrett, wach, konzentriert.

Lia brachte beide bis vor den Konferenzraum, blieb im Türbereich stehen und senkte die Stimme. „Warten Sie einen Moment hier, ja? Ich sag kurz drin Bescheid.“

Dann trat sie hinein, zog die Tür hinter sich zu und stellte sich vorne hin, als würde sie einen Stationsablauf eröffnen — nur mit einem Hauch mehr Wärme in den Augen.

Okay. Erst Struktur. Dann Komfort. Dann kann keiner später sagen, er hätte sich verloren gefühlt.

„Okay, Leute“, sagte Lia ruhig. „Draußen wartet jemand, der euch Kleidung näht. Was auch immer ihr wollt.“

Ein leises Verschieben im Raum — nicht Panik, eher Aufmerksamkeit.

Viola trat einen halben Schritt näher zu Lia, kurz genug, dass es nicht wie ein Flüstern wirkte, aber privat genug, dass nur Lia es wirklich hörte. „Ich hab ihnen von den Gerissenen erzählt. Den sechs.“

Lias Blick ging zu ihr — ein kleiner, klarer Moment. Dann nickte sie. „Perfekt“, sagte sie in die Runde, als würde sie das einfach einordnen. „Dann passt das ja.“

Law saß nicht ganz vorne, aber so, dass er Tür, Fenster und Lia gleichzeitig im Blick hatte. Sie verliert keine Sekunde. Und trotzdem wirkt es nie wie Druck. Wie macht sie das.

Lia hob eine Hand, um den Ablauf sauber zu halten. „Bevor ihr euch Sachen aussuchen könnt: Es kommt gleich eine Mitarbeiterin rein.“

Ihre Stimme blieb warm, aber sie wurde dabei sehr eindeutig. „Sie ist auch gerissen. Sie arbeitet in der Kinderabteilung. Und mir ist extrem wichtig, dass sie glücklich ist.“

Ein kurzer Beat Stille — nicht ablehnend, eher: verstanden.

„Also seid mir nicht böse“, fuhr Lia fort. „Ich zieh sie kurz vor. Und ihr überlegt in der Zeit, was ihr braucht.“

Sie ließ den Blick über alle wandern, als würde sie jedem Einzelnen erlauben, sich dabei nicht zu schämen. „Kleidung, die ihr hattet und hier nicht habt. Dinge, die schwer zu kaufen sind. Piraten‑Embleme, Mäntel, Schnitte, was auch immer — macht, was ihr wollt.“

Sanji hob sofort den Kopf, als hätte „Outfits“ etwas mit Würde zu tun. „Anzüge?“

„Wenn du willst: ja“, sagte Lia trocken — und da war kurz dieses kleine Lächeln, das zeigte, dass sie ihn durchschaut.

Ruffy grinste. „Ich will was mit Fleisch drauf!“

„Du kriegst nichts mit Fleisch drauf“, sagte Nami automatisch.

Lia hob beide Augenbrauen — nicht streng, eher wie eine Ärztin, die ein Kind aus Reflex beruhigt. „Wir machen das simpel“, sagte sie. „Und noch was: kein Wort darüber, dass ihr gerissen seid.“

Ihre Stimme wurde nicht hart — sie wurde ruhig genug, dass sie wie Gesetz klang. „Ihr seid gerade einfach Menschen, die zu mir gehören. Punkt. Ich kleide euch ein. Mehr muss niemand wissen.“

Law merkte, wie seine Aufmerksamkeit bei dem Satz einen Tick schärfer wurde. „Zu mir gehören.“ Sie sagt das, als wäre es Verantwortung. Nicht Besitz.

Lia atmete einmal aus und setzte noch einen Punkt drauf, ganz sachlich. „Und morgen — ich hab eben telefoniert — kommen zwei Leute. Auch gerissen. Sie arbeiten bei OMEGA.“

Ihre Augen wurden für einen Moment weicher, ohne dass sie es groß machte. „Sie sind mir sehr vertraut. Und ich bin froh, dass ich sie bei mir habe.“

Sie sah kurz in die Runde. „Sie helfen uns dann, euch Regeln und Abläufe zu erklären. Damit ich das nicht alleine tragen muss.“

Ein kurzes Nicken von Shanks, kaum sichtbar. Rayleigh blieb still, aber wach. Zorro wirkte, als hätte er „Regeln“ nicht gern, aber „nicht sterben“ deutlich lieber.

Lia klatschte nicht, machte keine Show. „Gut. Da wir das geregelt haben — ich hol jetzt den Schneider rein. Überlegt.“

Sie drehte sich zur Tür, öffnete sie einen Spalt und sprach nach draußen: „Herr Faden? Kommen Sie bitte rein.“

Der Mann trat ein, die Assistentin direkt hinter ihm. Beide hielten für einen Augenblick inne, weil der Raum… voller Legenden war, selbst wenn hier niemand Kräfte hatte.

Der Schneider fing sich sofort. Professionelles Gesicht, professioneller Ton. „Guten Morgen. Elias Faden“, sagte er. „Näh‑Frucht. Maß und Anfertigung. Ich stelle keine Fragen, wenn Sie keine Antworten wollen.“

Die Assistentin nickte knapp. „Riku. Ich notiere alles. Größen, Stückzahl, Stoffwünsche.“

„Gut“, sagte Lia zufrieden, als würde sie genau solche Sätze lieben.

Und dann klopfte es.

Nicht höflich. Nicht vorsichtig. Eher wie ein Geräusch, das schon beim Klopfen ruft.

„Liaaaaa!“

Lias Gesicht veränderte sich sofort — nicht professionell, nicht Omega‑Leiterin, sondern warm. „Ja, komm rein, Liebes.“

Die Tür ging auf — und Perona stand im Rahmen, als hätte sie die Welt nie anders gekannt als: dramatisch auftreten, egal ob man will oder nicht.

Schwarz‑rosa Stil, Schleifen, ein Blick, der so tat, als wäre alles nervig, obwohl man sehen konnte, dass sie sich längst sicher fühlte.

Okay. Ruhig. Das ist gut. Das heißt: sie fühlt sich hier zuhause.

Perona blieb einen Herzschlag stehen, musterte den Raum — und ihre Präsenz war sofort da, selbst ohne Lärm.

Ein kleiner, kaum sichtbarer Geist schwebte irgendwo in der Nähe der Tür, als wäre er nur „Deko“. Oder eine Erinnerung: Ich kann. Ich könnte. Aber ich muss nicht.

Perona verzog das Gesicht, als wäre sie genervt, dass alle sie ansehen. „Ich hab gehört, du hast ’nen Näh‑Typen.“

„Hab ich“, sagte Lia freundlich.

„Und…“, Perona hob das Kinn minimal, als würde sie das Wort nicht gern sagen, „ich darf wirklich… drei oder vier Kleider?“

Lia lächelte sofort, ohne es klein zu reden. „Du darfst alles, was du willst.“

Perona blinzelte, als hätte sie das trotzdem nicht erwartet.

„Weil ich dich lieb hab“, fügte Lia einfach hinzu — genauso selbstverständlich wie „du brauchst Schlaf“ oder „du bist sicher“.

Law saß still da — und merkte, wie sein Blick einen Tick länger auf Lia hängen blieb. So redet sie also, wenn’s sicher ist. So klingt sie, wenn’s wirklich ihr Zuhause ist.

Und dann passierte der Moment.

Peronas Augen wanderten weiter — über die Strohhüte, über die Heart‑Crew, über Kid… und dann —

Sie stoppte.

Dracule Mihawk.

Perona wurde nicht laut. Aber alles an ihr spannte sich für einen winzigen Moment, als würde jemand in ihrem Kopf eine Tür aufreißen.

„…“

Zorro riss den Kopf herum. „Perona.“

Perona schnappte in seine Richtung, als wäre allein sein Name eine Beleidigung. „Du bist auch hier?!“

Usopp machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen Seele‑verlassen und Fluchtinstinkt lag. „NEIN—! Nicht sie—!“

Chopper blinzelte verwirrt. „Du kennst die?“

„Das ist die Geister‑Tante!“, zischte Usopp und zeigte halb auf Perona, halb auf den Boden, als würde er dort gleich durchfallen.

Sanji erstarrte einen halben Herzschlag — dann sprang sein Gehirn in den üblichen Modus. „Eine hübsche Lady—!“

Perona warf ihm einen Blick zu, der rein optisch schon „müde“ sagte.

Mihawk reagierte… kaum. Er saß da wie immer, still wie eine Klinge im Halter. Aber sein Blick ging zu Perona — und blieb einen Tick zu lange, als wäre das bereits ein ganzes Gespräch.

Perona presste die Lippen aufeinander. „Mihawk…“

„Perona“, sagte Mihawk. Ein einziges Wort. Neutral. Und trotzdem so eindeutig, dass jeder im Raum verstand: Die kennen sich.

Zorro knirschte. „Natürlich kennen die sich.“

Kid schnaubte. „Tch. Noch mehr Verrückte.“

Viola hob eine Braue, aber sagte nichts — sie beobachtete nur, ob Lia das kippen lässt oder hält.

Lia hielt es. Sofort. Nicht streng, nicht weich — einfach in Kontrolle.

„Perona“, sagte Lia warm, „du bist hier nicht als Überraschung für irgendwen. Du bist hier, weil du zu uns gehörst. Und weil du gute Arbeit machst.“

Perona zog das Kinn höher, als würde sie sich gegen das „nett sein“ wehren. „Ich weiß.“

Law sah, wie Lia dabei ganz kurz zu ihm blickte — nur ein Hauch.

Bitte mach da jetzt kein Ding draus. Nicht vor allen.

Und Law… tat nichts. Keine Spitze. Kein Kommentar. Nur stilles Registrieren. Sie zieht Grenzen, ohne jemanden zu verletzen. Und sie schützt sogar die, die andere triggern.

Perona deutete mit dem Kopf Richtung Schneider, als wäre das der Fluchtweg aus Gefühlen. „Also. Kleider.“

Lia nickte. „Ja. Du bist als Erste dran. Dann alle anderen.“

Perona trat einen Schritt in den Raum — und in dem Moment schwebte einer ihrer kleinen Geister ein Stück höher, als würde er die Luft „testen“.

Mihawk sah das. Zorro auch. Usopp wurde noch blasser.

Lia lächelte nur kurz zu Perona. „Nicht erschrecken lassen, ja?“

Perona schnaubte. „Ich erschreck andere.“

Und obwohl es trocken klang, war es das erste Mal, dass es im Raum wieder ein bisschen leichter wurde — weil es klang wie etwas, das man schon tausendmal gesagt hat, ohne dass jemand daran zerbricht.

 

Mihawk hatte sich nicht bewegt. Kein Schritt. Kein sichtbares Zucken. Und trotzdem war da dieser Millimeter im Blick — dieses Erkennen, das man bei ihm sonst nie bekam.

 

Er ist… froh, registrierte Law, ohne dass er den Gedanken mochte. Nicht happy. Nicht sentimental. Aber… erleichtert.

 

„Okay“, sagte Lia ruhig und stellte sich vorn an den Tisch, so dass jeder sie sehen konnte. „Wir machen das jetzt einfach pragmatisch.“

Sie zeigte mit der Hand auf Viola — und man merkte sofort, dass Viola sich verändert hatte: aufrechter Stand, klarer Blick, das Outfit sauber und professioneller, als hätte sie heute entschieden, nicht nur „mitzulaufen“, sondern mitzuhalten.

Kid sah sie an. Einen Tick zu lang. Dann tat er so, als hätte er nur den Fluchtweg geprüft. „Tch.“

Viola ignorierte das perfekt. Nicht beleidigt, nicht stolz — einfach stabil.

Lia nickte. „Viola und ich können auch zeichnen. Wenn ihr sagt, was ihr wollt — Mantel, Hoodie, Muster, Emblem, Farbe, Schnitt — skizzieren wir’s schnell, damit er es exakt nähen kann.“

Sie tippte sich kurz an die Schläfe. „Und ich… ich hab ein grafisches Gedächtnis. Wenn ihr mir beschreibt, wie es früher aussah, kriegen wir das ziemlich eins zu eins hin.“

Law hob minimal eine Braue.Natürlich hat sie das.

Lia griff nach einem Block, als wäre das das Normalste der Welt, und sah dann einmal kurz zu Law rüber — nur ein Atemzug.

Law sah zurück. Länger als nötig.

Lias Wangen wurden einen Hauch warm. Nicht jetzt. Bitte nicht jetzt.

„Fürs Protokoll“, sagte Lia dann wieder zu allen, Stimme ruhig: „Wenn ihr später irgendwo arbeitet — Krankenhaus, Restaurant, OMEGA oder Polizei — dann nehmt euch auch was Schlichtes. Keine großen Embleme, nichts, was sofort auffällt. Für privat könnt ihr tragen, was ihr wollt.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Piraten‑Zeug, Mäntel, Hüte… ist mir egal. Ihr seid hier nicht das Problem. Verhalten ist das Problem. Kleidung nicht.“

Sanji lehnte sich sofort vor. „Schlicht… ist machbar. Aber Stil muss bleiben.“

„Natürlich“, sagte Lia trocken. „Stil darf bleiben. Solange du damit keine Panik auslöst.“

 

Perona klappte den Kopf zur Seite. „Ich darf wirklich mehr als nur… drei Teile?“

 

Lia lächelte warm. „Du darfst alles, was du willst. Weil ich dich lieb hab.“

Perona tat so, als wäre ihr das egal. Aber ihre Schultern wurden minimal leichter. „Tch… na gut.“

Mihawk sagte nichts. Aber er blieb so stehen, dass Perona ihn im Augenwinkel hatte. Nicht possessiv. Nur… da.

Mihawk ist wirklich froh, dachte Law erneut. Und wenn Mihawk froh ist, ist das hier mehr als nur „Zufall“.

Perona ließ sich von Riku kurz Maß nehmen, wählte mit erstaunlich gutem Geschmack zwei, drei Teile aus — dunkel, elegant, aber nicht so „Gothic“, dass Kinder weglaufen würden.

„Vier“, sagte sie am Ende und hob vier Finger, als würde sie verhandeln.

„Sechs“, sagte Lia sofort.

Perona blinzelte. „…Du bist unmöglich.“

„Ich weiß“, sagte Lia freundlich.

Perona schnappte sich am Ende ihre ersten fertigen Sachen — als hätte Riku die Zeit wirklich einfach gefaltet — und richtete die Bluse, die jetzt plötzlich perfekt saß.

 

„Ich muss zurück zu den Kindern“, sagte sie, als wäre das selbstverständlich. Dann sah sie kurz in die Runde. Zu Mihawk. Zu Zorro. Zu Usopp. „Macht keinen Mist.“

„Du auch nicht“, murmelte Zorro.

Perona grinste einmal — und war dann schon wieder draußen.

Einen Moment blieb Stille zurück. Nicht unangenehm. Eher dieses kurze „Was zur Hölle war das“, bevor ein System sich wieder sortiert.

 

Lia klappte den Block auf. „Okay. Jetzt ihr.“

Sie deutete auf den Tisch. „Nennt mir: was ihr immer getragen habt. Oder was ihr tragen wollt. Und wenn ihr’s nicht beschreiben könnt: malt’s in die Luft, zeigt auf euch, sagt ‘so wie früher’. Ich krieg das hin.“

Viola trat neben Lia, so professionell, dass selbst Beckman das registrierte. „Wir machen das geordnet. Einer nach dem anderen. Sonst dauert’s länger.“

Kid schnaubte. „Tch.“

Und folgte trotzdem der Ordnung.

Ruffy war natürlich als Erster dran. „Meine Weste! Rot! Und Shorts!“

„Und der Hut?“, fragte Lia automatisch.

Ruffy griff an seinen Kopf, als würde er erst jetzt merken, dass er ihn noch hat. „Der bleibt!“

„Okay“, sagte Lia und skizzierte in drei schnellen Linien.

Zorro war der Nächste. „Was zum Trainieren. Nix Enges. Und… meine Bauchbinde.“

„Haramaki“, korrigierte Robin ruhig.

Zorro brummte. „Ja.“

Sanji zog sein Hemd glatt. „Anzüge. Zwei. Und Schürzen, wenn’s sein muss.“

„Wenn’s sein muss“, wiederholte Lia trocken.

Sanji hob zwei Finger. „Wenn Lia es sagt.“

Nami wollte etwas Praktisches — und etwas, das eindeutig Nami war. „Und Schuhe. Gute.“

„Gute Schuhe sind hier Überleben“, bestätigte Lia sofort, als wäre das ein medizinischer Fakt.

Robin wählte ruhig, elegant, wenig auffällig. „Etwas, das nicht schreit.“

„Verstanden“, sagte Viola, und skizzierte schon mit.

Shanks’ Crew hielt es schlicht. Hemden, Jacken, robuste Sachen. Beckman fragte als Einziger nach Taschen und Innenfächern — logisch, nicht paranoid.

Rayleigh lächelte nur. „Irgendwas Bequemes.“

Mihawk brauchte keine Beratung. „Schwarz.“

„Natürlich“, murmelte Lia, ohne zu lachen.

Dann war Law dran. Er sagte erst nichts. Seine Augen wanderten über Stoffproben, über Schnitte, über Möglichkeiten — als wäre das ein Operationsplan, nicht Kleidung.

Lia sah ihn an. Wartete. Kein Druck. Nur Raum.

Law räusperte sich einmal. „Ein weißes Hemd.“

Lia nickte sofort, und natürlich wurde sie wieder einen Hauch warm im Gesicht, weil er gerade so… normal klang.

„Und?“ fragte Viola sachlich.

„Ein Mantel“, sagte Law. „Lang. Dunkel.“

Lia zeichnete die Linie, als hätte sie sie schon tausendmal gesehen. „So wie… dein klassischer.“

Law nickte minimal.

Sie erinnert sich an meinen Schnitt, als hätte sie mich schon ewig beobachtet.

„Und die Mütze?“, fragte Lia leise, ohne ihn vor allen bloßzustellen.

Law hielt ihren Blick einen Herzschlag. „Ja.“

Lias Wangen wurden wieder warm. Verdammt.

Riku notierte alles, und Mina hielt schon das Maßband bereit, als wäre Law der schwierigste Fall — nicht wegen Figur, sondern wegen Ausstrahlung.

„Noch was?“, fragte Lia.

Law überlegte. Dann, trocken: „Was Schlichtes. Falls… Arbeit.“

Lia nickte, und in ihren Augen war kurz so etwas wie echtes, stilles Glück. Er denkt mit. Er nimmt’s ernst.

„Kriegst du“, sagte sie ruhig. „Ohne Logos. Ohne Theater.“

Als die wichtigsten Wünsche durch waren, regelte sich der Rest fast von allein: Kid wollte natürlich auffallen, Killer blieb funktional, Franky wollte etwas „SUPER“, Chopper brauchte Dinge, die zu seiner Form passen, und Brook verlangte höflich etwas, das „auch an einem Skelett würdevoll“ aussieht.

Viola und Lia zeichneten zwischendurch schnelle Skizzen, als wäre das hier ein Moodboard‑Meeting und kein Paralleluniversum.

Und während alle redeten, registrierte Law nebenbei, wie Mihawk einen Tick weniger „allein“ wirkte — nur weil Perona eben da gewesen war.

Wenn selbst Mihawk hier Verbindung hat… dann ist Lia wirklich nicht erst seit gestern in diesem Chaos. Sie baut das schon länger. Und sie trägt es, als wäre es nur Arbeit.

Riku klappte am Ende seine Liste zu. „Gut. Das wird ein paar Minuten. Dann hängt es draußen auf Ständern. Jeder markiert seinen Namen.“

„Und wenn was nicht sitzt“, ergänzte Mina freundlich, „sagen. Wir ändern.“

Lia nickte. „Perfekt.“

Sie sah einmal in die Runde — ruhig, warm, verbindlich. „Ihr müsst euch nicht schämen, irgendwas zu wollen. Nicht nach dem, was passiert ist.“

Dann glitt ihr Blick kurz zu Law. Nur kurz.

Law sah zurück. Einen Moment zu lang.

Lias Wangen wurden wieder warm. Hör auf.

Aber sie lächelte trotzdem — klein, echt — und machte dann weiter, als wäre das hier alles nur: Struktur. Stoff. Sicherheit.

 

Die Konferenztür ging wieder auf.

Riku und Mina rollten zwei Kleiderständer rein — sauber sortiert, Kleidersäcke, Etiketten, daneben ein kleiner Tisch mit gefalteten Basics. Alles wirkte so professionell, als wäre „Piraten aus einer anderen Welt“ einfach nur… ein sehr ungewöhnlicher Auftrag.

„Fertig“, sagte Riku ruhig. „Namen sind dran. Wenn etwas nicht passt: sagen.“

Mina nickte freundlich und hielt schon Stecknadeln bereit, als wäre das hier eine normale Anprobe. „Bitte immer nur einer gleichzeitig in den kleinen Nebenraum zum Umziehen — sonst wird’s Chaos.“

„Chaos ist mein zweiter Vorname!“, rief Ruffy sofort.

Nami packte ihn am Kragen. „Nein. Chaos ist dein erster, zweiter und dritter Vorname. Du wartest.“

Ruffy schmollte, aber er wartete tatsächlich — zumindest drei Sekunden.

Lia stellte sich neben Viola, Block in der Hand, Blick ruhig. Wenn das jetzt geordnet läuft, wird der ganze Tag leichter.

Viola trat einen Schritt vor, komplett professionell, als wäre sie heute mit Absicht „erwachsener“ geworden. „Okay. Wir gehen der Reihe nach. Niemand drängelt.“

Kid schnaubte. „Tch.“

Und trotzdem stellte er sich nicht quer. Er sah Viola nur kurz an — diesen neuen Stil, diese Sicherheit — und schaute dann weg, als hätte er gar nichts gemerkt.

Er findet sie süß, registrierte Law trocken. Und er hasst sich dafür.

Lias Blick streifte Viola für einen Herzschlag. Sieht gut aus. Richtig gut.

„Strohhüte“, sagte Viola. „Ihr zuerst.“

Ruffy sprang vor, griff nach seinem Sack, zog sich seine Sachen fast im Gehen über. „YES! Weste!“

Zorro nahm seinen Haramaki, hielt ihn kurz hoch, als wäre das eine Beweiskette: „Das hier.“ Dann verschwand er wortlos im Nebenraum.

Sanji schnappte sich zwei Anzüge, sah kurz zu Nami und Robin. „Damen, ich verspreche, ich sehe gleich wieder aus wie ein Mensch mit Geschmack.“

„Du bist gleich wieder ein Mensch mit Lärm“, murmelte Zorro aus dem Nebenraum.

Robin lächelte nur minimal. „Dann ist alles wie immer.“

Chopper bekam seine Sachen passend zugeschnitten — und hielt die Hose hoch, als wäre das Magie. „Die… passt?!“

„Natürlich“, sagte Mina freundlich. „Wir arbeiten mit Maß.“

 

Franky ließ sich nicht lumpen, wählte etwas, das technisch wirkte und trotzdem „Franky“ blieb. „SUPER. Ich bin wieder ich.“

Brook bekam etwas Elegantes, fast schon Bühnen‑tauglich. Er verbeugte sich automatisch vor dem Kleiderständer. „Yohoho… ich danke der Mode.“

Jinbe nahm schlichte, würdige Kleidung. Keine Show. Nur Präsenz.

Während die Strohhüte der Reihe nach verschwanden, standen Shanks’ Crew und die Heart Pirates ruhig daneben — aber man merkte, wie sich die Stimmung veränderte: Nicht mehr „gestrandet“, sondern wieder „geordnet“.

Shanks nahm sein Hemd und die Jacke, als wäre das nur eine weitere Entscheidung auf See. Beckman prüfte Nähte und Taschen wie ein Mann, der immer mit Konsequenzen rechnet.

Rayleigh zog sich gemütlich an und grinste leise. „Das fühlt sich fast an wie Sabaody. Nur… ohne die falschen Leute.“

Mihawk griff nach Schwarz. Natürlich. Ein Mantel, der keine Bewegung verschwendete. Er zog ihn an, sah einmal kurz in den Spiegel — und war fertig.

Dann war Law dran.

 

Bepo trat automatisch einen halben Schritt näher, als würde er ihn decken, obwohl es nur Stoff war. Shachi und Penguin tauschten einen Blick.

Law ging an den Ständer, nahm die Mütze zuerst. Setzte sie auf.

Dann der Mantel. Lang. Dunkel. Genau diese Linie — Dressrosa‑Kontur, die Schultern sauber, der Fall schwer genug, dass er nicht „Mode“ war, sondern „Autorität“.

 

Dann der Mantel. Lang. Dunkel. Genau diese Linie — Dressrosa‑Kontur, die Schultern sauber, der Fall schwer genug, dass er nicht „Mode“ war, sondern „Autorität“.

Er zog ihn über, ließ ihn offen. Griff nach dem Hemd — weiß — und knöpfte es nicht bis oben zu. Zwei, drei Knöpfe offen. Gerade so, dass die Tattoos an der Brust nur andeuten: Das hier ist kein Arzt aus einem Prospekt. Das hier ist Trafalgar Law.

Shachi pfiff leise. „Da ist er wieder.“

Penguin grinste. „Captain‑Modus.“

Bepo atmete hörbar aus. „Captain… sieht gut aus.“

Law brummte nur. „Halt die Klappe.“

Aber er richtete den Mantel trotzdem noch einmal nach.

Lia stand am Tisch, tat so, als würde sie Listen prüfen. Nicht hinschauen. Nicht auffallen.

Und trotzdem spürte sie ihn, noch bevor sie es zugab — diese Präsenz, die wieder „einrastete“, sobald er den Mantel trug.

Verdammt. Er sieht… gefährlich gut aus.

Sie griff zu einem Stapel gefalteter Sachen, legte sie ganz selbstverständlich auf Laws „Platz“, als wäre es Standard: ein schwarzes Hemd, ein gelbes Hemd, zwei Hosen.

 

Sie schaute ihn dabei nicht an. Keine Sekunde.

Law bemerkte es natürlich sofort. Er nahm den Stapel in die Hand, wog ihn kurz, als würde er die Logik prüfen.

Das hab ich nicht verlangt.

Er hob den Blick zu Lia.

Lia schaute demonstrativ woanders hin — auf Mina, auf die Klemmbretter, auf den Zeitplan. Als wäre das alles nur Verwaltung.

Law sagte trocken: „Das ist extra.“

Lia antwortete genauso trocken, ohne ihn anzusehen: „Standardpaket. Wechselzeug. Falls du im Krankenhaus arbeitest oder irgendwas… schmutzig wird.“

„Gelb?“, fragte Law. Ein Hauch Skepsis.

Lia zuckte minimal mit den Schultern. „Du musst es nicht tragen.“

Du sollst nur Optionen haben, dachte sie, und sie war froh, dass sie den Gedanken nicht laut aussprach.

Law sah den Stapel noch einen Moment an. Dann nickte er kaum sichtbar.

Sie war das.

Er sagte nichts mehr dazu. Aber sein Blick blieb einen Herzschlag zu lange auf ihr hängen.

Lias Wangen wurden warm. Sofort. Verräterisch. Sie tat so, als wäre es Raumtemperatur.

Viola bemerkte das aus dem Augenwinkel — und ignorierte es so professionell, wie man nur ignorieren kann.

Kid kam als Nächster dran, schnappte sich seine Sachen, und als er an Viola vorbei musste, blieb sein Blick einen Tick zu lange an ihr hängen.

Viola sagte nur: „Weiter.“

Kid schnaubte — und ging weiter.

Aber sein Ohr war einen Hauch rot. Nur ganz wenig. So wenig, dass er jeden umbringen würde, der es erwähnt.

Als alle ihre Sachen hatten, wirkte der Raum anders. Nicht „gerettet“. Aber stabil. Nicht mehr nur Gäste in einer fremden Welt, sondern Menschen, die wieder eine Kontur hatten.

Lia hob den Blick in die Runde. Ruhig. Warm. „Gut. Nehmt euch noch fünf Minuten. Wenn irgendwas zwickt: sagt’s. Dann passen wir’s an.“

Sie hielt kurz inne. „Und… danke, dass ihr das hier so normal nehmt.“

Law stand da, Mantel offen, Mütze tief, Stapel Extras unter dem Arm. Er sah Lia an — kurz, präzise — und dachte, ohne es zu wollen:

Sie verteilt Sicherheit wie andere Leute Pflaster. Und sie tut so, als wäre das nichts.

Ruffy rief von hinten: „Okay! Jetzt kann ich wieder richtig essen!“

Nami seufzte. „Das konntest du vorher auch.“

Zorro kam aus dem Nebenraum, sah Law an, musterte den Mantel einen Moment zu lang, und grunzte dann: „Sieht nach Ärger aus.“

Law antwortete trocken: „Du auch.“

Und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als wären sie nicht in einer neuen Welt — sondern einfach nur… zusammen.